Wir wagen es, auch unſere Wetterauer zu Bei⸗ trägen hiermit aufzufordern, und hegen das Ver⸗ trauen, daß wir keine Fehlbitte thun werden. Auch ein kleines Scherflein iſt willkommen, das mit Liebe dargereicht iſt. Noch iſt bei uns der Sinn für die Sache des deutſchen Landes nicht erloſchen; noch lebt in uns Allen jene Vaterlandsliebe, welche den Arm ſtählt in den Zeiten der Gefahr, die Dankbar keit für jenen Helden, der die deutſchen Gaue vom Joche der Römer befreite. Wir Heſſen aber dürfen insbeſondere nicht vergeſſen, daß an dem gewaltigen Kampfe gegen ſie auch die Chatten Antheil nah— men. Das ſind unſere Vorfahren.*)
*) Es drängt mich hier eines andern Denkmals zu erwähnen, welches uns als Menſchen, als Deutſche und als Heſſen gleich nahe ſteht, im Vertrauen auf die Theilnahme von ganz Europa errichtet wurde und— bis heute noch nicht einmal bezahlt werden konnte:— ich meine das Gutenbergs⸗Denkmal zu Mainz!— Ver⸗ gebens ſuchte ich bei dem erhebenden Feſte der Enthüllung dieſes Denkmals 1837 nach den Beiträgen von Friedberg, von der Wetterau; ich fand ihre Namen nicht verzeichnet in dem Buche. das einſt der Nachwelt verkünden ſoll, wer ſich bei der Errichtung dieſes dem wohlthätigſten aller Erfinder geweihten Denkmals glücklich pries, ſein Scherf— lein beitragen zu können.—— 5
Noch iſt's Zeit ſeine Theilnahme zu beweiſen; laßt uns darum nach Kräften ſammeln, liebe Mitbürger, und das Geſammelte nach Mainz ſenden, um mitzuwirken, daß das im nächſten Jahre gefeiert werdende Jubiläum der Erfindung der Buchdruckerkunſt nicht wie eine Satyre auf das Monument ihres Erfinders erſcheine. N
Um einen Anfang zu machen, unterzeichne ich mit 5 fl. 24 kr. und bin mit Vergnügen bereit, auch die kleinſte Gabe in Empfang zu nehmen, in d. Bl. zu erwähnen und ſeiner Zeit ein vollſtändiges Verzeichniß aller Bei⸗ tragenden mit dem Eingegangenen an das Comite nach Mainz zu ſenden.
Friedberg. C. Binder nagel.
Die ſchoͤnſten Gegenden der Wetterau. (Fortſetzung.)
Heute führen wir unſere Leſer nach Staden, deſſen Sauerbrunnen wir beſuchten, ehe wir im Orte ſelbſt anlangten. Wir kehren beim Herrn Hammel ein, um uns ein wenig zu erfriſchen, und wuͤrden von dort aus dem Herrn Pfarrer unſere Aufwar— tung gemacht haben, wenn wir nicht gehört hätten, er wäre noch nicht eingezogen. Dafür aber beſehen wir die neue Kirche, die dem Erbauer Ehre macht, und deren wir Erwähnung thaten, als wir das Feſt der Einweihung unſeren Leſern erzählten.“*) Nicht weit davon befindet ſich die geräumige und freundliche Wohnung der Freifrau von Löw, um— geben von einem prächtigen Garten, in welchem man mit Vergnügen luſtwandelt. Dagegen iſt von dem alten Schloſſe, wovon frühere Geſchichtſchreiber,
*) S. Nr. 44 des Int. Bl. vom Jahre 1837.
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wie Merian, Winckelmann u. A. ſo viel Rüh⸗ mens machen, außer einem runden Thurme wenig oder nichts mehr übrig, und ſelbſt dieſer Thurm würde wohl nicht mehr ſtehen, wenn nicht unſer obenerwähnter Herr Wirth ſich ſeiner erbarmt und unter ſeinen Schutz genommen hätte.—
Gerne würden wir in dem Städtchen, das einen Theil der ehemaligen Ganerbſchaft Staden ausmacht, länger verweilen; aber unſer Weg führt uns weiter, denn wir möchten heute gerne noch einen Theil des ſchönen Niddathales kennen ler— nen, das hier ſeinen Anfang nimmt. Wir laſſen die neue Straße, welche nach Nieder-Mockſtadt führt, zur Rechten, und wandeln auf einem Fuß, pfade durch grüne Wieſen nach jenem Dörflein. Von hier bis nach Ober-Mockſtadt wird die Gegend romantiſch. Die neue Straße führt an waldigen Höhen vorbei, zum Theil dem Saume des Waldes entlang. Vor uns erſcheint auf einer mäßigen Anhöhe der Thurm von Ober- Mockſtadt. Links verbreitet ſich das Wieſenthal, von der Nidda durchſchlängelt, jenſeits deſſelben erhebt ſich jener Waldberg, auf deſſen Spitze ſich die ſchauerliche Stelle befindet, welche„der wilden Frau Geſtein“ heißt, und wovon wir früher ſchon(Int. Bl. Nr. 9 Jahrgang 1836) unſern Leſern Nachricht gegeben haben. Etwas weiter liegt am Fuße dieſes Berges das Dorf Dauernheim.
Wir verweilen eine kurze Zeit in dem ſtillen Pfarrdorfe Ober-Mockſtadt, welches ſich in frühe— ren Zeiten einer bedeutenden Collegiatkirche rühmte, die ſchon im zehnten Jahrhundert von Hildigunt und Hartmann zu ihrer und ihrer Eltern Seelen heil geſtiftet wurde. Jenſeits des Ortes wird das Thal etwas breiter, und nun hat man Ranſtadt vor ſich, zur Linken das oben erwähnte Dauern— heim. Etwas weiter zeigt ſich eine waldloſe An— höhe. Sie führt den bedeutungsvollen Namen „Alte Burg“; doch ſieht man auf ihrem Gipfel keine Spuren von Gemäuer, und es ſcheint, als wenn vor undenklicher Zeit hier unſere Ahnen, die alten Deutſchen, eine Befeſtigung gegen die von Süden aus in das Thal eingedrungenen Römer, ihre Erz-Feinde, errichtet hätten. Hinter der„Alten Burg“ und einer andern Anhöhe,„der faule Berg“ genannt, liegt, etwas aufwärts, aber dem Auge nicht ſichtbar,„der ſchleifelder Hof,“ eine Beſitzung des Grafen von Stolberg-Ortenberg.
Der Ort Ranſtadt hat durch die neue Straßen— Anlage viel gewonnen. In der Mitte des Dorfes ſteht ein Stein, welcher die Gegend anzeigt, wo bis 1817 das Thor ſtand. An der Kirche befindet ſich das Wappen von Naſſau und Stolberg; an der Kirchentreppe iſt ein Engel und die Jahr— zahl 1703 angebracht. Das ſ. g. Vorwerk iſt eine bedeutende Beſitzung des Grafen von Stolberg—
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