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waren Badeein richtungen mit der Entlau⸗
tätsordnung für die Lazarette keinen Unter⸗
sungsanstalt verbunden, damit gleichzeitig schied zwischen Freund und Feind; ihre ein gründliches Baden und Abseifen des sämtlichen Bestimmungen werden auf den Körpers vorgenommen werden konnte. Wenn Kriegsgefangenen genau in derselben Weise man bedenkt, welche Wohltat es für die angewendet wie auf den deutschen Soldaten. Gefangenen, die im Felde monatelang nicht Insbesondere werden, oder besser gesagt,
aus den Kleidern gekommen waren, bedeu⸗
wurden alle mit ansteckenden Krankheiten
tete, von ihren kleinen Plagegeistern befreit behafteten oder ansteckungsverdächtigen Ge⸗ zu werden, so kann man verstehen, daß sie fangenen durchaus von den gesunden und
geduldig vor dem„Lausoleum“ warteten, bis sie an die Reihe kamen. Dabei war eine Tagesleistung von 1000 Entlausungen keine Seltenheit, und mancher Russe, aber auch
mancher„farbige“ Franzose und Engländer hat hier in Gießen überhaupt das erste Bad in seinem Leben genommen. Natürlich
mußten diese Desinfektionen in regelmäßigen Zeiträumen wiederholt, Kleider und Betten außerdem häufig gesonnt und durchlüftet werden; daneben waren die Vorkehrungen nicht vergessen, welche es den Gefangenen
ermöglichten, ihre Leibwäsche möglichst oft selbst zu waschen und in Ordnung zu halten. Die Gesunderhaltung der Gefangenen und
die Fürsorge für Kranke unter ihnen stellte aber noch erheblich höhere Anforderungen
an die in den Lagern tätigen Aerzte, meist
Herren des Beurlaubtenstandes oder land⸗
sturmpflichtige Aerzte, vielfach auch solche, die sich freiwillig zur Verfügung stellten. Daneben wurde natürlich auch die Hilfe der
fremden, gefangenen Militärärzte in An⸗ spruch genommen, denen die Gefangenen bezeichnenderweise aber sehr oft weniger Ver⸗ trauen entgegenbrachten, als den„Bar⸗ baren“, trotzdem sie sich natürlich leichter mit ihnen verständigen konnten. Auch das fremde Sanitätspersonal mußte unter deut⸗ scher Aufsicht Dienst an den Landsleuten leisten.—
Nach der Einlieferung und Entlausung mußten Impfungen vorgenommen werden
gegen Cholera, Typhus und Pocken, teilweise
mehrmals wiederholt; bei den Tausenden von Gefangenen eine ebenso gewaltige wie kostspielige Aufgabe, aber unumgänglich not⸗ wendig. Schwerverwundete oder Schwer⸗ kranke mußten ausgeschieden und besonderen Lazaretten überwiesen werden, sofern ihre Behandlung im Kriegsgefangenenlazarett nicht vorgenommen werden konnte. Ein solches war wohl in jedem Lager eingerichtat, das hiesige befand sich in der gerade mit Ausbruch des Krieges fertig gewordenen Kaserne der Maschinengewehr⸗Kompagnie des J.⸗R. 116 und war in den hellen, lufti⸗ gen Räumen gut und zweckmäßig unter⸗ gebracht. In dieses Lazarett kamen auch die im Lager selbst erkrankenden Gefangenen und solche von auswärtigen Arbeitskom⸗ mandos, wenn nicht bei leichteren Fällen die Behandlung in den Revierstuben erfolgen konnte.—„Ganz wie bei uns!“ mag der Leser denken, der Soldat und als solcher in Revier⸗ oder Lazarettbehandlung gewesen ist. Und in der Tat macht die deutsche Sani⸗
sonstwie kranken Insassen des Lagers ge⸗ trennt gehalten. Neue Ankömmlinge mußten
vorsorglicherweise im sog.„Durchgangs⸗
lager“ eine bestimmte Anzahl von Tagen verbleiben, d. h. sie wurden unter genauester Beobachtung auf Seuchenverdacht solange in Quarantäne gehalten, bis jede Gefahr aus⸗ geschlossen war. Erst dann dürften sie in das eigentliche„Stammlager“ eingereiht
werden. Wie außerordentlich vorsichtig man
in dieser Beziehung war— galt es doch, in gleicher Weise Freund und Feind vor un⸗ ermeßlichem Schaden zu bewahren—, be⸗ weist die Tatsache, daß im hiesigen wie in allen gut geleiteten Lagern ein peinlichst ge⸗ sicherter und abgetrennter Block von Ba⸗ racken in vergeschriebener Zahl dauernd leer stehen mußte, um seuchenkranke Gefangene sofort darin isolieren zu können, falls trotz aller menschlichen Vorsichtsmaßregeln doch einmal eine Epidemie ausgebrochen wäre. Natürlich war die ärztliche Behandlung mit allem, was dazu gehört, Röntgenauf⸗ nahmen, Operationen, künstlichen Gliedern, Brillen usw., völlig kostenlos; nur die Kosten für Zahnersatz mußten von den Gefangenen
selbst getragen werden, als die Fälle sich
mehrten, in denen Gefangene, besonders solche auf Arbeitskommandos, durch mut⸗ williges Zerbrechen ihrer künstlichen Gebisse sich arbeitsunfähig zu machen versuchten. Mittellose aber wurden auch in dieser Be⸗ ziehung kostenlos versorgt.
(Fortsetzung folgt.)
Ein Winter an der Bzura.
Aus dem Kriegstagebuch des Hauptmanns d. R. Landgerichtsrat Trümpert in Gießen. (Fortsetzung.)
28. Januar 1915. Wenn ich bedenke, wie ich zu Hause meine Zeit ausnutzen mußte, um mit der Arbeit fertig zu werden, und wie ich nun ohne eigentliche Arbeit hier herumsitze, dann denke ich oft: wie schade um die verlorene Zeit! Ich lese viel. Zur Zeit bin ich in die„Piccolomini“ vertieft die viel auf diesen Krieg passendes enthalten. Wenn Manx sagt:„Denn hört der Krieg im Kriege nicht schon auf, woher soll Friede kommen?“, so meine ich, nach der Lage auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen näher⸗ ten wir uns diesem Zeitpunkt. Dann würde das eintreten, was Max so herrlich sagt
(1. Aufzug, 4. Auftritt): O, schöner Tag, wenn endlich der Soldat Ins Leben heimkehrt, in die Menschlichkeit,
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