Ausgabe 
9.11.1839
 
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ſo brauchen wir ihnen auch keine Definition davon oder in Ermangelung einer ſolchen keine Beſchrei⸗ bung zu liefern. Doch muͤſſen wir uͤber das Wort ſelbſt erſt ein Wörtchen ſprechen, ehe wir zu dem übergehen, was wir eigentlich von ihnen ſagen wollen. Unſere nördlicher wohnenden deutſchen Bruͤder nen⸗ nen ſſe Erdäpfel, worunter wir hier zu Land ein ganz anderes, der Sonnenblume ähnliches Ge wächs, nämlich die Erdartiſchocke, verſtehen. Aber auch die Franzoſen nennen ſie Erdäpfel Pommes de terre;) die Elſäſſer dagegen und ihre Nachbarn die Breisgauer, pflegen ihnen den Namen Grum⸗ bire(Grundbirnen) zu geben. Das Sonderbarſte iſt, daß man nicht einmal genau weiß, wo der Name Kartoffel herkommt, indem einige verſichern, das Wort ſey aus Erdapfel nach und nach entſtellt worden, Andere dagegen behaupten, es ſey aus dem Italiäniſchen Worte Tartüfolb herzuleiten.(Wahr iſt's, ſie waren ſchon früh in Italien, und in einer von Hohberg im Jahr 1701 verfaßten Schrift wer⸗ den ſie Tartoffel genannt.)

Genug, die Kartoffeln ſind, wie wir Alle wiſſen ſollten, eine der erſten Gaben Gottes geworden, ohne welche heut' zu Tag die Menſchenwelt nicht mehr beſtehen könnte. Wo gibts aber auch eine Frucht, die ſich ſo leicht vermehrt, die ſo ſelten mißräth, die dabei ſo genügſam im Boden iſt, und die man auf ſo verſchiedene Art zuzubereiten vermag, wie die Kartoffel, von der ſchon früher das Noth- und Hülfs⸗ buͤchlein und der liebe Claudius rühmend ſingt:

Schön röthlich die Kartoffeln ſind,

Und weiß wie Alabaſter,

Verdau'n ſich lieblich und geſchwind

Und ſind für Mann und Weib und Kind

Geſchweige denn für Schwein und Rind Ein rechtes Magenpflaſter.

In eben ſo erhabener Dichtung läßt ſich ein an derer großer Schöngeiſt über ſie aus: Des Morgens gedampft, Des Mittags geſtampft, Des Abends in Scheiben, Und dabei ſoll's bleiben.

Gerne wurden wir hier noch mehrere Lieder und Oden auf dieſe allgemeinen Lieblinge,(die man, wo nicht, wie das Volk ſagt, freßlieb, doch eßlieb zu haben pflegt) hier mittheilen, wenn wir nur noch einige wüßten. Wir hoffen aber, da unſere Wetterau

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und insbeſondere'unſere Stadt Friedberg an Dichtern geſegnet iſt, daß es einmal Einem, der ſo recht be⸗ geiſtert davon iſt, gefallen möge, ein zartes und erhabenes Gedicht über die Kartoffeln zu verferti⸗ gen. Nur eins halten wir uns dabei aus: Unſere Wetterauer verſtehen bekanntlich ganz trefflich die Kunſt, aus ihnen ein Etwas zu bereiten, das man blauen Zwirn zu nennen pflegt das aber eigent⸗ lich ein blauer Dunſt iſt und weit mehr Schaden als Nutzen bringt, wie uͤberhaupt hinter blauem Dunſt nicht viel Gutes zu ſuchen iſt. Dieſer blaue Zwirn oder Dunſt muß aus dem Spiel bleiben.

Doch hiervon genug! Jetzt ein Paar Worte

über ihre Einführung und Verbreitung, worüber

wir eigentlich hauptſächlich ſprechen wollten.

Die Kartoffeln ſind urſprünglich ein amerikani⸗ ſches Gewächs, das uns zuerſt der berühmte engli⸗ ſche Seeheld Francis Drake, oder wie Andere verſichern, John Hawkins ums Jahr 1586 von Santa Fe in Neuſpanien nach Europa zuſchickte. Noch vor dieſer Zeit, nämlich 1580, ſoll ſie Hie ro nimus Cardanus ſchon nach Italien und etliche Jahre ſpäter Walter Raleigh, ein anderer eng⸗ liſcher Seeheld, nach Irland gebracht haben. In allen dieſen Angaben liegt mehr oder weniger Un⸗ gewißheit; doch iſt es am wahrſcheinlichſten, daß die Ehre der erſten Ueberbringung dem Franz Drake gebührt, und wenn einmal das Aufſtellen einer Bildſaule an den erſten Kartoffel- Bringer kommt, ſo werden wir ſie doch ihm ſetzen müͤſſen.

Man erzählt ſich, daß, als Drake ſie ſeinem Freunde geſandt und als ſehr ſchmackhaft empfohlen habe, dieſer in der Unwiſſenheit zuerſt die Aepfel der⸗ ſelben gekocht und einer Geſellſchaft vorgeſetzt habe, die aber an denſelben durchaus nichts Schmackhaftes gefunden. Erſt ſpäter habe der Gärtner die Knollen an den Wurzeln zufällig entdeckt; mit dieſen ſey ein zweiter Koch- Verſuch gemacht worden, der weit glücklicher ausgefallen ſey.

Im Jahr 1616 brachte man das neue Gericht zuerſt an die königlich-franzöſiſche Tafel, wo man recht gut verſtand, was wohlſchmeckend iſt.

Unter dem lateiniſchen Namen Solanum tube- rosum werden ſie ſchon im J. 1620 von Bauhin in ſeinem Prodromus beſchrieben. gibt Tabernaemontanus eine Beſchreibung und Ab bildung von ihnen im J. 1664, ertheilt ihnen aber einen andern Namen. tenluſt, die im Jahr 1690 herauskam, kommt eine Belehrung über ihren Anbau vor.

In dem Gebiete des jetzigen Großherzogthums Heſſen ſollen die Kartoffeln ſchon im Jahre 1648 gebaut und ſogar verzehntet worden ſeyn. Leute, die das behaupten, berufen ſich auf eine Stelle des Saalbuches der Kirche von Großbieberau aus jenem Jahre, wo ausdrücklich ſtünde:Daneben

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