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nannt wird. Dieses Exemplar ist auf rosa⸗ rotem Papier gedruckt, oft verwendete man auch dazu grünes Papier. Heute dürfen in⸗ folge behördlicher Verbote in den Zeitungen standesamtliche Notizen nicht mehr gebracht werden. Das ist recht zu bedauern. Früher erfuhr man doch, was die Familien des Bekanntenkreises in Freud und Leid be⸗ wegte, und einer nahm am andern Anteil. Frauen sollen, wenn Samstags die Zeitung kam, zuerst nach den Mitteilungen des Standesamtes gesehen haben.— Bemerkt sei noch, daß das Elternhaus des hier genann⸗ ten Täuflings— Ludwig Klemmrath war wie sein Vater, Bäckermeister, und starb schon im Alter von 24 Jahren sich im Neuenweg befand, an der Stelle, wo der Ge⸗ schäftsnachfolger, Herr Bäckermeister Deibel, einen Neubau errichtet hat.
Ein Winter an der Bzura. Aus dem Kriegstagebuch des Hauptmanns
(Fortsetzung.)
6. Januar 1915. Ich sehe gut aus mein Vollbart hat sich in den drei Wochen schon recht gut gemacht. Meine Nerven sind noch nicht ganz auf der Höhe. Gestern abend begaben wir uns um ½10 Uhr zur Ruhe, aber ich konnte nicht einschlafen, war voll Unruhe. Die hinter unserm Dorf stehenden
schweren Geschütze feuerten dauernd, so daß unser Häuschen immerzu erbebte. Auch be⸗ gann später ununterbrochenes Knattern von Ignfanterieschnellfeuer. Um 10 Uhr erhielt ich die Nachricht, eine Kavalleriepatronille habe bei der Beobachtungsstelle gemeldet, die
Russen versuchten vor unserer Stellung einen Durchbruch. Schnell in die hohen
Stiefel, Mantel an, Helm auf und umge⸗ schnallt dann stapfte ich mit Leutnant Thüre durch den Schnee nach unserem Beobach⸗
vir schossen auch, die Russen ließen Leucht⸗ kugeln aufsteigen. Unsere Pferde waren ge⸗ sattelt, alles war in Eile verpackt worden, um für jeden Fall bereit zu sein.
Um 11 Uhr wurde gemeldet, der Angriff
der Russen sei zurückgeschlagen. Da die Lage ein
aber doch etwas heikel war, blieb ich die
8 8 8 5 g nachts d. R. Landgerichtsrat Trümpert in Gießen. 13
83„ 0 8. Januar 1915. Gestern hatten wir
uns. Der Sturm, der die Tage vorher ge⸗ wütet, hatte sich gelegt, die Luft war rein und gut. In der Nacht trat aber leider Tauwetter ein und heute regnet es wieder. In den letzten Tagen ist es ziemlich ruhig hier; aber nachts ist meist eine arge Schieße⸗ rei, was dem Schlaf nicht gerade förder⸗ lich ist.
Bei meiner Rückkehr in unser Wohnhaus fand ich zu meiner großen Freude eine Anzahl Postsachen vor, darunter liebe Neu⸗ jahrsgrüße und ⸗wünsche von Mutter und Geschwistern: Hedwigs Brief hatte ich mir für zuletzt aufgehoben; er riß mich jäh aus meiner frohen Stimmung; denn er ent⸗ hielt die Nachricht, daß mein Schwager Adolf Zinßer, mit dem ich mich sehr gut verstand, am 30. Dezember gestorben ist. Ich bin aufs tiefste erschüttert.
10. Januar 1915. Wir müssen häufig feuern. Schon zweimal mußte ich nachts, da ein feindlicher Angriff gemeldet
wur e, in das Beobachtungshaus hinüber⸗
geheß wo ich dann bis zum Morgen blieb. Heute ist in den Stellungen des Feindes
und in dem Hintergelände keinerlei Be⸗
wegung zu sehen. Bei dem kalten Wetter ist das Beobachten im Freien keine reine Freude, und wir lösen einander öfters ab, um uns im Zimmer wieder zu wärmen. Rittmeister Freyer und Rittmeister Rein⸗ hard vom Reserve⸗Dragonerregiment Nr. 4, die nicht weit hinter unserer Feuerstellung in gemütlichen Häuschen wohnen und fast gar keine Beschäftigung haben, besuchen uns
oft, um etwas Unterhaltung zu haben, in
unserem Beobachtungshause Auch besuchen wir uns gegenseitig zum Kaffee, Mittag⸗ oder Abendessen, wobei es immer sehr ge⸗ mütlich ist. Nur der Heimweg von ihrer
1 Wohnung über Sturzäcker mit vielen Granat⸗ tungshaus. Es herrschte ein tüchtiger Lärm,
löchern ist für mich bei Dunkelheit sehr un⸗
angenehm, da ich nachtblind bin.
Die Ruhe auf dem Gefechtsfeld wird allmählich unheimlich. Aber es regt sich nichts bei dem Feind. Auf unserer Seite laufen Infanteristen im Gelände herum, in Zug Feldküchen, weithin sich vom Schnee abhebend, fährt langsam nach den
Nacht über im Beobachtungshaus, konnte vorderen Stellungen, einzelne Reiter über⸗ aber kaum zum Schlafen kommen, da noch bringen. Meldungen. Nichts stört dieses fried⸗ weiter geschossen wurde und die Leute im liche Bild. Wie anders war es im Westen. Zimmer furchtbar schnarchten. Um 6 Uhr Da wurde auf jeden, der sich blicken ließ,
wanderte ich recht müde zu unserm Wohn⸗
sofort in unfreundschaftlichster Weise mit
wieder eine herrliche Winterlandschaft vor
1 zurückziehen. ur u r 25 5 9 weiter vor, und die Sache fängt wieder in licher Tag im Krieg. Aber wie bald kann
baus und schlief dort noch etwas. Nachdem Schrapnells oder Granaten geschossen. End⸗ ich gefrühstückt 9515 ich 1 an die Beob⸗ lich um 2 Uhr entdeckt Leutnant Thüre achtungsstelle. Da es neblig ist, können wir schanzende Russen, in den Gräben jenseits nicht schießen. Die rechts von uns kämpfen⸗ der Bzura. Wir beunruhigen sie durch Gra⸗ den Truppen sollen gestern gute Erfolge er- natfeuer. Dann wird es in kurzer Zeit so zungen haben, da ist zu hoffen, daß die dunstig, daß die Beobachtung aufhört. Bald Russen sich aus ihren letzigen Stellungen wird es dunkel werden, und wir können in müssen. Dann müßten wir unser Wohnhaus zurückkehren. Ein fried⸗
einer anderen Stellung von vorn an. sich das Bild ändern. Daran gemahnen uns
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