Ausgabe 
14.12.1839
 
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Die ſel be an die Schul-Vorſtaͤnde des Kreiſes.

Betreffend:

Die Einführung von Leſebüchern in den Schulen.

Unter Bezugnahme auf das Ihnen bereits mitgetheilte Ausſchreiben des großh. heſſ. Oberſchulraths

vom 11. September 1839, empfehlen wir Ihnen die

Einführung des darin hervorgehobenen Leſebuchs) des großh. Oberſchulraths Roth. Zugleich bemerken wir,

daß jedenfalls die Einführung eines anderen Leſe

buchs ohne vorher bei uns eingeholte Genehmigung nicht ſtattfinden darf.

Friedberg den 2. Dezember 1839.

Küchler. Kleberger. Eckerich.

5 Daſſelbe iſt ſtets vorräthig bei C. Bindernagel in Friedberg.

Klatſcherei.

Schreiber dieſes haßt die Klatſcherei, wo ſie ſich auch einſtellen mag, in den Tod, und wagt es hier über ſie ein Wörtchen zu ſprechen, um ſei⸗ nem Herzen einmal recht Luft zu machen. Er wird ſich dabei ſehr hüten, von Klatſchern und Klatſcherin⸗ nen auch nur ein Wörtchen fallen zu laſſen, um ihnen nicht in die Hände zu gerathen; denn in der Regel laſſen ſie einem ſolchen klein Haar auf dem Kopfe. Das Sonderbarſte dabei iſt aber, daß ge rade beim Klatſchen am Allerwenigſten und am Allerſeltenſten von der Klatſcherei ſelbſt geſpro⸗ chen wird. Woher mag das wohl kommen? Wir wollens nicht weiter unterſuchen, aber gerade dar um von ihr ſprechen, weil ſie beim Klatſchen immer mit Stillſchweigen übergangen wird.

Beim Landmann kommt, die Spinnſtubenzeit aus⸗ genommen, Klatſcherei ſelten vor, und das aus be greiflichen Urſachen. Er hat den Werktag an an⸗ dere Dinge zu denken, und Nöthigeres zu thun; den Sonntag aber hat er den Gottesdienſt zu beſuchen und nach demſelben ſich über die Predigt und das Ackerfeld mit den Nachbarn zu beſprechen.

In größeren Städten iſt Klatſcherei auch nicht immer ſehr zu Hauſe: denn da kennt kaum Ein Nachbar den andern, oder er bekümmert ſich wenig um ſie, weil ihrer gar zu viele ſind. Die Müſſig gänger aber in den großen Städten haben an den Gaſtmählern, dem Theater, den Baͤllen, dem Hofe Stoff genug zu ſprechen; und wenn er ihnen ja ein⸗ mal ausgehen ſollte, ſo wenden ſie ſich an die Poli tik, welche ihnen Mittel in hinreichender Menge an Handen gibt, ſich die Zeit zu vertreiben.

Nirgends aber iſt Klatſcherei häufiger, nirgends mehr zu Hauſe, als in kleineren Städten. Woher mag das wohl kommen?

Allerdings hätten auch in dieſen die Geſchäfts leute Stoff genug zur Unterhaltung, wenn ſie, wie die Landleute, in den Werktagen ſich um ihre Ge ſchäfte kümmerten, und am Sonntag um die Pre digten, die ihnen die Geiſtlichen, und zwar gewoͤhn⸗ lich in noch ſchönerer Form halten, als auf den Dörfern. Sehr oft aber geſchiehls, daß ſie an Werk tagen das Wirthshaus eben ſo oft beſuchen als die

Werkſtätte, und des Sonntags ſich fur geſcheider dünken als ihre Geiſtlichen, und mehr über dieſe zu ſprechen wiſſen, als über deren Predigten.

Dazu kommt noch, daß in kleineren Städten der Kreis, in welchem ſie ſich bewegen, viel enger iſt als anderwärts, daß die Bewohner deswegen weit häufiger mit einander in Beruͤhrung kommen, als in größeren Städten. Daraus folgt, daß häufiger dieſelben Leute immer wieder zuſammenkommen, häu⸗ figer ſich beſprechen. Fehlts dann an einem guten Stoffe, ſo gehts gegen den Abweſenden los; das führt zur Klatſcherei. Aber die Haupturſache, daß es dazu führt, liegt in dem Mangel an tüchti⸗ ger Geiſtesbildung.

Mit der Politik ſind ſie gewöhnlich bald fertig, weil man die Verhältniſſe nicht genugſam, kennt. Ueber Religion, über Gott und das Weltall mag man ſich nicht unterhalten, weil dieſe Gegenſtände Vielen zu hoch hängen. Eben ſo wenig oder ſelten werden andere wiſſenſchaftliche Gegenſtände vorge nommen, entweder weil man überhaupt nicht tief genug in ſie eingedrungen iſt, oder weil man an ſolchen Gegenſtänden keine Intereſſe hat, oder weil man nicht gewöhnt iſt, von ihnen zu ſprechen, oder, wenn auch Einer oder der Andere damit einmal kommen wollte, weils keinen Anklang findet. Was ſoll man unter ſolchen Umſtänden Anders anfangen, als von ſeinen Nachbarn, von X oder Y ſprechen?

Am ärgſten und häufigſten ſind Klatſchereien bei dem weiblichen Geſchlechte in kleinen Städten zu finden. Das kommt wohl, da wir's in der weib lichen Natur nicht ſuchen mögen, daher, weil, wenig⸗ ſtens in früheren Zeiten die geiſtige Ausbildung der Mädchen in Schulen weit mehr vernachläſſigt wurde, als die der Knaben. Wie lange iſt's her, daß nur die Kenntniß des Schreibens bei ihnen allgemein geworden iſt? Es kommt aber auch oft davon, daß die Männer ihre Frauen nicht ſelten halbe Tage lang allein laſſen, um in den Wirthshäuſern oder an Spieltiſchen Zerſtreung zu finden. Das Weib ſucht ſich dafür zu entſchädigen; es geht in die Thee-Viſiten oder zur Nachbarinn. Und von wem iſt hier die Rede? Von der Magd, von der Frau A und von der Frau B. In der Regel gibt es keine fadere Unterhal

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