Ausgabe 
13.7.1839
 
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dabei ſtoͤren. Des Sonntags fuhr er in ſeinem Staatswagen nach Bürgel in die Kirche. Hier wurde ein Teppich ausgebreitet; auf denſelben legte er ſich der Länge nach hin; gekleidet mit einem rothen, von Hermelin verbrämten Mantel, das Haupt mit einer rothen Mütze bedeckt, verrichtete er ſo ſeine Andacht. Wenn das geſchehen war, ging der Zug wieder zurück in die Wohnung. Alles, was ihn umgab, war auf das Prächtigſte, alle Diener ſchaft aufs Reichſte geſchmückt, und ſo groß war die Ehrfurcht der ganzen Umgebung, daß tiefe Stille herrſchte, wo er war, wie wenn eine Gottheit ſich da befunden hätte. Nach und nach kamen der frem den Verehrer immer mehr. Die aber kamen, ſpra chen polniſch oder ruſſiſch, beobachteten gegen ihn dieſelbe Ehrfurcht, wie ſeine Umgebung und lebten alle auf ſeine Koſten. Woher kam aber das Geld dazu? Dann und wann langten ſchwere Fäſſer voll Gold an. Das nahm jedoch bald ab; ehe es aber ein Ende genommen, war ſchon wieder aus einer Quelle neues angelangt, als wenn's nie ein Ende nähm'?

Aber wer war denn dieſer fremde Unbekannte? Es muß wohl ein fremder Fürſt ſeyn, ſagte man ſich, oder ein ruſſiſcher Prinz, vermuthete ein Ande rer. Fragte man, ſo erhielt man weiter keine Ant wort, als, es ſey der Herr von Frank. Wo war denn aber dieſerHerr von Frank her? und wer ſchickte ihm das Geld?

Nach und nach verbreitete ſich von ihm mehr und mehr; denn die Menſchen hatten kein größeres Bemühen als heraus zu bringen, wer und woher er wäre, und was es mit den vielen Polacken, die ihn umgaben oder beſuchten, fuͤr ein Bewandniß habe.

Das wenigſtens hatte man bald herausgebracht, daß er mit Bewilligung des Fürſten da war, daß er vor ſeiner Ankunft in Wien und Brünn ge⸗ weſen war, dort denſelben Aufwand gemacht hatte und noch einen größeren als er zu Offenbach machte, und daß man ihn dort eben deßhalb nicht mehr länger hatte dulden wollen. Noch Allerlei hatte ſich uͤber ihn in dem Publikum verbreitet; ehe man aber ſeinetwegen etwas Zuverläſſiges erfahren hatte, ſtarb er im Dezember des Jahtes 1791 mit Hinter laſſung zweier Söhne und einer Tochter. Sein Leichenbegängniß uͤbertraf beinahe das eines Fürſten; über 800 Perſonen, Männer, Frauen und Kinder, alle aufs Koͤſtlichſte geſchmückt, folgten der Leiche, und als ſie in das Grab geſenkt wurde, da fand ein ſo lautes Jammern und Wehklagen ſtatt, daß es weithin erſchallte. Das war, wie man ſpäter erfuhr, ſehr begreiflich, denn ſeine Anhänger hatten ihn fuͤr unſterblich gehalten, und als ſie nun ihres Irrthums inne wurden, da mußte die Enttäuſchung ſchrecklich ſeyn.

Als der Unbekannte nicht mehr war, da ver⸗

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ſiegten bald bie Quellen, aus welchen die reichen Einkünfte bisher gefloſſen waren, und als man dieſe verſiegt ſah, da verlor ſich auch allmählig der große Haufe, welcher ſich bisher eingefunden hatte. Wer aber von den treueſten Gefährten da blieb, dem gings allmählig immer weniger fürſtlich, dann mittel mäßig und zuletzt kümmerlich. Noch jetzt kann man zu Offenbach deren Etliche ſehen; ſie ſind ernſt, leben friedlich mit den Bewohnern, ſuchen aber ſo wenig als möglich mit Andern in Berührung zu kommen, geben dagegen in ihrem Leben durchaus keine Urſachen zur Unzufriedenheit oder gar zu Klagen, und ſie erſcheinen ſchon darum achtungswerth, wenu ſie es auch nicht waren als Menſchen, die ſich für einen Andern faſt zu ſagen opfern.

Seitdem iſt aber auch Manches über den großen Unbekannten zu Tage gekommen, was man früher nicht wußte, und wen's von unſern Leſern intereſſirt, dem wollen wir's in wenigen Worten hier mittheilen.

Der angebliche Baron Jakob Frank hieß höchſtwahrſcheinlich eigentlich Dobrutzki oder Do bruſchki, und war von Geburt ein Pole. Nach dem er ſich in ſeinen jüngern Jahren eine Zeitlang in der Tuͤrkei herumgetrieben hatte, kehrte er im Jahre 1750 in einem Alter von ungefaͤhr 38 Jahren, nach ſeinem Vaterlande zurück.

Seinem Glauben nach war er ein jüdiſcher Rabbiner, gehörte aber zur Sekte Derjenigen, die da annahmen, daß die Erklärungsſchrift der Thora, welche man Sohar nennt, die einzig wahre ſey, nicht aber der Talmud, und die deßwegen So hariten genannt werden, von den übrigen Juden dagegen, den Talmudiſten, auf alle Weiſe an gefeindet und verfolgt wurden. Denn während die Talmudiſten auf die Erſcheinung eines Meſſias hoffen, behaupteten die Sohariten, dieſe Hoffnung ſey eitel; dagegen werde einſt Gott verkörpert als Menſch erſcheinen.

Um vor den Verfolgungen der Talmudiſten ſich ſicher zu ſtellen, gingen jene zum Chriſtenthum über. Da aber die chriſtlichen Polen bald inne wurden, daß deren Bekehrung nur eine ſcheinbare war, ſo wurden ſie gerichtlich verfolgt und zum Feſtungsbau verurtheilt. Dieſes Schickſal hatte auch Frank. Ju dem Kampfe, der bei der erſten Theilung Polens entſtand, eroberten die. Ruſſen im Jahr 1772 die Feſtung Czenſtochad, worin er gefangen ge halten war, und dadurch erhielt er ſeine Freiheit wieder. Von jetzt an begann ſein Anſehen unter ſeinen Glaubensgenoſſen in den flaviſchen Ländern auf eine ganz außerordentliche Weiſe zu ſteigen, und es geht aus Allem hervor, daß er von ihnen nicht ſowohl für den Meſſias als vielmehr für den auf Erden verkörpert als Menſch erſchienenen Gott gehalten wurde. Daher die ungeheuren Geld ſpendungen aus Böhmen, Mähren, Polenz daher die an Anbetung gränzende Ehrfurcht vor

entliehen; fl. auf den 288 U. den por Feitz 9 III. auf den den 15. A zu Melba bei Johan M. auf den tion von am Rhein, henden Se Caution 1803 der von 100 f V. auf den Caution Uw und uud 140 f Mob. 1812 offen, wiewo Erben bihaup längſt duch tungen für! erloschen, di gegangen ſe daher alle, unden und