Ausgabe 
4.12.1841
 
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Schon ſeit mehreren Jahren trug ſich der Aus⸗ ſchuß unſers Hülfs⸗Vereins mit dem Gedanken, wie heilſam die Errichtung einer ſogenannten Kleinkinder⸗ ſchule für Friedberg wäre; und oftmals wendeten ſich die Berathungen dieſem Gegenſtande zu. Die von mehreren Seiten erhobenen Bedenklichkeiten, ſo⸗ wie die lokalen Hinderniſſe, auf welche man zu ſtoßen erwartete, verzögerten lange die Ausführung. Endlich glaubte man jedoch im Jahr 1839 zur Wahl einer Commiſſion ſchreiten zu können, welche am 21. Au⸗ guſt des gedachten Jahres zum erſtenmal der Plenar⸗ Verſammlung über ihre Wirkſamkeit referirte.

Dieſe Wirkſamkeit war jedoch bis dahin eines Theils mehr negativer Art geweſen, andern Theils war ſie nur den erſten Vorbereitungen auf die in das Leben zu rufende Anſtalt gewidmet. In⸗ deſſen ſahen wir uns bereits am 13. Januar 1841 in den Stand geſetzt, der Plenar-Verſammlung über unſere Vorarbeiten Bericht zu erſtatten, und die Erklärung abzugeben:die nöthigen Anordnungen ſeien ſoweit getroffen, daß die Anſtalt mit dem Monat März beginnen könne. Zu gleicher Zeit legten wir 2 Entwürfe von Anſprachen an die Bewohner Fried⸗ dergs vor, deren Veröffentlichung für zweckdienlich er⸗ achtet wurde. Der eine derſelben betraff eine kurze Belehrung über den Zweck der neuen Anſtalt, und über das, was von den Eltern, welche ihre Kinder ihr an⸗ vertrauen wollten, zu beobachten ſei; der Andere ent⸗ hielt eine Aufforderung an unſre Mitbürger, das gute Werk mit ihren Beiträgen zu unterſtützen und dadurch ſein Beſtehen zu ſichern. Beide Entwürfe wurden ge⸗ nehmigt, und der Druck derſelben beſchloſſen.

In Gemäßheit der in der nemlichen Plenar⸗ Ver⸗ ſammlung weiter gefaßten Beſchlüſſe lag nunmehr der Commiſſion dreierlei ob: 1) Subſeriptionen von Beiträgen zu ſammeln; 2) für die Acquiſition eines ſchicklichen Lokals zu ſorgen; und 3) mit der zur Beaufſichtigung der Kinder bereits in Ausſicht ge⸗ nommenen Perſon einen feſten Vertrag abzuſchließen.

Die Sammlung der Subſeriptionen zu Beiträgen vollzogen wir ſo, daß ein Jedes der 4 Commiſſions Mitglieder einen beſtimmten Diſtrikt der Stadt übernahm, und nach eingeholter kreis räthlicher Erlaubniß denſelben in Begleitung eines Dieners von Haus zu Haus durchſchritt. Den ein zelnen Unterzeichnern wurde dabei anheim gegeben, ob ſie monatliche, oder vierteljährige Bei⸗ träge verwilligen, oder auch nur eine einmalige Gabe verabreichen wollten. Sämmtliche Bewilligun gen aber wurden in ein zu dieſem Behufe eröffnetes Verzeichniß eingetragen. Dankbar müſſen wir es anerkennen, daß man beinahe durchgängig unſern Wünſchen bereitwillig entgegen kam, und daß man namentlich nur mit wenigen Ausnahmen ſich zu regelmäßigen Quartalbeiträgen anheiſchig machte. Dieſe Quartalbeiträge lieferten für das Jahr 1840 einen Geſammtbetrag von 286 fl. 22 kr. Gewiß eine recht erfreuliche Grundlage für die junge Anſtalt!

Das Auffinden eines ſchicklichen Lokals

war, wenn man die Erforderniſſe eines ſolchen be⸗ rückſichtigt, gerade keine leichte Aufgabe. Wir waren indeſſen bald ſo glücklich, in den Beſitz eines der⸗ artigen, wie es kaum paſſender gefunden werden könnte, zu gelangen, indem Herr Poſtmeiſter Hel molt ſein am unteren Hauck ſtehendes Gartenhaus nebſt einem genügenden eingeſchloſſenen Raum von dem daran ſtoßenden Garten zur Benutzung überließ. Hier iſt nicht bloß ein hinreichend großes Zimmer für die Kinder, ſondern auch eine Küche und im obe⸗ ren Stock Wohnung für die Aufſeherin. Aus der hin, teren Thüre tritt man unmittelbar in den theils zum Spielplatz hergerichteten, theils zur Gemuͤſepflanzung vorbehaltnen Garten, ſo daß in der That allen bil⸗ ligen Anſprüchen hier genügt iſt. Die jährliche Miethe für dieſes Lokal beträgt 55 fl.

Es blieb uns nun noch übrig, mit der zu beſtel, lenden Pflegerin der Kinder eine feſte Uebereinkunft zu treffen, und ſie hinſichtlich ihrer Obliegenheiten zu inſtruiren. Wenn Liebe zur Sache, verbunden mit hinreichender Bildung, Neigung und Fähigkeit, mit Kindern umzugehen, Reinlichkeit, Geduld ꝛc. nothwen⸗ dige Eigenſchaften einer Perſon ſind, die kleine Kinder beaufſichtigen und leiten ſoll: ſo glauben wir in Jung fer Göring eine ſolche gefunden zu haben. Sie hat ſich bis hieher dem ihr übertragenen Geſchaͤfte treulich unterzogen, und wird dabei von einer Nichte recht wacker unterſtützt. Da ſie ubrigens im Anfang von

einer Kleinkinderbewahranſtalt noch gar keine deut⸗

liche Vorſtellung hatte, ſo trugen wir Sorge, daß ſie ſelbſt erſt eine ſolche kennen lernte und ſchickten ſie auf einige Tage zu dem Ende nach Frankfurt. Die ei⸗ gene Anſchauung, welche ihr dort wurde, wirkte überaus wohlthaͤtig auf ihre Leiſtungen. Neben freier Wohnung, Licht und Holz bezieht ſie einen Jahres- gehalt von 60 fl.

Sollte indeſſen die zu gründende Anſtalt eines freudigen Gedeihens ſich gewärtigen, ſo mußte außer dem bisher, Erwähnten auch für das Oekonomiſche derſelben und für eine fortwährende Beauf⸗ ſichtigung ihres inneren Haushaltes Füt ſorge getroffen werden. Dieß konnte ohne Zweifel nicht beſſer geſchehen, als dadurch, daß dieſer Zweig der Verwaltung in die Hände eines Frauen- Vereins gelegt wurde. Es bildete ſich deßhalb auf unſeren Antrag ein Vorſtand von fünf achtbaren Frauen aus unfrer Mitte, welche gemeinſchaftlich die erforderlichen Anſchaffungen von kleinerem Haus geräthe, Küchengeſchirr, Kittelchen und dergl. über⸗ nahmen, und das Nöthige hinſichtlich des Mittag⸗ eſſens der Kinder beſorgten, ſowie überhaupt die Pfle⸗ gerin überwachten und mit Rath und Anleitung un⸗

terſtützten. Außerdem machte ſich eine Anzahl von

Jungfrauen durch freiwillige Unterzeichnung verbind⸗ lich, in wechſelnder Reihenfolge die Kleinkinderſchule zu beſuchen, und theils durch angemeſſene Beſchäf⸗

tigung mit den Kindern, theils durch ſonſtige Ante

gung die Anſtalt zu fördern. So waren denn die nothwendigſten Vorkehrungen

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