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burtstagsfest und wenn Tante Kaffeevisite hielt. Die Visite war ein noch gewichtigeres Ereignis als der Geburtstag, zumal dazu
gibt, das uns mehr sein kann als eine Augenweide, weil es das Herz mitklingen läßt, da sein Anblick einem Menschen die
regel mäßig eine wirkliche Exzellenz erschien. Vergangenheit mit der Gegenwart verknüpft. An diesen beiden ereignisvollen Tagen dien. Wir kannten sie alle die Geschichte der ten die alten vergoldeten Tassen einzig und Kaffeekanne, und doch war heute des Quä⸗ allein ihrer eigentlichen Bestimmung, und lens kein Ende, nachdem der Tisch fein wir strahlten, wenn wir zufällig dann auch säuberlich fertig gedeckt war. Jedes Löffel⸗ gerade die Tasse bekamen, die uns beson⸗ chen leuchtete blitzeblank, und jedes Messer⸗ ders gefiel. Meine Lieblingstasse trug in chen lag akkurat im selben Abstand; jetzt einem Kränzchen von Rosen und Vergiß⸗ holte Tante auch die hochgetürmten Kuchen⸗ meinnicht die Aufschrift„Aus Liebe“, Karl- teller und meinte dann:„Na, um eure chen dagegen bevorzugte eine andre, bezeich⸗ Augen ein bißchen abzulenken— denn es net„Dem treuen Freunde“, weil sie die dauert noch ein Weilchen, bis Tante Min⸗
größte war. Jede Tasse war anders, und jeder sah man es an, daß eine bestimmte Erinnerung die Besitzerin damit verband. Tante selbst bekam stets ein ganz kleines altes braunes Täßchen, das sicher für sie die schönste Erinnerung barg, doch hat sie uns nie ihre Geschichte erzählt, und wenn wir danach fragten, wurden wir mit einem „papperlapapp, viel Wissen macht Kopf⸗ weh!“ abgefertigt.
„Vorsichtig, damit Ihr mir nichts ka⸗ putioniert!“ kommandierte sie jetzt, wäh⸗ rend sie vor dem Schrank kniete und die Seidenpapierchen, die zwischen die einzelnen
chen und die Geschwisterkindvetterbase Jett⸗ chen kommen— will ich euch die Geschichte erzählen, wie meine Eltern zu dem pik⸗ feinen Jagdservice kamen, wovon das hier die Kaffeekanne ist!“
„Mein Vater war als junger Revier⸗ förster angestellt worden und dachte daran, sich seinen Hausstand zu gründen. Die Mutter hatte er sich schon lange zur Haus⸗ frau ausgesucht, und nun sollte die Hoch⸗ zeit sein. Das Revier des jungen Försters war arg vernachlässigt. Der Vorgänger, ein alter Mann, war schon längere Zeit
Stücke gelegt waren, fein säuberlich heraus⸗
nahm und faltete. Sie war schon in großer
Galatoilette, dem dunkelgrünen Baregekleid mit der schwarzseidenen Schürze und den blütenweißen Strümpfen, nicht allzulangen Rock hervorlugten. Lange
Röcke liebte die Tante nicht.„Zum Kehren nehm ich den Besen,“ pflegte sie zu sagen,
dagegen mußte der Rock weit sein und Falbeln haben.„Sonst siehts aus, als ob man am Stoff sparen müßte, und das ist Bettelmannswirtschaft. Die Taille mußte eng anliegen,„sonst siehts pluderig aus.“ Aber der Stolz und die Freude der Alten war die Haube, und heute war die Gala⸗ haube an der B fein gefältet und mit lila Band kokett garniert, und die grauen Korkzieherlöckchen pendelten extra sanft und gut gelaunt, als wollten sie sagen: „Heute ist friedselige Stimmung. Einund⸗ achtzig Jahre, da wird man ruhiger und stiller.“ Das galt aber bei Tante nur fürs Heute, nicht fürs Morgen.
„Jetzt gebt Obacht, die Kaffeekanne!“ Damit hob Tante Luise das Prachtstück aus dem Schranke empor, und mit einem Ge⸗ sicht, als ob ich das Allerheiligste trüge, nahm ich sie ihr ab und stellte sie auf den Tisch. Tante, die sich jetzt aus ihrer knien⸗ den Stellung schwerfällig erhoben hatte, beguckte die Kanne von allen Seiten und streichelte sie wie eine Mutter ihr Kind, indem sie leise unverständlich vor sich hin⸗ murmelte. Es klang wie Liebkosungen, und
wir Kinder schauten staunend auf das feine Porzellan, das mit Jagdstücken bemalt war, und ein leises Ahnen ging durch unser Zum
die unter dem
krank gewesen, und der Forst war sozusagen jahrelang ohne Herrn. Man merkte das hauptsächlich an den vielen Wilderern, die darin ihr Unwesen trieben. Zweie machten besonders dem jungen Förster zu schaffen. Er kannte sie beide, aber es war ihm noch nicht gelungen, sie auf frischer Tat zu er⸗ tappen. Es waren wilde verwegene Ge⸗ sellen, die höhnisch blickten, wenn sie den jungen Forstmann sahen. Meine Mutter bangte um den Liebsten und beschwor ihn am Abend vor der Hochzeit hundertmal, sich doch vor ihnen in acht zu nehmen. Aber lachend sagte er ihr schließlich, er wünsche sich, um ihr Ruhe zu verschaffen, die beiden noch vor der Hochzeit in sichern Gewahrsam bringen zu können. Diesem Ge⸗ danken nachspinnend schlug er den Weg nach dem Wald ein.
Das letzte Haus im Dorf, ein Wirtshaus von nicht ganz einwandfreiem Ruf, hatte noch Licht. Ganz instinktiv trat er ein, und siehe, die beiden Verdächtigen sitzen darin, trinken Bier und rauchen ihre Pfei⸗ fen. Die Gewehre stehen ganz frei an der entgegengesetzten Wand, während ein wohl⸗ gefüllter Sack zwischen ihnen liegt. Schnell übersieht der junge Förster dies alles, die verblüfften Gesichter der beiden sagen außer⸗ dem genug. Sie hatten sich gerade heute abend sicher gefühlt, da es ja im Dorf be⸗ kannt war, daß der Förster tags darauf Hochzeit halten sollte.
Schnell entschlossen sprang mein Vater vor die Wand, an der die Gewehre lehnten und forderte sie auf, den Sack zu öffnen. Ueberfluß gewahrte er in diesem
Gemüt, daß es lebloses Gerät in der Welt Augenblick, daß sogar der Lauf eines Rehes


