Ausgabe 
24.11.1838
 
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Intelligenzblatt

für die

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im Allgemeinen,

den Kreis Friedberg und die angrenzenden Bezirke im Beſonderen.

Sonnabend, den

24. November 138338

Rede, beim Anfange der Winterſchule gehalten

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am 1. November 1838 von dem Lehrer

B. in der Schule zu R.

Unſere Leſer ſuchen wir jetzt im Geiſte in einen Kreis Kinder zu führen, an welche ihr Lehrer beim Anfang der Winterſchule eine Rede hielt, um ihnen

aufs Neue Liebe für die Schule einzuflößen, und

ihnen manche ſchöne Ermahnung zu geben. Nachdem die Kinder ein Morgenlied geſungen

hatten, ſprach der Lehrer:

Geliebte Kinder!

So ſind denn die Tage der Erholung mit dem unaufhaltſamen Strome der Zeit dahin geeilt, und heute haben wir uns wieder zum erſtenmale in die⸗ ſer Stube verſammelt, um den Anfang mit der Winterſchule zu machen. Aber wie ſollten wir dieſes ſo gleichgültig thun, ohne uns erſt einigen nützlichen Betrachtungen hinzugeben, und ſollten wir nicht erſt einige Blicke auf das verfloſſene halbe Jahr der Sommerſchule und auf das jetzt begin nende der Winterſchule werfen?

Flüchtig und ſchnell iſt es dahin geeilt, das Halbe⸗Jahr, als wären es nur wenige Tage. Ihr konntet von demſelben nur wenige Zeit dem Schul

beſuche widmen, da ihr auf mancherlei Weiſe euern Eltern im Felde behülflich ſeyn mußtet. Aber

nun kommt die Zeit, und iſt ſchon gekommen, in

der die Natur ihr Schmuckgewand ablegt, um ſich

zur Ruhe zu begeben, und neue Kräfte zu ſammeln,

5* um im kemmenden Frühling deſto ſchöner aufzublü⸗

hen. Schon brauſen die rauhen Stürme des Win⸗ ters durch die kahlen Fluren, und ſchon ſteigt die Sonne, von Nebeln umhüllet, ſpäter und entfernter am Himmel auf, und wir fuͤhlen wohl einen gehei men Schmerz bei dem Abſchiede der Naturſchönheiten. Was lehrt uns aber denn der Anblick der ſich zum Schlaf begebenden Natur? Er will uns lehren, daß alles auf der Erde einem ſteten Wechſel un terworfen iſt; in ſtummer Sprache redet die Natur zu uns: ſo wie jetzt ich mein Gewand ablege, ſo wirſt auch du über kurz oder lang deinen Stab und dein Gewand wiederlegen müſſen, und du wirſt in dein enges dunkles Schlafkämmerlein eingehen. Darum wirket, ſo lange ihr noch auf dem Wege des Lebens wandelt; darum insbeſondere jetzt, wo euch die Arbeiten des Feldes nicht ſtöͤren, ſorget für die Bildung des Geiſtes. Ihr könnt jetzt mehr Zeit dem Schulbeſuche und der Vorbereitung für die Schule widmen. Von der Natur könnt ihr noch mehr Lebensweisheit lernen. Im Frühlinge ver jüngt ſie ſich, ſtreut der Landmann ſeinen Saamen in die Erde, und herrliche Saaten grünen und prangen, vermiſcht mit den mannigfaltigen Farben der unzählbaren Blümchen. Der Sommer läßt Saamen und Früchte kommen, der Herbſt führt ſie zur Reife und freudig eilet dann der Landmann her bei, um die Früchte ſeines Fleißes zu erndten. Auch ihr, geliebte Kinder, ſeyd im Frühlinge eures Lebens. Eure Jugend iſt die Zeit der Saat, die Zeit, in der ihr euch Kenntniſſe und Geſchicklichkeiten einſammeln ſollt, damit ihr im Herbſte eures Lebens die Früchte