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Schwerhörigkeit das Lied erkannt hatte. „Aber wie rührend, wie schön er das bläst, gerade wie mein Sel'ger.“ Sie hatte einen Postillion als Liebsten gehabt; er war ihr irgendwie abhanden gekommen. Sie bil⸗ dete sich aber im Laufe der Jahre ein, er sei gestorben und sprach von ihm als von ihrem Sel'gen.
Inzwischen waren die Postsachen abge⸗ geben worden. Der Schwager hatte sich mit einem Schnäpslein gestärkt. Vater, der leutselig ein paar Worte mit ihm gewechselt, empfahl uns noch besondre Vorsicht. Die mannigfachen Gepäckstücke wurden verstaut, zuletzt wir beide noch, von der Babette selber mit Tüchern und Fußsäcken vollständig zu Mumien eingewickelt. Ein letztes Winken, und holterdipolter setzt sich die Kutsche in Bewegung. Fort gings ins Leben hinaus. zum erstenmal los von Mutters Schürz⸗ bändel. Zwei Kiekindiewelt, die sich un⸗ bändig wichtig vorkamen und im Grund genommen doch Herzklopfen hatten vor allem, was da kommen sollte.
Als die Postkutsche langsam ins nächste Dorf hineinrumpelte, da zog schon vor den ersten Häusern eine umgestürzte Reisekalesche unsre Aufmerksamkeit auf sich. Das eine Rad schien gebrochen, und die herrliche Extrapost lag halb im Graben, halb auf der Chaussee und wartete geduldig, daß man ihr aufhülfe. Das schien aber nicht so einfach; denn sie war muttergottesseelen⸗ allein, und Fahrgäste sowohl wie Postillion und Pferde hatten sich davon gemacht.
Mit Hörnerklang fuhren wir beim Gast⸗
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war immer ein bißchen leicht und schnell begeistert. Solch wildfremden Menschen gegenüber hieß es Haltung bewahren, aber interessant fand ich ihn auch.
Sein Aeußeres war sehr honett, obgleich die Kleidung durch das Malheur mit der Kutsche ein bißchen ramponiert war. Der feine graue Kragenmantel wies Spuren der Straße auf, und auch der weiche Kala⸗ breserhut, der ihm einen etwas künstlerischen Anstrich gab, schien die Bekanntschaft des gewöhnlichen Erdenstaubes gemacht zu ha⸗ ben. Das Gesicht war wohlgebildet; zwei feurige dunkle Augen, brünettes Haar und eine fahle Gesichtsfarbe gaben ihm einen etwas fremdländischen Ausdruck. Man hätte ihn für einen Italiener oder Spanier hal⸗ ten können.
Um so enttäuschter waren wir, als er sich als„Bastian Meyer aus Kinzig“ vorstellte. „Schnitt⸗ und Kurzwaren, erstes Geschäft am Orte, aber die Seele lebt nur der Kunst, meine Damen, nur der Kunst.“
Bastian Meyer stieg also zu uns ein, und Lina und ich, obgleich schon etwas abge⸗ kühlt durch das Schnitt⸗ und Kurzwaren⸗
geschäft, waren doch voll hochgespannter Er⸗ wartung, was die Reise zu dreien jetzt bringen werde. Lina, das kokette Ding, fing natürlich sofort an, sich des häßlichen großen Umschlagtuches zu entledigen, damit ihr neuer grüner Damastmantel und die rote Haube besser zur Geltung kämen. Sie behauptete, es sei ihr zu heiß. Auch der Fußsack mußte abgestreift werden, damit man die neuen Safianstiefel nur ja sähe,
haus„Zum Rappen“ vor, und siehe, da die ihr solch kleinen Fuß machten, daß meine fand sich alles, was zu der verunglückten Füße wie Elefantenpratzen daneben aus⸗ Kalesche gehörte. Zwei Gäule taten sich sahen. Der, dem diese Manöver galten, schien gütlich am vorgebundenen Hafersack, ein aber gar keine Notiz davon zu nehmen. Postillion saß schimpfend, aber trotzdem ge⸗ Nachdem er sich hereinkomplimentiert hatte, mütlich kauend vor der Haustüre. Soweit und endlich uns gegenüber saß, kramte er schien sich alles ins Unabänderliche gefunden in seinen Taschen eifrig nach irgend etwas, zu haben und mit einem längern Aufenthalt was er sehr nötig zu haben schien, denn im„Rappen“ ganz zufrieden zu sein. Da sein Gesicht wurde zusehends enttäuschter, wurde mit Heftigkeit die Türe des Gasthofs röter und erregter. Er untersucht die rechte aufgerissen, und heraus stürzte ein junger Tasche, dann die linke; er greift in die Mann, der beim Anblick unsrer Kutsche innere Manteltasche, kurz, er untersucht alle in den hellsten Freudenjubel ausbrach. Er denkbaren Behälter in Mantel, Jackett und beschwor in einem Atemzug unsern Postillion, Hose, dreht und wendet sich und die Taschen ihn doch ja mitzunehmen, und im nächsten und befördert alles Mögliche und Unmög⸗ die beiden jungen Damen mit tausend Kom⸗ liche zu Tag, nur allem Anschein nach nicht
plimenten, die Hand aufs Herz gedrückt, die Störung zu exküsieren.
„Aber Sie werden verstehen, ich bin Auteur des neuen Stückes, man spielt es heute abend, ich will zugegen sein, man
das, was er sucht. Da, bei einer erneuten fast spiralförmigen Drehung des Ober⸗ körpers ein Krach, und schreckensbleich mit dem schmerzlichen Ausruf:„Auch das noch!“ sinkt Bastian Meyer er⸗
wird Beifall klatschen, und nun dieses Un⸗ schöpft auf die fadenscheinigen Polster der glück! Ich müßte hier warten eine, zwei, Postkutsche zurück. Die dicken Schweißtropfen viele Stunden, wenn die verehrten Damen auf der Stirn geben Zeugnis von der ge⸗ nicht Erbarmen haben und mich mit⸗ habten Anstrengung und Alteration. Er nehmen.“ Nun, wir ließen uns erweichen, und wischt sich die Stirn und starrt ganz erschöpft zwar gar nicht ungern. Lina seufzte sogar: in eine Ecke, bis er plötzlich unsern erstaun⸗ „Wie interessant, er schreibt sicher auch ten Gesichtern begegnet, die das unterdrückte Gedichte. Ob ich ihm mein Stammbuch Lachen jedenfalls nicht gerade geistreich er⸗ gebe?“ Aber ich verwies ihr das. Lina scheinen ließ.(Fortsetzung folgt.)


