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Schmuckkästchen von außen, ein Liebesnest⸗ chen von innen, erbaut zum Küssen und Kosen, abseits vom Getriebe der Großstadt. Scheinbar unberührt vom Völkermorden stellte es sich dar, nachdem auf wieder⸗ holtes Pochen ein alter grämlicher Diener geöffnet hatte und mit einemmaudits Prussiens voranging, der Herrschaft den unwilltommenen Besuch zu melden.

Ein reizender blaugoldner Salon; dunkel⸗ lila Astern mit rotem Herbstlaub vermischt, in allen Vasen, ein leiser Duft nach Reseden empfing den jungen Krieger. Es knistert: kaum merklich bewegt sich der seidene Vor⸗ hang, und die Herrin des Hauses im leichten weißen Hauskleid steht inmitten des Rau⸗ mes. Das stolze schwarze Köpfchen hoch er⸗ hoben mit feindseligem Blick, ein kurzes Que désirez- vous, monsieur? Ritterlich klappten die Hacken des Jünglings zusam⸗

men, und tief neigt sich der Kavalier vor

der Dame, aber bestimmt klingt die Antwort:

Quartier pendant la nuit pour moi et mes Zens, madame. Ein kurzes Auffahren der Dame, ein Sichkreuzen der Blicke beider,

dann ein leichtes Aufatmen mit kurzer Hand⸗

bewegung:La maison est à votre dispo- sition. Leicht rauscht die Schleppe, er steht allein.

Voran, Leute, das Haus durchsucht, ob

nichts Verdächtiges vorhanden ist!

Die

Wachen ausgestellt, wir bleiben hier!, so

klingt im nächsten Augenblick der Befehl. Schleunigst wird alles durchsucht, nichts, was Verdacht erregt, findet sich. Die alte Dienerschaft und die junge schöne Herrin sind anscheinend die einzigen Bewohner. Der junge Führer hatte sich selbst den hübschen Salon und das nebenanliegende Schlaf⸗ gemach, das dem abwesenden Herrn des Hauses zu gehören schien, zum Quartier aus⸗ gesucht, als er Lärm hört und hinzueilend erfährt, eine alte Dienerin wolle nicht leiden, daß auch das Zimmer ihrer Herrin durch- sucht werde. In demselben Augenblick tritt diese selbst, vom Lärm herbeigelockt, aus der Tür. Wieder kreuzen sich zwei Augenpaare, das eine haßerfüllt, das andere höflich kühl und ritterlich zugleich.Vous m'assurez,

madame, qu'il my a rien dans cette chambre?Rien, que pourrait vous nuire.C'est bien.

Ein kurzer Befehl an die Soldaten, und die Leute entfernen sich. Das Zimmer blieb unberührt, nur eine Wache nahm vor der Tür ihren Posten ein, nachdem der Offizier mit Befriedigung bemerkt hatte, daß die zweite Tür in das Zimmer führte, das er selbst bewohnte, also jeder weitere unbe⸗ wachte Verkehr aus diesem Zimmer un⸗ tkköglich war.

Nach dem Salon zurückgekehrt, fand er einen leckern Imbiß aufgetragen. Ein leich⸗ tes Ueberlegen, dann gibt er dem herbei⸗ geschellten Diener den kurzen Befehl, daß die Dienerschaft mit den Leuten draußen

zu essen habe, und läßt zugleich durch ihn der Herrin des Hauses die Aufforderung überbringen, mit ihm zu speisen. Kurz darauf erschien der Diener mit einem zwei⸗ ten Gedeck, und gleichzeitig ging eine leichte Bewegung durch das Zimmer. Ohne daß der Offizier es bemerkt hatte, war die Dame des Hauses aus der Tür ihres Zim⸗ mers, die der blauseidene Vorhang verdeckte, eingetreten. Eine kurze Verbeugung, die Sporen klirren. Ein zierlicher Sessel wird herbeigerückt.

Vous comprenez, madame? und eine einladende Handbewegung. Höhnisch und verachtungsvoll die Mundwinkel verziehend, neigt sie stumm ihr Köpfchen, läßt sich in den Sessel gleiten, nimmt von jeder der ihr höflich gereichten Platten eine Gabel voll. Nachdem sie von allem einen Bissen genommen hat, lehnt sie sich mit der ab⸗ lehnendsten Gebärde zurück und stiert schwei⸗ gend in die eine Ecke des Salons, bis der junge Mann seinen dem langen Ritt ent⸗ sprechenden gesunden Hunger gestillt hat. Er versucht nicht, ein Gespräch anzuknüpfen, da eine durch das ganze Wesen der Dame zur Schau getragene Abweisung ihm verbietet, die ihr aufgezwungene Lage noch zu ver⸗ schärfen. Schweigend legt er Messer und Gabel hin. Sie erhebt sich. Ein kurzes merci, madame ist die Quittung auf ihr feindseliges Benehmen. Ehe er sich versieht, hat sie das Zimmer verlassen.

(Fortsetzung folgt.)

Bilder aus dem Uriegsgefangenenlager Gießen.

Von Professor Dr. Fritz Schmoll, Hauptmann d. Res. a. D. (Fortsetzung.)

In übersichtlicher Weise war die Anlage des ganzen Lagers gegliedert, Kompagnie⸗ revier neben Kompagnierevier, jedes einen geräumigen Hof umschließend und durch⸗ zogen von den schnurgeraden, breiten Lager⸗ straßen, das Ganze blitzend sauber und wohl kanalisiert, überragt von den Wachkanzeln und den Geschütztürmen, deren bloßes Vor⸗ handensein den Insassen die Lust zu Auf⸗ ruhr und Ausbruch gründlich zu nehmen geeignet war, Und welch freundliches Aus⸗ sehen hatte das Lager im Sommer, wenn zum lachenden Sommerschein, der auch die braunen Baracken verschönte, die schmucken Garten- und Blumenanlagen hinzukamen, in deren Herstellung besonders die Fran⸗ zosen Meister waren und worin die einzel⸗ nen Kompagnien wetteiferten, nachdem schon im Frühling die Blüte der Kirschbäume einen unendlich feinen Schimmer über einen Teil des Lagers ausgebreitet hatte. Wie malerisch erschienen aber auch die Gruppen der Lagergebäude im silbernen Mondlicht oder im hellen Schein der hohen elektrischen Bogenlampen!

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