Ausgabe 
10.10.1920
 
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den Platten zugedeckt war. Solche Flut⸗ gräben durchschnitten gleich einem Netz früher alle Stadtteile, in ihnen wurde das

infolge von Ueberschwemmung in die Stadt eingedrungene Lahnwasser gesammelt und wieder abgeführt. Jedenfalls ist ein der⸗

artiger Graben damals übermauert worden.)

Am 9. Juli kam die Frucht von Mainz, welche von dem hiesigen Kreisrath angekauft worden war, weil sie hier nicht zu be⸗ kommen war; denn das Pfund Brot kostete 5 Kreuzer, die Mest Kartoffeln 36 Kr. Am 10., Juli wurden 80 Malter Frucht im

Spital gegen Lieferung von Brod ver⸗

steigert, den 14. Juli wurde das Brod im Spital, der 4pfündige Laib zu 14 Kreuzern verkauft. Den 30. Juli wurde durch die Schelle bekannt gemacht, daß das Brod von außen herein gebracht werden durfte.

(In diesen Maßnahmen sehen wir Vor⸗ kehrungen gegen die damals herrschende Brotnot. Um wieviel mehr ist das Eingreifen der Behörden in die Nahrungsmittelver⸗ sorgung in unseren Tagen nötig geworden.)

Am 17. Juli wurde in dem Brunnen im Hause des Schneiders Schmitt ein 7 Monate altes Kind gefunden und denselben Abend dessen Tochter ins Bezirksgefängnis gebracht worden, wurde aber am 14. August wieder entlassen.

5 Am 28. August haben die hiesigen Metz⸗

Grundlage die Bibel ist. Die Neuapostoli⸗ schen aber sagen, daß sie nicht an die Bibel gebunden seien, sie wollen die Stimme Gottes vielmehr in ihrenAposteln finden. Damit stehen sie auf einer Stufe mit den Schwarmgeistern, die sich während Luthers Aufenthalt auf der Wartburg in Wittenberg breit machten und deren Unwert der Refor⸗ mator dann so aufdeckte, daß sie bald von der Bildfläche verschwanden. Der Haupt⸗ irrtum der Neuapostolischen ist der, daß sie behaupten, daß Jesus in ihrenAposteln also in dem Bahnmeister Krebs und in dem Landwirt Niemeyer, gegenwärtig sei. Das ist nicht nur ein Irrtum, sondern eine un⸗ geheure Torheit, die man einem zurech⸗ nungsfähigen Menschen nicht eigentlich zu⸗ trauen sollte, eine Torheit, die sich nur solche zu eigen machen können, die mit ihrem schwarmgeistigen Wesen schon hart an die Grenze eines Zustandes gekommen sind, über den nur der Irrenarzt ein Urteil geben kann. Ein Lied, das in dem Gesang⸗ buche der Neuapostolischen steht, verbreitet diesen Irrwahn. In ihm heißt es: Andere suchen in den Lüften

Ihn, der immer bei uns ist,

Nicht in Gräbern, nicht in Grüften

Ist der Heiland Jesus Christ. Hier im Fleische, im Apostel,

ger ihre Patente auf dem Rathaus ab⸗ Zeigt sich Gott dem Kindersinn.

gegeben mit der Erklärung, den 1. Sep⸗ tember ihre Gewerbe niederzulegen, welches auch geschehen ist und keiner mehr ge⸗

O mein Apostel birgt mich gut,

Ein starker Fels im wilden Sturm.

Fest steht er, braust auch hoch die Flut,

schlachtet hat. Am 7. September wurde das Ein starker Fels im wilden Sturm.

erste Fleisch im Zeughaus verkauft und

am 8. das erste Vieh in der alten Güter⸗ waag, als Schlachthaus benutzt, geschlachtet,

und am 9. verkaufte der Georg Loni das

erste Hammelfleisch. Am 19. October haben

die Metzger wieder geschlachtet, jedoch muß⸗ ten sie erklären, was sie schlachten wolten Ochsen, Kühe oder Schweine. 3

(Das alte Schlachthaus stand in dem sehr engen Schulgäßchen, Ecke Wagengasse. Augenscheinlich waren die Metzger damals mit den von der Behörde festgesetzten Fleischpreisen unzufrieden; die hohen Preise waren eine Folge der Trockenheit und Futternot des Sommers 1843, der mithin große Aehnlichkeit mit dem Sommer 1893 hatte.)(Fortsetzung folgt.)

Noch einmal die Neuapostolischen.

Zu unserem in Nr. 33 desSonntags⸗ grußes enthaltenen ArtikelWarnung vor einer Sekte sei heute noch einiges nach⸗ getragen. 5 8

Zunächst sei darauf hingewiesen, daß die Neuapostolischen, die sich zur Zeit Mühe geben, Glieder unserer Gemeinde zur Un⸗ treue gegen ihre Kirche zu verleiten, kaum noch Anspruch darauf haben, eine christliche

meinschaft zu sein. Christlich ist eine Ge⸗ meinschaft nur dann, wenn ihre religiöse

Ja, Jesus in der Sendung will ich traun, Er ist mein Fels, er ist mein Fels, er ist mein Fels. Ja, Jesus in der Sendung will ich traun. Er ist mein Fels, ein starker Fels im wilden

Sturm. O lieber Fels, Apostel mein, Ein starker Fels im wilden Sturm, Ich flieh zu dir, du birgst mich fein, Du starker Fels im wilden Sturm.

An dieser Probe neuapostolischer Poesie und Menschenvergötterung werden unsere Leser genug haben. l

Ein weiteres Merkmal dieser sonderbaren Menschen ist der fanatische Haß, den sie der evangelischen Kirche entgegenbringen, der Kirche, der ihre Vorfahren in unwandelbarer Treue, der sie selbst früher angehört haben und deren Segensspuren sie erkennen müß⸗ ten, wenn sie nicht ganz verblendet wären. Von diesem Hasse zeugt eine kleine Schrift, die ein gewisser Ernst Wächter der Name scheint ein Pseudonym zu sein zusammen⸗ gestellt hat und die imNeuapostolischen Verlage erschienen ist. Ein anonymer Ab⸗ sender hat diese Schrift dem Herausgeber des Sonntagsgrußes, nachdem der erwähnte Artikel erschienen war, mit einer unfreund⸗ lichen Widmung zugehen lassen. In dieser Schrift werden auf ganzen 34 Seiten un⸗