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Eltern hinterlaſſenen Vermögen einen guten Theil zur trefflichen Ausbildung ſeiner Kenntziſſe anzu⸗ wenden, ſo daß er an jedem Fürſtenhofe die Be⸗ dienſtung eines Geheimſchreibers hätte übernehmen konnen, wenn er nicht noch durch einige Jahre ſeine Freiheit hätte genießen wollen.— Uebrigens lebte er eingezogen und mäßig, und jedes Mädchen hätte ſich gewünſcht, einen ſolchen Gatten zu be⸗ kommen— auch Willibald wäre einer ehelichen Verbindung nicht abgeneigt geweſen und hätte auch Gelegenheit genug dazu gehabt, aber er war auch gar zu behutſam und glaubte, daß ſich ihm zu Liebe ein Engel in weibliche Geſtalt hüllen müſſe, um ihm den glücklichſten Eheſtand zu bereiten.— Leider aber ſind die Engelsſeelen ſo ſelten zu fin⸗ den, wie der vierblättrige Klee, daher ſie dann auch wie dieſer die Gabe gemeinſchaftlich haben, durch ſüße Zauberkünſte zu beglücken. So oft er alſo iu einem Hauſe Zutritt fand, und meiſtens geſchah dies der heirathsluſtigen Mädchen willen, war es ſein erſtes Geſchäft, ſich um die ſchoͤnen Töchter Evens zu bekümmern— aber überall fand er Etwas, das ihm nicht behagte— denn ſchon dazumal, als das Ritterthum im Sinken war, be⸗ gannen freiere Sitten zu herrſchen, die Mädchen. errötheten nicht mehr bloß wegen deſſen, daß ein. ſtattlicher Burſche ſie etwas ſchärfer anſah, und die Paladine waren nicht mehr ſo thöricht, für einen Liebeskuß mit Rieſen und Drachen zu käm⸗ pfen— man machte ſich's in Liebesgeſchichten viel bequemer. Auch ſaßen ſelbſt die Bürgerstöchterchen nicht wie ehemal die Burgfräulein tagelang unter ihren Mägden bei'm Spinnrocken— ſie ſtiegen in. reichen Kleidern umher, und ließen keine Gelegen⸗ heit vorüber, wo ſie bei Luſtbarkeiten tanzen und liebäugeln konnten. Jedoch wurde noch in der Kleidung der öffentliche Schein der Modeſtie be⸗ obachtet, weil ſich aber bis auf unſer Jahrhundert der Geiſt der Zeit ſo mächtig verfeinert hat, ſo mußte ja dies auch bei den Kleidern geſchehen, da⸗ her es Niemanden wundern darf, wenn jetzt unſere Schönen nur zur Hälfte in. Spinnengewebe gehüllt, auf dem Tanzſaale erſcheinen.— Was würde alſo unſer Willibald erſt geſagt haben, wenn er unſere jetzigen Mädchen geſehen hätte, da ihm ſchon die zu ſeiner Zeit zu gewaltig gegen das eigentliche Ritterthum abſtachen.— Er war ein Griesgram und aller Anſchein war vorhanden, ein heirathslu⸗ ſtiger Hageſtolz zu werden.
Tief in Gedanken verſunken luſtwandelte er einſt an den lieblichen Ufern der Wertach— die ſchöne Natur hatte für ihn keinen Reiz— er ſenkte düſter ſein Auge auf den Boden— da bemerkte er etwas Glänzendes im Sande, und hob einen gol⸗ denen Ring auf, in deſſen Mitte ſich ein ſchwarzer Stein befand, in welchem verſchiedene unbekannte
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Charaktere eingegraben waren.„Ei, ſprach er
zu ſich ſelbſt,„dem, der ihn verloren hat, wird
ſehr leid darum ſeyn— doch wenn er ſich meldet, werde ich ihm ſein Eigenthum redlich zurückſtellen.“ Er ſteckte den Ring an den Finger; ohne weiter daran zu denken, ging er ſeine Straße fort, langte endlich ganz mißmuthig und müde in ſeiner Woh⸗ nung an und legte ſich nach einem kleinen Nacht⸗ mahle zur Ruhe— der Ring drückte ihn am Fin⸗ ger— er drehte ihn alſo um, damit er ihn her⸗ abbringen könne— und in dem Augenblicke er⸗ ſcholl ein Ton, wie von einem kleinen Silberglöck⸗ chen, und ein ſchwarzes, kaum fingerlanges Männ⸗
chen ſtand auf ſeiner Bettdecke und glotzte ihn mit
kleinen blitzenden Aeuglein an.“—„Wohl dire ſprach er,„daß du mich gerufen haſt, ich kann dir vielleicht nützen— und zwar ohne alle Beding⸗ niß— wiſſe alſo, daß dieſer Ring zu einem Nach⸗ laſſe des berühmten und berüchtigten Doktor Fauſt gehört, und ihn heute einer ſeiner Urenkel verlor— der Verluſt kümmert dieſen wenig, denn mich, der ich vermöge der eingegrabenen Charakteren feſt an dieſen Ring gebunden bin, weiß er nicht zu be⸗ nützen.“„Ich will dich auch nicht beläſtigen,“ ſprach Willibald lächelnd,„und gebe dir deine Frei⸗ heit wieder.“ 4 117
„Das vermagſt du nur, wenn du den Stein. des Ringes zertrümmerſt.“
„Das werde ich ſogleich thun.“
„Ich danke dir für dieſe Bereitwilligkeit,— doch behalte mich noch einige Zeit,— aus Dank⸗ barkeit will ich dir dienen. Ich beſitze weder Geld noch kann ich durch magiſche Kraft Wunder wir⸗ ken. Meine ganze Kunſt beſteht darinnen, daß ich meinem Gebieter verrathen kann, was andere Leute
in der Taſche tragen.— Ich verwandle mich in
eine kleine Nuß, welche du unbeſchwert bei dir tragen kannſt— ſo bald du aber den Ring rechts am Finger dreheſt, nehme ich meine jetzige Geſtalt wieder an, und ſchlüpfe dem, den du meinſt, un⸗ ſichtbar und unbemerkt in die Taſche— da ſind auch verſiegelte Schriften für mich kein Geheimniß mehr, und wie du den Ring links dreheſt, bin ich wieder bei dir und ſtatte dir genauen Bericht von dem ab, was ich geſehen habe. Es kann dir zum weſentlichen Nutzen gereichen, denn es iſt oft von Bedeutung, zu wiſſen, was andere Leute für Ge⸗ heimniſſe haben— mancher Ehemann oder Diploma⸗ tiker würde meinen Werth für unſchätzbar halten. Wie geſagt, aus Dankbarkeit möchte ich dir gerne und anſpruchlos dienen.— So, magſt du noch bleiben, erwiderte Willibald lächelnd,— da kol⸗ lerte das Männchen, ſchnell in eine Nuß verwan⸗ delt, auf der Bettdecke herum.— Willibald legte ſie auf ſeinen Nebentiſch, und ohne weiter mehr an dieſes Poſſenſpiel zu denken, ſchlief er ein. Mis
Mittagmal oebeitung, eher dl uber das denkend, behülflich in ſeiner Feſte ans ſteckte, of nen Bien ſanmenra
Nicht ben Worde Puße ſo vorkommel ſem ganz mit ihr, u guügt gew ein Neben einige Erff aber wur wegen al Meere vo einem Tu in die Han
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