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SGedanken äber den Verfall der Sittlichkeit.
Vergleichen wir unſere Zeit mit vergangenen Zeiten, ſo finden wir allerdings Manches beſſer, als zuvor. Wir finden mehr Feinheit im Umgange, mehr Geſelligkeit, Etwas mehr Bildung ſelbſt in den niederen Klaſſen der Geſellſchaft; manche Rohheit iſt verſchwunden, und mit dem Aberglauben ſind manche Thorheiten gewichen.
Indeſſen ſcheint es, als wollten die Menſchen nur einen alten Fehler gegen einen neuen vertau— ſchen, indem die verſchwundenen durch neue, und zum Theil größere, mehr als erſetzt ſind. Werfen wir nur einen Blick auf die Vergnügungen unſerer Zeit, welchen Unterſchied finden wir da, wenn wir die einfache Stille unſerer Vorfahren betrachten, welche kein höheres Vergnügen kannten, als im Kreiſe der Familie, oder im Vereine mit Freunden, oder im Genuſſe der Natur ſich die Zeit der Ruhe zu verkürzen. Sie ſaßen nicht in den Wirthshäuſern, während Manche in unſerer Zeit keinen Tag hin—
bringen können, ohne das Wirthshaus zu beſuchen.
Daher war früher oft das einzige Wirthshaus im Dorfe leer, während jetzt ein halbes Dutzend ſich vieler Gäſte erfreuet. Die Alten wußten nichts von offentlichen Tänzen, während jetzt jeder Sonntag an mehreren Orten zum Tanze einladet. Die Vorfah— ten hielten den ganzen Sonntag heilig und würden es für Sünde gehalten haben, den Sonntag zum Tanzen zu verwenden. Darum war ihnen auch der Zweck des Sonntags wichtig und heilig, während wir uns allmählig gewöhnt haben, dieſen Tag als dem Vergnügen geweiht zu betrachten, und dieſem Zwecke die eigentliche Beſtimmung dieſes Tags nach— zuſetzen, da ſich Luſt und Andacht ſchwerlich ſo ver— einigen laſſen, daß nicht eine die andere verdrängte. So wie am Sonntage das Tageslicht anbricht, er— wacht nicht mehr die ernſte und feierliche Stimmung, wie ſie der Tag fordert; ſondern die Stimmung zur Luſt iſt das erſte Gefühl, der Gedanke an den Tanz der erſte Gedanke, und dieſer wird keiner ernſten Vorſtellung Raum geben, ſondern vielmehr Alles, was dieſem Gefühl der Luſt widerſpricht, als widerwärtig erſcheinen laſſen. Iſt der Tag der An— dacht einmal zum Tage der Luſt geworden, ſo wird die Andacht und das, woraus ſie entſpringt, die Religion, dem Herzen fremd werden.
Die wachſende Vergnüͤgungsſucht zeigt ſich ſchon an der täglichen Entſtehung neuer Wirthshäuſer. Faſt Jeder, der vor einem Dorfe oder einer Stadt ein Haus erbauet, ſpeculirt auf die Luſtigkeit und Lockerheit vieler Zeitgenoſſen, und die Erfahrung lehrt, daß dieſe Speculation auf die Keuntniß der Menſchen und der Zeit gegründet iſt, indem ſelten ein ſolcher Speculant ſeinen Zweck verfehlt, und es ſcheint, als wolle das Publikum für dieſes Zutrauen ſeine Dankbarkeit durch fleißigen Zuſpruch beweiſen, indem die neue Wirthſchaft ihre hinreichende Kund— ſchaft findet, während die älteren dadurch nichts verlieren.
Mit dem Hange zum Vergnügen entwickelt ſich nothwendig auch die Neigung zum Putze. Man will anſtändig erſcheinen, will bei'm ſonntäglichen Tänz⸗ chen die Augen auf ſich ziehen; man muß alſo den auswendigen Menſchen möglichſt aufputzen. Man will von Andern nicht übertroffen werden, will nicht für ärmer, wohl gar für reicher gehalten werden, als Andere: man muß ſie daher an Aufwand im Putze wie im Eſſen und Trinken überbieten. Mit dieſem Wetteifer nehmen aber die Geldkräfte nicht zu, ſondern— ab. Die Folgen davon ſind leicht zu berechnen, und fallen in vielen Häuſern in's Auge.— Iſt dieſes ganze Verfahren nichts anders, als Leichtſinn; ſo iſt der Leichtſinn eine Folge der Vergnügungsſucht und daher— eine Krankheit un⸗ ſerer Zeit.—
Das öftere Beſuchen der Wirthshäuſer und Tänze hat aber noch eine andere traurige Folge. Es kann nämlich Niemand ſolche Anſtalten beſuchen,
ohne geiſtige Getränke zu genießen, weil darauf allein von Seiten der Unternehmer ſpeculirt wird. Dadurch wird nun der Genuß ſtarker Getränke Manchem zum Bedürfniſſe, der ſonſt ſich derſelben gänzlich enthalten, oder ſie ſehr ſelten ſſen hätte. Nichts aber reizt mehr und führt ſo f zum Laſter, als die Neigung zu ſtarken Geträn 1222 wenn ſie einmal erwacht iſt. Selten geſteht es ſich jemand ein, als wenn es zu ſpät iſt, daß er um des Trin⸗
kens willen die öffentlichen Geſellſchaften beſucht:
er geht, nach ſeiner Meinung, nur der Geſellſchaft
wegen dahin, und ahnet nicht die Gefahr, bis die Neigung über ihn Herr geworden iſt. Er hält ſich) für mäßig, weil er nicht betrunken nach Hauſe geht. So wird das Trinken unſerer Jugend zur Gewohn⸗


