sah man keine Lumpen und Fetzen. Die Knöpfe an den Jacken der Männer waren riesige silberne Talerstücke. Was diese Zi⸗ geuner im Dorf an Milch, Eiern und an⸗ dern Lebensmitteln erbaten, wurde bar be⸗ zahlt, und nie kam ein Diebstahl vor. Die Bande war wohl diszipliniert, man merkte, es herrschte ein strenges Regiment. Auffallend schöne Erscheinungen sah man
unter der Baronin Gefolge, große stattliche
Gestalten mit rassig geformten Gesichts⸗ zügen. Aber das allerschönste waren die Pferde. Pferde sah man da, daß einem das Herz im Leibe lachte, wohlgepflegte
Tiere mit silberplattiertem Schellengeschirr und langen Mähnen und bis zum Boden reichenden Schwänzen, arabisches Vollblut, das jeden Kenner in Entzücken versetzte.
So zog sie von Frühjahr bis Spätherbst durch die Lande. Im Winter aber lebte sie in ihrer Villa in Paris, wohin das wilde Zigeunerreis durch die Liebe einst ver⸗ pflanzt worden war, doch wirklich festge⸗ wurzelt war es dort nicht. Ein junger Adliger, durch die Schönheit der Zigeunerin entflammt, hatte sie als Gattin heimge⸗ führt. Und sie war dem Liebsten gern ge⸗ folgt und hatte ihre Bande verlassen, ohne zu ahnen, daß der Vogel der Freiheit sich auch in einem goldnen Käfig nicht wohl fühlen kann, sondern sich das Köpfchen blutig
schließlich bekannt wurde, daß die Tochtg der Zigeunerbaronin von einem anden jungen Mädchen der Bande durch Messer⸗
stiche verletzt worden sei und in ihren Blut liege. Kantors Fritz, der gerade i den Ferien daheim war und auf den Me dikus hinstudierte, sei schon zu Hilfe ge eilt, ebenso der Dorfgendarm, um die Uebel täterin festzunehmen.
Wir hatten noch nie etwas von eine Tochter der Zigeunerbaronin gehört, und warteten deshalb gespannt die Rückkehr dez jungen Helfers ab. War es doch auch noch niemand gelungen, einen Blick in das In⸗ nere des Wagens der Führerin der Bande zu werfen. Dieser stand stets in der Mitte des Lagers, wie mit einer Festung von den übrigen umbaut. Dichte Vorhänge und Läden schützten ihn außerdem vor unbe⸗ rufenen Blicken.
Als Fritz zurückkam, wurde er von einer neugierigen Menge umdrängt, die sich aber bald verlief, als er ruhig erklärte, die Sache sei gar nicht so schlimm, es handle sich nur um ein paar Fleischwunden; nur an einem Arm sei eine Ader getroffen worden, das habe den großen Blutverlust verur⸗ sacht, der alle so erschrecken ließ.
Uns hat er die Sache später genauer er⸗ zählt. Er wär entzückt von allem, was er gesehen hatte. Nach seiner Schilderung
stößt an dem festen Gitter. Es mag manch spottete die innere Ausstattung der g. hartes Jahr gewesen sein, das das junge geunerburg in Bezug auf Luxus und Pracht Zigeunerblut an der Seite des Gatten als jeder Beschreibung. Freilich alles über⸗ ehrsame Hausfrau verbrachte, und die laden mit Farben und glitzerndem Metal Wände des prachtvollen Hauses könnten und Gestein. Inmitten dieser Herrlichkei wohl viel erzählen von leidenschaftlichen nun ein Wesen hausend, ätherisch zart, eit Szenen, Zanken, Streiten, Klagen und Ver⸗ Mondscheinprinzeßchen, wie man es mm söhnen. Die schönsten Reisen vermochten in Märchen beschrieben findet: die Tochter, nicht, dem Vöglein die verlorene Freiheit der Zigeunerbaronin. Sechzehn Jahre all zu ersetzen, und als eines Tages der junge und noch halb Kind, war sie seither in Gatte im Zweikampfe fiel und somit das einer Erziehungsanstalt gewesen und jezt Türchen des Käfigs offen stand, da flog dazu verdammt, der Mutter zeitweiligez es aus nach seiner Lust und führte ein Nomadenleben zu teilen. Die blauen Augen, Leben zwischen Freiheit und Gebundensein, das Erbe des Vaters, ängstlich in die Well wie es ihm gefiel. So erzählte man sich schauend und die zarten Glieder bebend im Dorf das Schicksal der Zigeunerbaronin, unter dem dünnen, feinen weißen Gewand, und jedem war es interessant, sie zu sehen das sie sehr gegen den Willen der Mutter
und die Pracht ihres Aufzuges zu be⸗ dem prunkvollen farbenprächtigen National wundern. kostüm vorzieht.(Fortsetzung folgt.)
Wenn die Schneeglöckchen kamen und die Störche wiederkehrten, dann wußten wir jahrelang nicht anders, als jetzt kommen auch bald die Zigeuner, und jeder wartete, a 10 edc db 5 ae 0 N Vor Kollekte für die evang.-kirchl. Frauenvereine, am Waldrande liegen. Das schöne bunte„In der Stadtkirche. Vormittags 95 Uhr: Lagerleben machte uns allen Freude, und Pfarrer Becker.— Vormittags 11 Uhr dies um so mehr, da stets, wie gesagt, Iren für die Markusgemeinde; alles ordnungsgemäß herging und niemals Pfarrer Becker. a„ ein unliebsamer Zwischenfall durch die Bande„n der Johanneskirche. Vorm. Ac Uhr: der Baronin vorkam. Wir erstaunten dar⸗ Pfarrer Ausfeld.— Vormittags 11 Uhr um nicht wenig, als eines Tages— es Kinderkirche für die Johannesgemeinde: war im März, und die Zigeuner hatten Pfarrer Ausfeld. a f a 8 tags zuvor ihren Einzug gehalten— ein Am Sonntag den 25. April beginnen die Tumult am Ende des Dorfes entstand und Frühgottesdienste(vorm. 8 Uhr).
Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 18. April. Misericordias Domini.
R. Lange, Gießen.
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