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Blütenpracht entfalteten. Obst und Gemüse konnte noch genug gezogen werden, und so waren wir ganz zufrieden mit der Verände⸗ rung. Dieser Garten lag, wo die West⸗ anlage am Neustädter Tor endet.

Das Geschäft, das jetzt ausschließlich Eisen⸗ handlung ist, war zur Zeit des Jakob Pistor eine sogenanntegemischte Warenhand⸗ lung, an Markttagen war es stets über⸗ füllt, bis hinein in die Nachmittagsstunden kamen die Geschäftsangestellten nicht zur Ruhe.

Aus dem von Jakob Pistor angefangenen Hausbuche teilen wir noch folgende, von seinen Nachkommen gemachte Einträge mit: Das Jahr 1848 war ein sehr unruhiges,

aber so viel mir im Gedächtnis geblieben

ist, reich an Abwechslung. Bald

kam Einquartierung. Unser Vater(Emil P.)

war Mitglied des Gemeinderaths. Sonntag⸗ n

nachmittags rückte stets die Bürgergarde mit klingendem Spiele aus.

häufig Lärm, einmal wurden auch Barri⸗

kaden gebaut.Im Herbste 1858 stand

ein prachtvoller Komet am Himmel. Den 10. November 1859 100jähriges Jubi⸗ läum unseres großen Dichters Schiller. Mittwoch den 9. Nov. Abends ½7 großer Fackelzug, woran sich mehr als 1000 betei⸗ ligten, Versammlung in Oßwalds Garten.

Donerstags Morgens 7 Uhr Musik und Geläute vom Thurm. Um 10 Uhr sahen wir den großen Festzug, woran sich alle Zünfte,

Studenten, Schulen betheiligten, er bewegte

sich durch die Stadt nach dem Brand, dort hörte ich vom Zeughause die Rede des Herrn Dr. Krumm. Nachmittags 2 Uhr Feier in unserer Schule, ich deklamierte den Meister aus der Glocke. Abends waren wir auf dem Turnerball bis 10 Uhr. Auch

wurde bei Gelegenheit der Vorfeier auf dem

Trieb eine Schillereiche gepflanzt.Noch muß ich eines Gliedes unserer Familie ge⸗ denken, die es verdient, daß sie nicht vergessen wird, Haushälterin, die Nette. Sie war früh ver⸗ waist in das Haus der Frau Becker gekom⸗ men und hatte sich im Haushalt und Laden nützlich gemacht, ja zur Zeit meiner Groß⸗ mutter hatte sie drei Onkel erzogen und war für die Großmutter, Haus verließ, eine unentbehrliche Stütze. Sie war verwachsen und klein, aber ihr Stolz war ihr weißes gute Kleidung. Im Laden genoß sie hohes Ansehen, die Landleute behaupteten, niemand die schwarze Farbe zum

ihrer Strümpfe so meisterhaft herstellen könnte als die Jungfer Nette. Wir Kinder wandten uns in allen Nöten an sie, wenn sie krank war, besuchten wir sie, nicht sehr zu ihrer Annehml ichkeit und spielten dann Nachmittags lang in ihrem Stübchen auf der Mäusburg in einem alten,

1 B. 55 an Kopfwe him. 3 55

100

wurden die Häuser geschmückt und illuminiert, bald

Nachts gab es

5 t ganz es war unsere langjährige

Sonntag den 27.

die niemals das

8 Pfr. 5 Haar, auch hielt sie auf

Färben Markussaal mit Besprechung des

und

R. 5 Gieged

leidend im Bett lag, führten wir ein Theater⸗ stück auf. Eines Abends wollte sie einen Tisch tanzen lassen und lud uns nebst ihrer

Lauffrau, der Mootzin, und einer spiritisti⸗ schen Freundin dazu ein. Nachdem eine Stunde lang eine Kette gebildet worden war, tanzte er wirklich lustig in der Stube herum. Sie wußte Aber i mancherlei Geschichten und glaubte an Ahnungen und Vorzeichen. Die Familie Pistor, die mehrere Jahr⸗

hat, ist heute in unserer Stadt im Mannes⸗ stamme erloschen. Ein Enkelsohn Jakob Pistors ist als Chemiker nach Spanien über⸗

gesiedelt, wo sein Sohn seinen Wohnsitz hat. ö H. B. Uleine Mitteilungen. 1

Am 18. April des kommenden 20

1921 werden Hunderttausende evange lischer Deutscher des Helden von Worms und seines mutigen Beke untnisses 5 das er am 18. April 1521 vor Kaiser und Reich ab⸗ gelegt hat. Es handelt sich nicht um eine rauschende Feier, sondern um eine gewissen⸗ weckende, d dankbare Erinnerung in ernster, würdiger Form. Diese Anregung, die der deutsche Evangelische Kirchengusschuß bereits gegeben hat, ist von der preußischen General⸗ synode aufgenommen worden. Sie nahm am. 15. April folgende einstimmige Entschlie⸗ ung an: Am 18. seit dem Doktor

April 1921 werden 400 Jahre Tage vergangen sein, an dem Luther vor dem Reichstage in Worms sich und uns die Freiheit des in Gott gebundenen Gewissens und das Lebensrecht evangelischen Glaubens ekstritt. Die Generalsynode spricht die Erwar⸗ tung aus, daß die Gemeinden unserer Lan⸗ deskirche an diesem Tage oder dem nächst⸗ e Sonntage in Form kirchlicher Ge⸗ dächtnisfeiern der einzigartigen Bedeutung des Ereignisses einmütig Genüge tun wer⸗ den. Sie ruft aber schon heute zu einer würdigen Vorbereitung solcher Feier nach⸗ drücklich auf.

Kirchliche Anzeigen. Juni, 4. n. Stadtkirche. Vorm. 8 Uhr, zugl. lehre für die Neukonfirmierten Markusgemeinde: Pfr. Becker. Vorm. Mahr. Vorm. 11: Kinder⸗ gottesdienst für die Matthäusgeme einde: Pfr. Mahr. Donnerstag den 1. Juli, abends

Trinitatis. Christen⸗ aus der

daß 8/ Uhr, Gemeindeversammlung für Män⸗

ner und Frauen der Markusgemeinde im Themas Unser Gottesdienst.

Johanneskirche. Vorm. 8 fällt aus. Vorm. 9/8: Pfarrassistent Ramge nach voraus⸗ gegangener Ordination. Vorm. 11: Kinder⸗ kirche für die Lukasgemeinde: Pfr. Bechtols⸗

jetzt heimer. Abends 8 Uhr: Bibelbe sprechung

Mahr:

hunderte hier in großem Aunse ehen gestanden

Gemein Nr. 26

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