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Zum frohen Zug die Fahnen sich entfalten
marsch, Wenn alle Hüte sich und Helme schmücken
— 195—
„ geschieht, wäre das Leben wieder viel an⸗
Und heimwärts schlägt der sanfte Friedens⸗ genehmer. a
In letzter Zeit gibt es auch nachts manch⸗ mal Störung; das liegt einem dann den
Mit grünen Maien, dem leßten Raub der ganzen Tag in den Gliedern. Der ganze
der! Der Städte Tore gehen auf von selbst
Zustand wirkt niederdrückend, und ich leide seelisch sehr darunter. Was war das so
Nicht die Petarde braucht sie mehr zu anders in Frankreich! Da gab es größere
rengen.
Märsche, körperlich ja sehr anstrengend, zu⸗
sp Von Menschen sind die Wälle rings erfüllt, mal die Verpflegung mangelhaft war, aber
Von friedlichen, die in die Lüfte grüßen,
doch erfrischend. Dabei traf man auch mit
Hell klingt von allen Türmen das Geläut, anderen Offizieren zusammen, während wir
Des blutgen Tages frohe Vesper schlagend.
hier wochenlang in der Batterie aufeinander
Aus Dörfern und aus Städten wimmelnd angewiesen sind. Wenn es wieder vorwärts
. strömt
Ein jauchzend Volk mit liebend emsiger
Zudringlichkeit des Heeres Fortzug hindernd.
Da schüttelt, froh des noch erlebten Tags,
Dem heimgekehrten h der Greis die Hände.“
O, wäre das Bild Wirklichkeit, denn allzu wahr ist das Wort:
„Es ist der Krieg ein e Hand⸗ werk.“
Aber es ist erfreulich, zu beobachten, wie unsere Soldaten trotz des feindlichen Feuers ihre Umgebung hübsch und heimisch zu ge⸗ stalten suchen. Die Räume in den Unter⸗ kunftshäusern bei der Feuerstellung sind immer rein und ordentlich gehalten, die Wände mit bescheidenem Schmuck aus Weih⸗
nachtspaketen u. dgl. versehen. Auch der
Hof ist sauber und mit kleinen Beeten ver⸗ ziert, auf denen mit bunten Steinen Fi⸗ guren(Eisernes Kreuz u. a.) gelegt und wohl auch einige grüne Pflanzen gesetzt sind.
1. Februar 1915. Die feindliche Ar⸗ tillerie ist recht tätig. Da auch unser Häus⸗
chen schon mehrmals beschossen wurde, ließ
ich hinter der Scheuer einen Unterstand bauen. Heute vormittag wurden wir mit 18 Ztm.⸗Geschossen über eine Stunde lang beschossen und zogen uns in den Unterstand
zurück. Nahe unserem Häuschen wurden ge⸗
waltige Löcher gerissen, aber im Häuschen gingen nur die Fensterscheiben entzwei. Ich habe schon seit mehreren Tagen eine
heftige Halsentzündung, eine Nacht konnte
ich infolge der Schmerzen beim Schlucken gar nicht schlafen.
5. Februar 1915. Dieser Stellungs⸗ kampf ist auf die Dauer fürchterlich. Es wird ganz unregelmäßig gefeuert. Auch der Feind nimmt uns nur zeitweise und vorüber⸗ gehend aufs Korn, oder er schießt vielleicht auch zeitweise unabsichtlich hierher, streut nur das Gelände ab; aber man muß immer darauf gefaßt sein, daß es losgeht. Und das geht auf die Nerven. Auch an den sogenann⸗ ten Ruhetagen hat man infolgedessen keine wirkliche Ruhe, und, da man nicht spazieren gehen kann, drückt man sich den ganzen Tag,
ginge, würde das ja anders, aber wohl auch nur für kurze Zeit, denn bald würde sich wohl in einer neuen Linie ein gleicher Stel⸗ lungskampf entwickeln. In Frankreich sind die Verhältnisse ja schon seit Monaten die⸗ selben. Möchte doch durch unsere in den letz⸗ ten Tagen hinausgekommenen erheblichen Verstärkungen eine entscheidende Wendung des Krieges herbeigeführt werden!
8. Februar 1915. Ich will versuchen, ein Bild der Lage und der Art der derzeiti⸗ gen Gefechtstätigkeit zu entwerfen.
Die Bzura, die weit nördlich unserer
Fluß etwa wie die Nidda, hier vor uns vielleicht 10 Meter breit; sie ist nicht tief und hat starke Strömung, was das Zufrieren erschwert. Sie weist nur wenige Brücken auf und bildet deshalb ein erhebliches Hin⸗ dernis für unser Vorgehen gegen Warschau. Nördlich von uns stehen Truppen bis zur Weichsel, alle in westlicher Richtung, also diesseits der Bzura. Vor unserer Division
griff hier wäre schwierig und verlustreich. Wir beschränken uns darauf, die feindlichen Schützengräben sowie vermutete Beobach⸗ tungsstellen mit leichter und schwerer Ar⸗ tillerie zu beschießen, teils um die Anlage zu zerstören, teils um dem Feind Verluste beizubringen und ihn mürbe und nervös zu machen. Zu diesem Zweck wird nament⸗ lich nachts in unregelmäßigen Zwischen⸗ räumen von der Artillerie hierhin und dort⸗ hin geschossen, aber daher wissen wir, wie unangenehm das ist und wie das auf die Nerven geht. Denn die Häuser, in denen wir wohnen, bieten geringen Schutz. Tagsüber muß ich auf die Gräben, Beob⸗ achtungsstellen, Stände von Maschinen⸗ gewehren schießen. Um nicht zuviel Mu⸗ nition zu verfeuern, schieße ich meist nur mit einem oder zwei Geschützen zu verschie⸗ denen Zeiten, im ganzen im Lauf des Tages höchstens in zwei Stunden 150— 200 Schuß. Nach vier Tagen hat die Batterie immer zwei Tage Ruhe, d. h. sie braucht dann, wenn nicht etwas besonderes los ist, nicht
nun schon drei Wochen, im Zimmer herum. Wenn wir ja wieder in unserer ersten Stel⸗ lung zurückkämen, was vielleicht demnächst
zu feuern. Aber hier in dieser Stellung haben wir nicht viel von diesen Ruhetagen, da wir uns nicht frei bewegen können, um
unsere Stellung nicht zu verraten.
Stellung in die Weichsel mündet, ist ein
ist die Bzura tief eingeschnitten. Ein An⸗


