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wäre Willens ein reicher und vornehmer Mann zu werden, und um das zu können, wollte ich mich der Kaufmannſchaft widmen, weil das der leichteſte und beßte Weg dazu wäre. Mein Vater hatte nichts dagegen, und ſchrieb an einen Freund nach Frankfurt, um mir einen Platz zu verſchaffen, wo ich in die Lehre kommen könnte. Der Platz war bald ausgemacht; meine Mutter ſorgte für Weißzeug und mein Vater für etwas Geld, und nun zog ich fröhlich nach der Stadt Frankfurt, von der ich ſchon ſo Vieles gehört, die ich aber noch nie geſehen hatte. Als ich endlich hinein kam, da konnt' ich mich gar nicht ſatt ſehen; lauter Häuſer noch größer als das Amthaus, lauter vor⸗ nehme Leute mit neuen, ſchönen Röcken, und Kut⸗ ſchen, die noch hübſcher waren als die des Herrn Superintendenten, der vor mehreren Jahren einmal in das Dorf gekommen war. So viel Reichthum und ſo viel Glück hätt' ich mir hier nicht geträumt. Aber ich wurde bald eines andern belehrt. Gleich den erſten Mann, dem ich begegnete, grüßte ich recht höflich, und der dankte mir gar nicht einmal! Den zweiten fragte ich nach meinem Herru, zu dem ich in die Lehre kommen ſollte, und der gab mir eine ſo unhöfliche Antwort, daß ich in meinem Sinne dachte: So ein ſchöner Herr, wie der Herr Pfarrer und der Herr Amtmann und doch ſo eine häßliche Antwort! Das machte mich ſo muthlos, daß ich kaum wieder zu fragen wagte. Ich faßte aber doch ſpäter wieder Herz, und fragte wieder einen recht ſchöͤnen Herrn, der war gar höflich, und führte mich herein in ſeine Stube, und fragte mich, wo ich her wäre, und wie ich hieße, und was ich in meinem Päckchen hätte. Er war auch ſo theilnehmend, daß er mein Päckchen öffnete und nachſah, ob ich nichts verloren hätte. Dann wies er mich zurecht, bis vor ein großes Haus. Das war faſt ſo groß wie die Kirche; das Herz klopfte mir und ich traute mir gar nicht das Glück zu denken, daß ich hier wenigſtens vier Wochen auf Probe ſchlafen, eſſen und trinken ſollte. Nun ich ging hinein mit Zittern und getraute kaum zu ſprechen vor all den vornehmen Leuten, die hier waren, und meinem Herrn halfen im Geſchäfte. Als ich mich zu Tiſche ſetzte, da ſtanden ſtatt der Lampe zu Hauſe, zwei Leuchter, und der Herr und die Frau ſaßen neben einander; aber ſtatt ſich zu freuen über die ſchönen Lichter und das ſchöne Eſſen und Gott dafür zu danken, ſahen ſie ſich einander bös an, und zankten mit einander, daß zuletzt jedes aufbrach und ſeiner Wege ging. Mich aber fuͤhrte eine Magd in ein Kämmerchen, das war faſt ſo hoch wie der Thurm zu Hauſe, und als ich mein Päckchen aufmachte, da fand ſich's, daß meine Sonntagsweſte fehlte, die konnte doch niemand herausgethan haben, als der höfliche Herr, der mir das Haus gezeigt hatte. Wo er aber hingekommen war, das konnte ich nicht wiſſen.
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Des Morgens ſtand ich früh auf, und als ich gebetet hatte ging ich im Haus herum und dachte, ich bekäme jetzt Arbeit; aber ich hoͤrte und ſah nie mand, und als ich nachher Herz faßte, und in eine Stube ging, da kam ein Herr, der nannte mich einen Eſel, gab mir eine Ohrfeige und jagte mich wieder in meine Kammer bis um 8 Uhr.
Daß ich's kurz faſſe, ich war vier Wochen in dieſem Hauſe und in der ſchönen Stadt Frankfurt, wo die vielen reichen und vornehmen Leute wohnen, hatte aber bald erfahren, daß die, welche ſchöne Kleider anhatten, nicht lauter vornehme Leute waren, wie unſer Herr Pfarrer und unſer Herr Amtmann, ſondern manche unhöfliche und unehrliche Menſchen, die des Morgens und des Abends nicht beten. Gar viele gehen des Morgens um vier oder fünf Uhr niemals hinaus ins Feld, und ſehen die Sonne aufgehen und die Lerchen zum lieben Gott ſich erheben, ſondern bleiben bis ſieben Uhr in den Federn. Da dacht' ich: wer kann denn da glücklich ſeyn, wenn man bis ſieben Uhr im Bette liegen muß?— Und als ich ſie ſo lang am Tiſche ſitzen und ſo viel eſſen und trinken ſah, ohne daß ſie ge⸗ arbeitet und vorher gebetet hatten, da dacht' ich: wie kann man denn glücklich ſeyn beim Eſſen, wenn man nicht vorher tuͤchtig gearbeitet und dann ge⸗ betet hat?— Und wenn ſie ſich zaulten einander und Vorwürfe machten, der Mann der Frau, und die Frau dem Manne, da dacht! ich: wie kann man denn glücklich ſeyn, wo ſolch ein Zauk und Streit iſt? Und als ich die Leute ſah, die um ihren Geld⸗ kaſten wachten nnd zitterten, da dacht' ich: Wer kann dabei glücklich ſeyn?— Und wenn ſie ſich kutſchiren ließen von Einem Hauſe zum andern, da dachte ich auch: Wer kann glücklich ſeyn, wenn er ſich den ganzen Tag muß herumfahren laſſen und geht nicht einmal des Sonntags zu Fuß in die Kirche und des Nachmittags zu Fuß in den Wald?
O, ich hatte ſatt, und packte meinen Bündel nach vier Wochen. Als ich wieder heraus kam ins Feld, da weinte ich vor Freuden, und lief zu meinen Eltern zurück, die froh waren, mich wieder zu ſehen. Ich blieb nun in meinem Dorfe, und wurde unter der Arbeit groß, und ſang des Morgens mit den Voͤgelu bei derſelben und des Abends, und war bei meinen Kartoffeln vergnuͤgter und glücklicher, als die vornehmen Herren bei ihren reichbeſetzten Ta⸗ feln, um die ich ſie nie mehr beneidete.“
So ſprach der alte Jodokus.
Bekanntmachungen von Behoͤrden.
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Arbeits- Verſteigerung. (388) Montag den 30. April, Vormittags 10 Uhr, ſollen auf dem Rathhauſe zu Nidda die zur Erbauung des neuen Schulgebäudes nöthigen Ar⸗ beiten und Materiallieferungen öffentlich an die
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