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Transport von 6 Unteroffizieren und 21 ich auch noch über Weihnachten zu Hause

Mann für das Regiment mitbekommen. Lieber wäre uns gewesen, wir drei hätten

für uns mit unseren Burschen fahren kön⸗

men. Ich habe als Burschen Kanonier Acker⸗ mann aus De heim mitgenommen, der mit der 5. Batterie ausgerückt und bei Mouzon durch einen Granatschuß in den Arm ver⸗ wundet worden war. Wir fuhren im Eil⸗ zug über Fulda, wo meine Schwägerin und meine Nichte am Bahnhof waren und mein Bruder zu uns stieg, um bis Bebra mitzu⸗ fahren, wo wir noch zusammen zu Mittag aßen, Eisenach, Erfurt, Halle nach Berlin wo wir um 8.19 Uhr abends am Anhalter Bahnhof ankamen. Da wir erst am andern Morgen weiterfahren konnten, mußte ich meine Leute die Nacht unterbringen und wurde an den Bahnhof Friedrich straße ver⸗

wiesen, von dort aber an den Schesischen Bahnhof. Wir hatten sehr viel Gepäck, Pa⸗

kete mit Winlersach en für Offiziere des Re⸗ giments u dgl., was alles in zwei Drosch⸗ ken verpackt wurde, denen die Mannschasten. zu Fuß folgten, unter Führung von Leut⸗ mant Müller erst nach Bahnhof Friedrich⸗ straße, dann nach dem Schlesischen Bahnhof, wo sie natürlich erst spät ankamen. Ich wunderte mich, welches Aufsehen dieser lleine Transport in Berlins St aßen erregte, als ob Feldgraue dort eine seltene Erscheinung wären. Ich war mit dem Auto nach den beiden Bahnhöfen gefahren, und es war bald halb elf Uhr, als ich am Schlesischen Bahnhof fertig wurde.

19. Dezember 1914. Gestern ging die Eisenbahnfahrt im Personenzug über Posen nach Gnesen, wo wir nach zwölfstündiger Fahrt abends um 7 Uhr ankamen. Auf der Kommandantur wurde uns eröffnet, daß in den nächsten Tagen keine Personentrans⸗ porte nach der Front abgingen, und wir wurden zunächst hier in Gnesen einquartiert, die Unteroffiziere und Mannschaften zusam⸗

men in emer Wirtschaft, wir Offiziere ge⸗

trennt. Ich wohne bei Kaufmann L. Fran⸗ kowski, Bahnhofstraße 10, in einem Riesen⸗ salon, in dem ein schmales Feldbett steht, und der nicht warm zu bekommen ist; jedes kleine Zimmer wäre gemütlicher.

22. Dezember 1914. Noch immer sind wir in Gnesen, das wir eingehend be⸗ sichtigten. Sehr interes ant ist der alte Dom.

Zum Mittag- und Abendessen trafen wir n drei

drei uns immer, wobei wir zwisch Restaurationen wechselten. Nachmittags kamen wir in dem sehr hübschin Wiener Café zusammen, wo die neuesten Zeitungen eifrig studiert wurden. Heute kam nun der Befehl, daß alle in Gnesen befindlichen für die Front bestimmten Truppen morgen früh in Marsch zu setzen sind. Die Bahn wird nur für die Beförderung von Munition und Lebensmittel benußzt. Hätte ich geahnt, daß wir so langsam nach vorn kämen, dann hätte

bleiben können. Aber Hauptmann Fresenius drängte immerzu, da er Angst hatte, wir kämen zu spät zum Einzug in Warschau.

Wir erhalten einen Wagen für uns Offi⸗ ziere und zwei für unser Gepäck.

24. Dezember 1914. Da die bestell⸗ ten Wagen nicht erschienen waren, verspätete sich gestern unser Abmarsch von Gnesen; bei Schnee und kaltem Wetter ging dann der Marsch über Wittkowo, Stralkowo nach Skarboszewo, wo wir gegen Abend ankamen und bei dem katholischen Pfarrer gut unter⸗ gebracht waren.

Heute früh Abmarsch über Stra!kowo bei hellem, sonnigem Himmel nach Russisch⸗ Polen hinein, dessen Grenze wir um zehn Uhr überschritten. Die Gegend ist eintönig, Flachland mit zerstreut liegenden Gehöften und einzelnen Dörfern. Das Land ist von vielen Pappelalleen durchzogen. Wir sahen außergewöhnlich viel Feldhühner. Um halb 2 Uhr waren wir in Golina, einem haupt⸗ sächtich von Juden bewohnten Städtchen, wo wir Quartier bezogen. Wir sind alle bei Juden untergebracht, die offenbar deutsch⸗ freundlich gesinnt sind.

Um 6 Uhr kamen wir mit unseren Leuten in einer Wirtschaft zusammen. Ein kleiner Christbaum war mit Schmuck und Lichtern, die mir meine Mutter mitgegeben hatte, ge⸗ putzt. Ich hielt eine Ansprache, dann sangen wir Weihnachtslieder,Wir treten zum Beten u. a. Um 7 Uhr ging ich mit den beiden Kameraden in mein Zimmer, wo wir beim Schein einer Kerze Petroleum gibt es hier nicht mehr bei Punsch und Weih⸗ machtsgebäck biz 9 Uhr gemütlich zusammen saßen. Meine Gedanken weilten gar viel bei meinen Lieben daheim und im Elternhause, in Erinnerung an frohe Weihnachtsabende früherer Jahre. Möge Gott uns im nächsten Jahre ein glückliches Weihnachtsfest daheim erleben lassen!

25. Dezember 1914. Heute früh kamen wir an einem unter hohen alten Bäumen malerisch gelegenen Holzkirchlein vorüber. Die Kirchentüre, vor der die An⸗ dächtigen noch in dicht gedrängten Scharen standen, war offen, und der Blick fiel auf den durch Kerzen erleuchteten Altar und den davor amtierenden Priester, ein zur

Andacht stimmendes Bild. Unser heutiges

Marschziel ist Konin an der Warthe, ein größerer Ort, in dem noch deutlich die Spuren des vor wenigen Wochen stattgehab⸗ ten Straßenkampfes zu sehen sind. 5

Aus einem Brief meiner Frau vom 25, Dezember: Du kannst Dir denken, wie viel meine Gedanken gestern bei Euch Lieben waren. Und beim Erwachen heute wart Ihr wieder mein erster Gedanke. Ich sah Ilse, voll Freude erwach end und ungeduldig, wieder zu ihren Geschenken zu kommen. Und Du? Ja, das quält mich sehr, liebste

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