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Hedwig, daß ich mir Dich nur betrübt vor⸗
nisse zur Ernährung dienen, die fast in
stellen kann, und von dem Gedanken be⸗ jeder Familie zur Genüge vorhanden
herrscht, daß ich noch hätte bei Euch bleiben
waren, weil man den eigenen Bedarf selbst
können, wenn ich nicht ein übergroßes Pflicht⸗ ö zu bebauen pflegte.
gefühl besäße. Aber das ist nicht richtig. Wir können aus diesem schweren Kampf nur lichen
dann siegreich hervorgehen, wenn jeder seine
Pflicht bis zum äußersten tut. Wenn da
manche versagen, so ist das sehr betrübend,
andere kein Grund sein, ebenso zu handeln (Fortsetzung folgt.)
„Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen.
26. Aus a! Anzeigeblättern. 0 N 0 n 5 us alten Anzeigeblätte l. Silkereisen. Das Kreisamt be rand sich da⸗
Von Heinrich Hochstätter sen.
Von befreundeter Seite wurden mir kürzlich einige Anzeigeblätter aus den Jah⸗ ren 1834 und 1840 zur Einsicht überlassen. In diesen finden sich noch sehr viele Namen von Leuten, die ich gekannt habe und auf die ich mich noch sehr gut erinnern kann. ö
Wenn man den Inhalt dieser Blätter einer kleinen Prüfung unterwirft, so ge⸗ winnt man ein Bild von dem ruhigen und bedürfnislosen Leben, das unsere Voreltern führten, und wenn man die einfachen Zu⸗ stände jener Zeit mit den Lebensgewohn⸗ heiten von heute vergleicht, so laß en sich erst die gewaltigen Fortschritte erkennen, die inzwischen auf allen Gebieten gemacht wurden und die unser Volk zu hohem Auf⸗ stieg und zum Wohlstand geführt hatten.
Das„Giesser Anzeigeblatt von 1834.“ erschien⸗ im Verlag der G. D. Brühl'schen Buch- und Steindruckerei etwa einen halben Bogen stark in keinem Format(29 24 em) wöchentlich einmal am Samstag. Daraus erklärt es sich, daß ältere Bewohner der Stadt den Gießener Anzeiger immer noch das„ Wochenblättchen“ nennen; es kann auch sein, daß es früher unter diesem Titel erschienen ist. Den bei weitem größten Teil auf der Titelseite nehmen die poltzeilich festgestellten Preise für Frucht und Vik⸗ tualien ein. Darnach kostete ein Pfund gutes Ochsenfleisch durchschnittlich zehn Kreuzer“) Kuhsleisch 8, Rindfleisch, Kalb⸗ fleisch 4½, Wurst aus Schweinefleisch 12, gemischte Wurst 8, Bratwurst 15, Schwarte⸗ magen und Schinken 16, geräucherter Speck 20 Kreuzer das Pfund, ein Laib Brot 12, eine Maß Milch 6, ein Pfund Butter 16, 3 Handkäse 4, 9 Eier 8 Kreuzer usw.
as waren billige Zeiten; nur schade, daß das Geld so knapp gewesen sein soll, daß viele Leute nicht imstande waren, diese Lebensmittel immer aus⸗ reichend einzukaufen. Dafür mußten dann hauptsäch ich die Feld⸗ und Gartenerzeug⸗
1 Kreuzer hatte einen Wert von etwa 3 Reichspfennig, und 60 Kreuzer waren 1 Gulden.
und für sie beschämend, es kann aber für
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Alsdann folgen die weiteren behörd⸗ Bekanntmachungen. Die Erlasse des Kreisamtes sind von dem Kreisrat K. Ch. Knorr unterzeichnet, die des Polizeiamtes von dem Kommissär G. Stumpf, der zu⸗ gleich als Kreissekretär fungierte. Die Ediktalladungen des Hofgerichts wurden durch dessen Sekretariat veröffentlicht. Die Bekanntmachungen des Stadtgerichts unter⸗ zeichnete der Stadtrichter Müller und die der Stadt Gießen der Bürgermeister C. mals im mittleren Stock des alten Schlosses am Brand, das Stadtgericht im obersten Stockwerk und das Polizeiamt in dem Seitenflügel nach dem Botanischen Garten zu. Von der Bevölkerung wurde das Ge⸗ bäude, so wie es früher geheißen hatte, immer noch„die Kanzlei“ genannt, wäh⸗ vend die Behörden im dienstlichen Verkehr es als Regierungsgebäude bezeichneten; die Straßenbenennung„ Kanzl iberg“ ist darauf zurückzuführen. Das Hofgericht gebäude stand ebenfalls auf dem Brand, auf der Stelle, auf der das Turmhaus erbaut ist. Vordem und solange Gießen eine Festung war, soll es die Amtswohnung des jeweiligen Stadt⸗ kommandanten 5 9 sein. Der Rentamt⸗ mann Schneider erließ Aufforderungen zur Zahlung von Schuldigkeiten als Pacht⸗, Holz⸗ und Grasgeldern. Für das akade⸗ misch⸗medizinische und ophthalmologische Klinikum) war die Beschaffung der Le⸗ bensmittel und der Gebrauchsgegenstände sowie die Anstellung der Wärter und des Dienstpersonals, auch die Führung der Erhelregister dem Verwalter Peppler über⸗ tragen, der dadurch mit sehr vielen Ge⸗ schäften in ständigem Verkehr stand und
zu Anzeigen sehr oft Veranlassung fand.
Etwa zehn Jahre später erbaute er eines der ersten, schönsten und größten Wohnhäuser auf dem oberen Seltersberg. Von seinen Familienangehörigen lebt schon seit über sechzig Jahren niemand mehr in unserer Stadt.
Die Rubrik„Feilgebotenes“ wird von hiesigen Geschäften noch äußerst wenig be⸗ nutzt, das ist auch erklärlich; denn bei dem stillen Geschäftsgang in dem kleinen Städt⸗ chen, wo jeder einen jeden kannte, wußte man, welche Artikel jedes Geschäft führte und wo man das Nötige am besten kaufen konnte. So empfahl beispielsweise Th Felsing am Markt ganz frisch Ba er Selteser und Schwalh imer Wasser, L. F. Höstreich auf der Mäusburg Por toriko⸗ Tabak, neue Häringe und Punschessenz,
9 Bei wörtlichen Wiedergaben aus den Anzeigen ist die frühere Schreibweise bei⸗ behalten.
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