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als Oberleutnant bei der Etappe ist und der mir eine Fahrgelegenheit verschaffte. Der Etappenkommandeur Oberst v. R. nimmt mich und einen anderen Offizier in seinem Auto mit. Der mitfahrende Kamerad hat eine schmerzhafte Beinverletzung, und jeder Stoß des Wagens verursacht ihm heftige Schmerzen. Aber ihn beherrscht der eine Gedanke:„nur weiter, nur in die Heimat“ und läßt ihn alles geduldig ertragen. Die alte steile Römerstraße arbeitet sich das Auto hinauf, auf der Höhe angekommen, geht es dann in flotter Fahrt bis kurz vor Vouziers, dann rechts ab über Tannay, Chemery nach Sedan, wo ich um 2 Uhr nahe dem Bahnhof abgesetzt werde. Aber da gibt es ein neues Hindernis. Es verkehren von hier noch keine Züge; nur von einem 5 Stunden entfernten Bahnhof kann man fahren. Doch so weit kann ich unmöglich gehen, Fahrgelegenheit dahin gibt es aber nicht. Ein bayerischer Bahnbeamter, der mit einer Leermaschine nach Montmédy zurück- fährt, erklärt sich bereit, mich mitzunehmen. Zu beobachten, wie es hinter den kämpfen⸗ den Truppen aussieht, die endlosen Kolon⸗ nen, die vor- und zurückfahren, die Land⸗ sturmleute, die die Etappenstraßen und Bahnanlagen bewachen, die Verwundeten, die in kleinen Trupps rückwärts streben, war mir neu und interessant.

(Schluß folgt.)

heftiger ward. Kürassiere, die hier lagen, ritten noch ruhig ihre Pferde zur Schwemme, bei uns wurde jetzt ausgeschritten.

In Corny sahen wir die ersten Verwun⸗ deten, hauptsächlich Preußen, darunter auch rote Zietenhusaren. Als wir an der Brücke angelangt waren, legten wir die Tornister dicht links an ihr ab. Ich ließ mein kleines Umhängetäschchen, das ich trug, auch dort. Der Revolver wurde in die Tasche gesteckt, Regenmantel und Feldflasche blieben um⸗ gehängt. Die Mäntel mit Kochgeschirren wurden gleichermaßen von den Mannschaf⸗ ten umgehangen. Ein Korporal der Kom⸗ pagnie blieb bei den Tornistern zurück.

Unterdessen ging eine Eskadron Reiter über die Brücke. Das erste Infanterie⸗Regi⸗ ment hatte sie bereits überschritten und legte die Tornister auf dem linken Mosel⸗ ufer, rechts von der Brücke, ab. Jetzt gingen auch wir im Eilschritt über die schwan⸗ kende Hängebrücke. Die nunmehr immer zahlreicher zurückströmenden Verwundeten verbreiteten die widersprechendsten Ge⸗ rüchte, bald, es stehe sehr gut, bald das Gegenteil. Mehr im Laufschritt als im Marsch ging es immer dem Kanonendonner zu. Bald sah man die Wölkchen der Gra⸗ naten über dem Walde aufsteigen. Bei No⸗ véant standen etwa 500 gefangene Fran⸗ zosen, für uns ein erfreulicher Anblick. Als wir eben von der Straße nach Gorze rechts

abgebogen waren, mußten wir den Straßen⸗

mit den 116ern bei Gravelotte. Von Berthold Ebel.“

Bearbeitet und herausgegeben von Dr. Karl Esselborn.

Nach einem sehr beschwerlichen fünfstün⸗

digen Nachtmarsche hatten wir am 15. August

1870 um 11 Uhr nachts das von der großen

Straße abliegende Orny erreicht. Die im Schlafe liegenden Bewohner dieses Dorfes öffneten uns erst, nachdem ihnen Fenster und Türen eingeschlagen worden waren. Wir fanden nur eine jämmerliche Unter⸗ kunft und mußten uns teilweise sogar mit Heuböden begnügen. Bei der großen Er⸗ müdung nahmen wir aber gern damit vor⸗ lieb.

Am andern Morgen verkündete die auf⸗ gehende Sonne schönes Wetter für den be⸗ ginnenden Tag. Wir tranken frühzeitig Kaffee in einem Zimmer bei Oberleutnant Kißner und spielten später in einem Garten, wodurch wir unsere Barschaft erleichterten. Dann wurde abgekocht. Kaum war aber die Suppe fertig, als Alarm ertönte. Die Fleisch⸗ brühe wurde noch im Stehen getrunken und um 11½ Uhr abgerückt. In der Nähe des Ortes Fey setzten wir die Gewehre zur Rast zusammen und sendeten Kommandos zum Fassen von Rotwein ab. Plötzlich kam Be⸗ sehl zum Weitermarsch, und bald ward dumpfer Kanonendonner hörbar, der, je näher wir Corny an der Mosel kamen, desto

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erklommen hatten, ging es, Gorze zur

damm räumen, um zwei Batterien unserer Artillerie im stärksten Trabe an uns vorbei⸗ ziehen zu lassen.

Nachdem wir einen sehr steilen Abhang inken liegen lassend, nun wieder in einer Allee in gerader Richtung weiter. Wir vernahmen ein sehr heftiges Mitrailleusenfeuer, mit dessen Rasseln wir bis jetzt unbekannt waren. Die Mannschaften zeigten trotz des beschwer⸗ lichen Marsches einen außerordentlichen

Eifer, der durch aufmunternde Worte, wie

„das Heil des Tages hinge von unserem rechtzeitigen Eingreifen ab“, angefeuert wurde.

Es wurde nunmehr wieder in den Wald rechts abgebogen und bald in Reihen, bald zu Einem, weiter ausgeschritten. Einzelne Verwundete und Gefangene kamen uns noch immer entgegen. Von dem Getöse des Kampfes schienen wir uns immer mehr zu entfernen, bis endlich das Feuer wieder

deutlich hörbar wurde. Einzelne Chassepot⸗

geschosse knickten durch die Zweige. Ein Mann des Zuges stürzte plötzlich, wie vom Schlage gerührt, zusammen. Als wir ihn aufhoben, sahen wir, daß er durch den Kopf geschossen war.(Fortsetzung folgt.)

*) Karl Theodor Berthold Ebel, geboren am 26. Dezember 1850 als Sohn des Landrichters Moritz Ebel zu Butzbgch, trat, nachdem er das Gießener Gymnasium mit