Ausgabe 
14.9.1839
 
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Namentlit

tſe Beeren

davon, konnte ihnen aber keinen Geſchmack abgewin⸗ nen; deſto beffer mundeten ſie der alten 64jährigen Großmutter. Bald nach dem Genuß zeigten die feinder eine eigenthümliche Unruhe, bekamen Nei⸗ zung zum Erbrechen, ſprachen unaufhörlich und völlig derwirrt, und ſchliefen die ganze Nacht hindurch kei⸗ ten Augenblick. Am folgenden Morgen äußerte auch bei der Großmutter das genoſſene Gift ſeine Wirkung. Sie fing an, alles verkehrt zu thun, zer⸗ brach Mehreres und plauderte unaufhörlich verwirrtes Zeug. Allmählig trat ein großer Schwächezuſtand ein, beſonders bei den Kindern, deren Leiber zu einer enormen Ausdehnung aufgetrieben wurden. Die Kranken weigerten jede Nahrung, lagen da mit ſtark jeröthetem Geſicht, weiten, ſtarken Pupillen, heißem Kopf und kalten Gliedern. Dabei plauderten ſie unaufhörlich, oder waren wie ein Bote, der meine irztliche Hülfe in Anſpruch nahm, ſich ausdrückte ganz toll. Die Unglücklichen hatten von den Beeren der Wolfs- oder Tollkirſche(Atropa Belladonna) gegeſſen!

Unbeſchreiblich war der Jammer der Mutter, als ich das Leben ihrer beiden einzigen Kinder in dringender Gefahr erklärte. Der Vater iſt ſeit Monaten abweſend, um in weiter Ferne den Unter zalt für den Winter zu verdienen!

Obgleich nun die Kranken ſich heute beſſer be⸗ finden, ſo daß Ausſicht zur Erhaltung ihres Lebens sorhanden iſt, ſo kann doch ihre Geſundheit durch die Vergiftung leicht eine bleibende Störung erlitten haben.

Möge dieſe Erzählung allen unvorſichtigen El⸗ tern zur Warnung dienen; mögen vorzüglich die Herren Schullehrer dadurch veranlaßt werden, die Schulkinder vor dem Genuß unbekannter Früchte zu warnen, und ſie durch Vorzeigung der in ihrer Gegend wachſenden Giftpflanzen mit denſelben bekannt zu machen.

Nauheim den 12. September 1839. Dr. Bode.

Der luzerner Klee.

Der ſchwäbiſche Merkur ſo wie die großh. heſſ. Zeitung in ihrer 232. Nummer enthalten beherzigungs⸗ werthe Worte über den Anbau des ſogenannten Lu⸗ zerner oder Schweizer⸗Klees, die wir unſern Leſern, beſonders denen, welche Landwirthe ſind, micht vorenthalten zu dürfen glauben. Sie lauten, wie folgt:

Der dießjährige trockene Sommer wirkte wieder⸗ Holt nachtheilig auf den Futter⸗Gewächsbau ein, ſo daß die Heuernte nur einen mittelmäßigen und der erſte Kleeſchnitt einen ziemlich guten Ertrag lieferten; dagegen verſpricht das Oehmdgras einen niedrigen

und in vielen Gegenden gar keinen Extrag; eben ſo nahm der zweite Kleeſchnitt gleichfalls in Folge der anhaltenden Trockenheit ab. Bei dieſen Trocken⸗ heltsverhältniſſen zeichnete ſich auch dieſen Sommer wieder die Luzerne(ewiger Klee) durch einen hohen Futterertrag aus. Die zwei erſten Schnitte gewähr⸗ ten einen vollkommenen und der dritte verſpricht gleichfalls einen befriedigenden Ertrag, ſo daß man mit vollem Rechte von ihr rühmen kaun, daß ſie alle anderen bekannten Futterpflanzen im Ertrag übertreffe. Auch in Beziehung auf den Futterwerth verdient ſie dem Klee und dem Eſper gleichgeſtellt zu werden. Kommt ſie auf den geeigneten Boden, ſo dauert ſie 5 10 20 Jahre, und fordert alſo von allen Futterpflanzen den geringſten Kälturauf⸗ wand. Dieſe Futterpflanze kommt ſehr gut auf je⸗ dem Lehmboden, auch lehmigem Sand fort, wenn nur der Untergrund durchlaſſend und waſſerlos iſt. Ein Kalk- und Mergelboden ſagt ihr vorzüglich zu und ſie gedeiht beſonders gut an den ſüdlichen Berg⸗ abhängen. Auch auf jedem Ackerfeld, welches keine waſſergalligen Stellen hat und ſonſt nicht an Feuch⸗ tigkeit leidet, kann ſie mit Vortheil angebaut werden, wenn das Feldſtück an einem Wege liegt, ſo daß man ungehindert das Luzernefeld betreten kann. Will man die Luzerne anbauen, ſo läßt man ihr reine Brache oder Kartoffel vorausgehen, durch welche das Feld von Unkraut rein und tief bearbeitet wird. Gewoͤhnlich ſäet man ſie im Frühjahre mit einer Ueberfrucht, z. B. mit Gerſte und Hafer. Man rechnet auf den Morgen 2 Vrlg. Luzerneſaa⸗ men. Das Luzernefeld verträgt keinen friſchen Miſt, außer ganz verrotteten oder Kompoſtdünger, auf deſſen Bereithung in allen Wirthſchaften mehr Be dacht genommen werden dürfte, als dies bisher der Fall war. Wird dem Kompoſthaufen gebrannter Kalk, Mergel oder Seifenſiederäſcherig beigemengt, ſo iſt ſeine Wirkung auf dem Luzernefeld vorzuͤglich. Hat man Gelegenheit, den Abraum von Straßen, welche mit Kalkſteinen beſchlagen wunden, wohlfeil ankaufen zu können, ſo bringe man denſelben den Winter über auf Haufen, beſchütte dieſelbe mit Miſt⸗ jauche, worauf man denn im Frühjahre dieſen mine⸗ raliſchen Duͤnger dem Luzernefeld zuführt; auch gute fruchtbare Erde iſt der Luzerne willkommen. Möchte dieſe kurze Beſchreibung recht viele Landwirthe zum Anbaue einer Futterpflanze ermuntern, welche ſowohl nach Qualität als Quantität ſehr ſchatzbare Eigen⸗ ſchaften beſitzt, und deren Mißrathen bloß in ſehr feuchten Jahrgängen zu befürchten iſt.

Bei che i n i. gung.

Der Unterzeichnete hat bis zum heutigen Tage für die am 13. Juni d. J. durch Hagelſchlag unglücklich gewordenen heſſiſchen Brüder zu Großlumda, großh. heſſ. Kreisbezirks Grünberg, von hieſigen Menſchenfreunden folgende Unter⸗ ſtützung erhalten: 0

1) Vom Ortsbürger Heinrich Klingelmeyer 35 kr.