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weile, daß die junge Frau aber gar bleich und elend aussehe, nicht wie das glückliche Kind von ehedem.

Hatte ein Jahr der Ehe dem Schmetter⸗

ling den Flügelstaub schon abgestreift? War das Instrument ihrer Seele in täppische Hände gekommen, die nicht darauf zu spielen wußten? So gut wie der weltfremde, ver⸗ träumte Dorfschulmeister hatten sie es sicher

nicht verstanden. Wer weiß

Das Immortellensträußchen war Muttels Heiligtum. Der letzte verklärte Blick Fridolins hatte darauf geruht. Als das Altchen zur

Ruhe gegangen war, fand ich die trocknen Blümchen auf dem Schutthaufen. Für lachende Erben war es wertlos. Für mich hatte es seine Geschichte, die mich kostbarer deuchte als manch sonstiger Tand.

13. Unser Anismann.

Es riecht schon nach Weihnachten! ver⸗ kündete heute mein Bruder freudig. Er hatte die Nase vorwitzig in die gute Stube ge⸗ steckt und dort eine wichtige Entdeckung

gemacht. Da stand die dunkelrote Plüsch⸗

garnitur herum um den runden Tisch mit

dem säulenverzierten Fuß und der fein fur⸗

nierten Platte, die aber stets die Plüschdecke verdeckte, und wartete. Im guten Zim⸗ mer, da wartete alles: das hochlehnige wohlgepolsterte Sofa, die spindelbeinigen Stühle auf dem geblümten Teppich, die nie aufgezogene Pendule auf der Spiegelkonsole und die Albums auf der roten Plüschdecke. Das ganze Zimmer war ein einziges großes Fragezeichen:Wer oder was kommt jetzt? und meistens kam nichts, nur alle Freitag das Mädchen zum Reinmachen. Da wurde dann alles um und um gekehrt und am Ende stand es gerade so langweilig und steifbeinig da wie vorher und wartete geduldig weiter.

Einmal im Jahr geschah aber etwas be sondres. Da kam die Belohnung für das lange Warten: die Glanzzeit der guten Stube. Die Vorboten waren große vollge⸗

ladene Teller, die sich dickfällig auf dem

runden Tisch breit machten, während die dort vornehm prangenden Albums ohne viel

Umstände aufeinander geschichtet wurden. Die Teller waren voll gestoßenen Zuckers,

gemahlener Mandeln, fein geschnittenen Zi⸗

tronats und ausgekörnter Haselnüsse. Do wußte jedermann in der Familie, es weih⸗ nachtet, und alle freuten sich, wenn sie den

großen Messingmörser sein einförmiges Tack⸗

tack singen hörten. Die gute Stube sah auf einmal gemütlich und wohnlich aus, man

wußte nicht, warum, aber alle Steifheit war verschwunden. Die Möbel machten ordent⸗

lich vergnügte Gesichter, die Makartbuketts

in den großen Porzellanvasen sahen frischer aus und rochen weniger nach vertrocknetem.

Gras. Man spürte schon etwas von Tannen⸗

duft und Kerzenschein, obgleich es noch vier

Wochen bis Weihnachten war. (Fortsetzung folgt.)

Uleine Mitteilungen.

Zu seinem in den beiden letzten Nummern enthaltenen Artikel über das Gießener Turner⸗ und Sängerfest des Jahres 1862 teilt uns der Verfasser Herr Heinrich Hoch⸗ stätter sen. berichtigend mit, daß auf dem Turnfeste zu Oberstein im Jahre 1861 nicht Wilhelm Nehmeyer sondern Karl Nehmeyer den ersten Preis errungen habe.

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Auf einem 200 Jahre alten Grabsteine auf dem Friedhofe zu Dahlem bei Berlin steht der schöne Vers:

Wer hat euch Wandervögeln Die Wissenschaft geschenkt,

Daß ihr durch Land und Meere Nie falsch die Flügel lenkt, Daß ihr die alte Palme

Im Süden wieder wählt,

Daß ihr die alte Linde

Im Norden nicht verfehlt?

Kirchliche Anzeigen. Sonntag, den 18. Juli, 7. nach Trinitatis.

Stadtkirche. Vorm. 8, zugl. Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Matthäus⸗ gemeinde: Pfr. Mahr. 9 Pfr. Becker. 11: Kinderkirche f. d. Markusgemeinde: Pfr. Becker.

Johanneskirche. Vorm. 8, zugl. Christen⸗ lehre für die Neukonfirmierten aus der Lukasgemeinde: Pfr. Bechtolsheimer. , zugl. Militärgottesdienst: Pfr. Aus⸗ feld. Beichte und Feier des hl. Abendmahls für die Lukas⸗ und Johannesgemeinde. 11: Kinderkirche für die Johannesgemeinde: Pfr. Ausfeld.

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Wartburg⸗Verein.

Sonntag, den 18. Juli: Beteiligung und Besuch der Reichsjugendkämpfe der Gießener Turn⸗ und Spielvereinigung. Donners⸗ tag, den 22. Juli, 8 Uhr: Unterhaltungs⸗ abend. 997/ Uhr: Bibelstunde: Pfr. Becker.

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Evang. Arbeiterverein.

Sonntag, 25. Juli, Tagesausflug nach Groß-Rechtenbach usw. mit Ablochen. Füh⸗ rung: Herr Arnold. Alles weitere nächste Nr. Knaben und Mädchen im Alter von 1014 Jahren, die beim Gartenfest bei der Aufführung eines Reig ns mitwirken wollen, müssen sich umgehend beim Vorsitzenden (Schiffenberger Weg 16) melden.

Verantwortlich: Pfarrer Bechtols heimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-⸗Buch⸗ und Steindrucherel R. Lange, Gießen.

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