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zur Beichte, und am 11. t. einsdem zum Genuß des Heil. 1 gelassen wurde. Gießen, am 11. t. Mertz, 1770. a Johann Christian Dietz, Definitor, und älterer Stadtpfarrer zu Gießen.“ Wie man in alter Zeit in Gießen Juden⸗ taufen, über die wir früher schon berichtet haben, gern zu einer Haupt⸗ und Stgats⸗ aktion gemacht hat, bei der die hessischen Fürsten und der ganze Adel Paten waren, so geschah dies nach dem vorliegenden Be⸗ richte auch mit der aus ihrem Kloster ent⸗ wichenen, ehemaligen Nonne. Der Pfarrer, der den Unterricht erteilt hatte, wurde zu
dieser Konfirmation nicht würdig erachtet, diese konnte, damit sie das nötige Gewicht bekam, nur von„Ihro Hochwürden“ Herrn D. Benner vorgenommen
Superintendenten werden.
Urgroßtantens Raritätenschrank. Von Helma Esselborn. (Fortsetzung.)
Für meine Eltern folgten 1 Wochen. Mein Vater hatte einen Messerstich in die Lunge davongetragen und lag lange ohne Bewußtsein. Treu pflegte ihn meine Mut⸗ ter, und ihrer Liebe gelang es, ihn durch' all die schweren Fieberstunden hindurchzu⸗ führen bis zur Genesung. Als nach langen Wochen die Hochzeit war, da trug der junge bleiche Mann den Arm noch in der Binde, und sein treues Weibchen mußte ihn führen,
aber strahlenden Auges kamen die beiden
die sich durch die gemeinsame Not und Sorge jetzt doppelt verbunden fühlten, aus der Kirche. Das ganze Dorf nahm an ihrem Ehrentage teil, so daß es dem Halbpatienten fast des Guten zuviel wurde 115 5 junge Frau schließlich die Türe
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Wie erstaunten aber die Eheleutchen, als
Leutchen,
es spät am Abend nochmals schellte und
ein Bote vom Fürsten kam und ein an⸗ sehnliches Paket abgab. Aber die beiden trauten kaum ihren Augen, als der Inhalt sich als ein wundervolles Kaffeeservice ent⸗ puppte. Jede Tasse und jedes Stück war mit Jagdmalereien in den schönsten Farben verziert, dazu ein Schreiben des hohen Herrn, worin er den jungen Beamten ob seines tapfern Verhaltens belobte und den Eheleutchen Glück und Segen wünschte. Das war eine große Freude, und fortan war das Jagdservice der Stolz der Hausfrau und wurde in Ehren gehalten wie das kostbarste Stück im ganzen Haus, und das war es auch, und dies hier ist die Kaffee⸗ kanne davon.
Mit diesen Worten schloß Tante Luise ihre Erzählung. Sachen,
„Und die andern Tante, die
Tassen, die Zuckerdose, sind die kaput ge⸗
gangen?“ fragte ich harmlos.
„Kaput gegangen,“ echote der kleine Karl verständnisvoll.
Da fuhr aber die Tante aul uns los. „Kaput gegangen! So etwas und kaput gegangen Was denkt ihr denn, ihr Kinder⸗ gezeug? Bei euch muß alles kaput gehen. Nein, nach unsrer seligen Eltern Tod, da haben wir sie verlost. Wir waren elf Kin⸗ der, jeder hat etwas gekriegt, freilich der eine oft nur Obertassen und der andre Untertassen, aber ich, ich habe die Kaffee⸗ kanne gezogen, und das war das Beste, und jetzt trinken wir Kaffee daraus!“
Damit hob Tante Luise, des Wartens auf die säumigen Gäste müde, den Kaffeewärmer auf und schenkte uns den braunen Trank ein. Nachdenklich 1 0 ich mein erstes Stück Kuchen in die Tasse„aus Liebe“. Irgend etwas am Schluß der Geschichte stimmte mir nicht; die Kaffeekanne sah mich plötzlich so verweist an.
Zehn Jahre später kam sie durch meine Hand als Geschenk dahin, wo noch die Reste des alten Jagdservices lebten.
8. Die Zigeunerbaronin. „Tante Luise, gelt du rauchst als?“ fragt Karlchen und deutet auf die schöne silber⸗ beschlagene e die rechts unten
im Glasschrank liegt.
„Willst du wohl still sein, du Malefiz⸗ bub,“ ruft die Großtante ganz entsetzt,„ein ehrsames Weibsbild raucht nicht. Das hat nur die Zigeunerbaronin getan, von der stammt auch die Tabakspfeife da unten. So was hab ich auch mein Lebtag nicht wiedergesehen, aber prächtig war es doch anzuschauen, wenn sie auf ihrem Wagen thronte und wie ein Mannsbild die Rauch⸗ wolken vor sich her blies.“
„Ja, war denn das eine wirkliche Ba⸗ ronin, Tante, oder habt ihr sie nur so ge⸗ nannt? 7925
„Ja, Kinder, das war eine merkwürdige Geschichte, und ich hab sie so ganz richtig selbst nie begriffen. Was ich davon weiß, das will ich euch erzählen, ob ihrs freilich schon versteht, das ist eine andre Sache.“
(Fortsetzung folgt.)
vom Sehen.
Wie herzbewegend ist mir doch stets die Bitte jenes Blinden gewesen, der, am Wege vor Jericho sitzend, erfuhr, daß Jesus vor⸗ überkäme, und der dem Heiland auf dessen Frage entgegenruft: Herr, daß ich sehen möge!
Als ich kürzlich im Lukasevangelium diese Stelle wieder las, wurde es mir überzeugend klar, daß wir alle in gleichem Falle sind wie jener Blinde; in uns allen ist die Sehnsucht mächtig, die Wahrheit zu er⸗ kennen, klar unsern Weg zu sehen, da wir wie Blinde ihn nicht finden können, den Weg aus dem Dunkel, das uns umgibt, heraus


