Ausgabe 
12.1.1839
 
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wobei eiſters

Juſtiz

Neue Mineralquelle zu Nauheim.

Durch die Fortſetzung der Bohrverſuche nach reichhaltigern Salzquellen auf der Saline zu Nau⸗ heim wurden am 16. v. M.(Dec. 1838) in 66 Fuß Tiefe, 300 Fuß öſtlich von der am 1. Okt. v. J. erbohrten und in dieſem Blatte bereits erwähn⸗ ten arteſiſchen warmen Soolquelle, eine Mineral quelle, in die Claſſe der ſaliniſchen Säuerlinge ge hörend, aufgefunden.

Dieſe Quelle iſt bis in obige Tiefe durch ein⸗ getriebene eichene Röhren von 1 Fuß Dicke bereits gefaßt, ſo daß ſie unſerer Erden⸗Rinde rein ent⸗ zogen wird und bis 3 Fuß unter dem Boden klar hervorſprudelt; auch wird der weiteren Eröffnung derſelben, ſowie einer chemiſchen Unterſuchung, ent gegen geſehen. N i 5

Das ſpezifiſche Gewicht dieſes Mineralwaſſers iſt= 1,0050, ſeine natürliche Wärme 14 R. Die Quantität betraͤgt in einer Stunde 9 bis 10 Ohm.

Der Soolbadeanſtalt zu Nauheim, welcher eine natürlich- warme Soole von 26 Reaumür zu Gebote ſteht, mithin von der Eigenſchaft, die nach Annahme berühmter Naturforſcher eine mächtige Rolle in der Wirkſamkeit der Mineralwaſſer ſpielt, iſt nun auch das Fehlende, ein zum Trinken geeig netes ſaliniſches Waſſer, oder einKurbrunnen gewonnen.

Hermanns Denkmal.

Während faſt alle Zeitſchriften unſeres deutſchen Vaterlandes ſchon ſeit geraumer Zeit von einem dem großen Erretter deutſcher Unabhängigkeit zu errichtenden Denkmale ſprechen, und zu Beiträgen auffordern, wäre es eine Verſündigung an dem lieben deutſchen Vaterlande, wollten wir länger da von ſchweigen. Zur Einleitung zuvor Folgendes.

Vor mehr als achtzehnhundert Jahren hatte ein eroberungsſüchtiges, kriegsluſtiges Volk, die Römer, faſt alle bekannte Länder der Erde durchzogen mit ſeinen geübten Kriegerſchaaren, die Völker beſiegt, die Staaten vernichtet und ſich ſelbſt einen Welt ſtaat gebildet. Aber mitten in ihrem Siegeslaufe ſtießen ſie auf ein Volk, deſſen Glieder in einfachem Leben, in Kampf und Jagd geſtählt waren, auf ein Land, das war rauh, deſſen Bewohner aber bieder und edel, deſſen Männer Helden, deſſen Frauen mild und ſanft und kräftig waren. Dieſes Land iſt unſer deutſches Vaterland; jene helden müthigen Männer, und jene zarten kräf tigen Frauen, ſind unſere Ahnen, die alten Deutſchen. Als nun die Römer ſahen, daß bei einem ſolchen Volke mit Gewalt der Waffen nichts auszurichten ſey, da gebrauchten ſie allerlei Liſt, um den Zweck der Unterjochung zu erreichen. Ins beſondere ſuchten ſie die einzelnen Völker und deren

Fürſten gegen einander zu verfeinden. Während ſie ſo verfuhren, befand ſich in den deutſchen Gränz marken ein wohlgeübtes ſchlagfertiges Heer. Da, wo daſſelbe ſtand, verfuhr der ſtolze Anführer, Va rus war ſein Namen, wie ein Sieger mit Beſieg ten. Das empörte das deutſche Gemüth; an die Spitze derer, welchen die Unabhängigkeit des theu ern Vaterlandes über alles ging, ſtellte ſich der junge kühne Fürſt der Cherusker, Arminius, das iſt nach unſerer jetzigen Sprache Hermann. Im Stillen traf er die nöͤthigen Anordnungen zur kräf tigen Abwehr des übermüthigen Gegners. Dieſer aber brach, als er Kunde davon erhielt, auf mit ſeinem Römerheere und kam, um ihn zu züchtigen, in die Gegend des teutoburger Waldes im Lip piſchen. Hier jedoch war er für Hermann an dem rechten Orte; denn das feindliche Heer befand ſich im Walde, die Wege waren ſchlüpfrig vom Regen. Da griffen die erzuͤrnten Deutſchen von allen Seiten an. Umſonſt retteten ſich die Römer auf eine Anhöhe; immer wüthender wurde der An griff, immer erbitterter der Deutſche. Als keine Hoffnung zur Rettung mehr war, ſtürzte Varus ſich in ſein Schwerdt. Da war nur noch ein Würgen, ſo daß kaum einige Römer ſich retteten, um Kunde zu bringen von der furchtbaren Niederlage. Deutſch land aber war frei, und blieb frei, bis zu unſerer Zeit wieder ein ſchlauer kriegsgeübter Gegner es wagte, durch Gewalt und Liſt Deutſchlands Unab- hängigkeit zu rauben. Aber auch dieſer büßte end lich für ſeinen Frevel in der großen Schlacht bei Leipzig.

Wo die Schlacht gegen die Römer geſchah(es war im Jahr 9 nach Chriſti Geburt) da ſoll dem Helden Hermann, achtzehnhundert und dreißig Jahre nachher ein würdiges Denkmal errichtet werden. Eine Ebene heißt noch jetzt das Winnefeld; in ihrer Nähe befindet ſich eine Anhöhe mit einem gewaltigen Hünen ring, die nennt man die große Grotenburg. Auf dieſelbe ſoll das Denkmal zu ſtehen kommen. Das von dem Bildhauer Ernſt von Bandel aus Ans bach entworfene Kunſtwerk ſoll zuerſt aus einem etwa 84 Fuß hohen Thurme als Unterbau beſtehen, welchen zehn Säulen umgeben. Auf den Bau kommt eine vierzig Fuß hohe Bildſäule des Helden aus getriebenem Kupfer zu ſtehen. Der Held aber wird dargeſtellt mit dem drohenden Schwerdt in der Rech ten; die Linke auf dem Schilde und den Fuß auf einem niederliegenden römiſchen Adler.)

Die Koſten für das Ganze ſind auf 20,000 Thaler berechnet; 12,000 ſind bereits unterzeichnet und unter den Beitragenden ſieht man mit Freuden faſt alle Fürſten Deutſchlands.

*) Wir haben eine Abbildung des Modelles in Darmſtadt geſehen und die Darſtellung der großen Sache würdig gefunden.