was reicher an Erfahrung.— Im Kriege wars ihm noch ſchlechter ergangen. Einmal wollten ſie den Feind angreifen; es überſiel ſie aber ein gewaltiger Regen, daß die Meiſten dahinten blieben, und die Vorderſten wurden von der ganzen Macht des Fein— des überfallen und jämmerlich zugerichtet, trotz aller Tapferkeit. Ein ander Mal, als ſie eben eine recht kühne That ausführen wollten, kamen ſie in einen Hinterhalt, denn es war ein Verräther unter ihnen, der den Feind von ſeinem Vorhaben unterrichtete, und unſer Ritter wurde, nachdem er ſich wie ein Löwe gewehrt, endlich von der Uebermacht beſiegt, gerieth in Gefangenſchaft und mußte lange in einem tiefen Loche ſchmachten. Als er nach Hauſe kam, da waren ſeine Paar ererbten Aecker verwüſtet, und Niemand wollte ihm etwas drauf borgen. Es trat ſogar Einer auf, der behauptete, er haͤtte mehr An⸗ ſprüche darauf. Und weil dieſer ein reicher Mann war, ſo konnte er ſich einen Rechtsgelehrten anneh⸗ men, der machte große Schriften mit lateiniſchen Brocken, und bewies ihm damit, daß ſie ſein gehör— ten und nicht dem Ritter. Dieſer verſtand zwar das Alles nicht, und hatte auch gar nicht geglaubt, daß man eine Sache ſo herum und aus Unrecht Recht machen könne. Was half's ihn aber? Er mußte„von Rechts wegen“ aus ſeinem Häuschen und dasſelbe nebſt den Aeckern dem Reichen über— laſſen.
Da begab er ſich denn fort und hatte nichts mehr als ſeine Ehre und ein Stück Brod. Er wollte in die weite Welt gehen, war aber mit ſeinem leich— ten Gepäcke noch nicht weiter gekommen, als in den nächſten Wald. Hier fand er unter einem großen Eichbaume ein huͤbſches Plätzchen, auf das er ſich ſetzte. Müde war er zwar nicht; er wollte ſich aber auch nicht ausruhen, ſondern nur ein wenig Be— trachtungen anſtellen über ſein Schickſal, das ihm bisher immer und überall ſo arg mitgeſpielt, wäh— rend ihm ſein Gewiſſen doch ſagte, daß er nichts verſchuldet hatte. Indem er ſo ſtille da ſaß, hörte er über ſich ein Gekniſter. Da ſchaut' er empor und ſah uͤber ſich ein ſcheußliches Geſchöpf, das grinzte ihn an wie der Gott- ſey⸗bei⸗ uns, und ar⸗ beitete dabei immer fort an einem Aſte, der ſchon halb abgeriſſen war.„Wer biſt du, Ungethüm? Und was willſt du da oben?“ fragte der Ritter.
„Ei, ſprach das unholde Weſen, kennſt du mich denn noch nicht? Das wundert mich ja gewaltig. Ich bin dein Unheil und will eben den Aſt abbre— chen, um ihn auf dich zu werfen.“ Dabei fletſchte es die Zähne und wollte wieder an ſeine Arbeit gehn, als der Ritter ihm ganz gelaſſen zurief:„Da⸗ mit hats noch ein wenig Zeit; komm erſt herunter, und hilf mir mein Mittagbrod verzehren. Das iſt alles, was ich mit dir theilen kann; mehr hab ich nicht.“— Da kroch das Ungethüm vom Baume
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herunter, und ſetzte ſich neben den Ritter; wie der's aber neben ſich hatte, faßt' er's behende mit ſeinen kräftigen Armen und band es feſt mit einer ſtarken Kette, die er in dem Augenblicke erſt in ſeiner Nähe liegen ſah, und früher nicht bemerkt hatte. Als das gethan war, ſah er ſich nach einem ſchicklichen Orte um, wo er's hinbringen könnte, und fand ihn auch bald; denn der Eichbaum hatte eine runde Oeff— nung, und war inwendig hohl. In dieſe Oeffnung ſteckte er ſein Unheil, und damit es nicht entwi— ſchen könnte, holte er aus der Nachbarſchaft ein Paar tüchtige Pfähle, warf einen großen Stein vor die Oeffnung, und vor dem Steine rammte er die Pfähle in die Erde.
Nun begab er ſich wieder nach Hauſe, und wollte einmal ſehen, ob ſein Schickſal jetzt eine andere Wen⸗ dung nehmen würde. Er war noch nicht dem Walde ganz draus, da kam ihm ſchon ein Bote keuchend mit der Nachricht entgegen, er möchte ſchnell zurück— kommen, denn ſein ehemaliger Diener habe noch ein altes Dokument in einer Schublade gefunden, als er eben das Haus hätte verlaſſen wollen. Mit die— ſem Dokumente ſey er zu dem Vogt gegangen; der habe es geleſen und darauf geſagt, nun waͤr's er— wieſen, wem das Haus und die Aecker gehörten, näm⸗ lich keinem Anderen als dem armen Ritter. Und ſo war's auch. Und nicht lange nachher, da ſtarb der alte Fürſt, und ſein Nachfolger ließ alsbald dem Ritter melden, er ſolle nach Hof kommen, weil er da eines ehrlichen und redlichen Mannes ſehr bedürfe.— Der Ritter folgte dieſer Einladung, und wurde freundlich aufgenommen, und ſtieg von Ejuem Ehrenpoſten zum andern, und was er that, das ge— lang. Da brach ein Krieg aus, den machte der Ritter mit, und er that ſich in allen Kaͤmpfen her— vor, daß bald der Ruhm ſeines Heldenmuthes weit und breit erſcholl in den Landen. Wohin er ſich wandte, da wichen die Feinde zurück; denn es war, als wenn der boͤſe Feind über ſie käme, ſobald er angriff.— Als der Friede zu Stande gekommen war, da zog er mit ſeiner reiſigen Schaar ſiegreich in die Heimath zurück, und der Fürſt belehnte ihn mit einem großen Rittergute und einem prächchtigen Schloſſe, deſſen bisheriger Beſitzer ohne Erben ge— ſtorben war. Nicht lange nachher vermählte er ſich mit einem tugendſamen Fräulein, das war ſanft und liebevoll in ſeinem Weſen, und der Ritter er— kannte mit Dank gegen Gott, daß jetzt ſeinem ir⸗ diſchen Glücke nichts mehr fehle.
Aber der Neid ſchläft dem Glücklichen nicht. Einſt war er bei einem großen Gaſtmahle. Wäͤh⸗
rend die Gäſte wacker dem Weine zuſetzten, ging ihnen auch das Herz auf, und da erzählte denn unſer Ritter, wie es ihm früher in Allem ſo hinderlich ergangen, und nachdem er ſeine Habe verloren, im Begriffe geweſen ſey, in die weite Welt zu wandern,
feſter zuſamn miederſtürzte Wenn u und zwölf ein Aechzen zugedrückt als freue f Damit der verſtänd abnehmen.
„Nenſch auffallender kmmen, Ut man Int abneh lan, ſo bei, aas we Dies dann dh ſchwendtt;
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