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sicht auf die Bedürfnisse der Industrie auch nur in beschränktem Umfange. Da Stahl⸗ glocken ihres größeren Gewichtes wegen für viele Türme nicht zu verwenden sind, so werden viele Kirchengemeinden auf lange Zeit hinaus auf den Besitz von Glocken ver⸗ zichten müssen.— 5 Diese Notiz, die wir den„Nachrichten des Evangelischen Preßverbandes für Deutschland“ entnehmen, gibt sehr zu den⸗ ken. Unter allen Maßnahmen, die man im Verlaufe der letzten fünf Jahre auf dem Gebiete der Kriegswirtschaft getroffen hat, hat keine so viel Befremden und so bitteres Leid erregt als die Beschlagnahme der Kir⸗ chenglocken. Unsere Feinde mußten doch gewiß aus dieser Maßnahme entnehmen, daß Deutschland vor seinem Zusammen⸗ bruche stehe. Die Behauptung, die allerhand Schwätzer in Versammlungen und auch in den Parlamenten aufgestellt haben, daß es eine würdige Aufgabe der Kirchenglocken sei, den Feind mit Kanonendonner zu grüßen, hat kein vernünftiger Mensch ernst genommen. Der Klang unserer Glocken war unserem Volke etwas so Liebes, Vertrautes und Altgewohntes, daß es ihm in das Herz schnitt, als man ihm seine Glocken nahm. Auch die, die nicht zur Kirche gehen, haben dieses Bedauern geteilt. Indem man uns den Glockenklang nahm, hat man uns einen Gemütswert von großer Bedeutung genom⸗ men. Daß so viele Glocken von den Türmen heruntergeholt, aber gar nicht zur Muni⸗ tionsherstellung verwendet wurden und nun in die Hände von Schiebern gelangt sind, ist empörend. Die beiden Glocken, die wir aus unseren Gießener Kirchen hergaben, lagerten lange Zeit im Frankfurter Osthafen. Wohin sie von da gekommen sind, wissen wir nicht. .
Der„Vorwärts“ stellt in einer in Nr. 457 vom 7. September enthaltenen Zuschrift fest, daß auch in den Berliner Klassen, wo sozialistische Lehrer und Lehrerinnen unter⸗ richten, die Zahl der von dem Religions⸗ unterrichte befreiten Kinder sehr gering ist. Die Mütter würden gewöhnlich fragen: Wird mein Kind denn auch vom Pastor (Pfarrer) eingesegnet(konfirmiert)? Die schöne Einsegnungsfeier(Konfirmations⸗ feier) mit allem Drum und Dran möchten sie nicht missen. In einer Berliner Schul⸗ klasse, in der ein Lehrer unterrichtet, der zu den Unabhängigen Sozialisten gehört und zu der Kinder gehören, deren Eltern in der Mehrzahl sich zu der gleichen Partei hal⸗ ten, seien nur vier Kinder vom Religions⸗ unterrichte befreit.— Diese Notiz beweist, wie die Religion doch noch in unserem Volke festgewurzelt ist und wie auch in der Stadt Berlin, aus der im vorigen Winter der Sturmlauf gegen die christliche Kirche seinen Anfang nahm, die Menschen doch noch fest an den Gemütswerten hängen, die man ihnen in ihrer Jugend übermittelt hat.
Es braucht uns um den Fortbestand des
christlichen Glaubenslebens in unserem
Vaterlande wirklich nicht bange zu sein. K
Das Weihnachtsevangelium beginnt be⸗ kanntlich mit den Worten:„Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot vom Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die aller⸗ erste und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war. Und jedermann ging, daß er sich schätzen ließ, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auch auf Joseph aus Galiläa aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum daß er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf daß er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe.“ Diese Stelle, so bekannt und vertraut sie uns auch ist, macht uns doch einige Schwierigkeit, wir verstehen sie nicht recht. Warum mußten Joseph und Maria nach Bethlehem gehen, um ihre Steuererklärung abzugeben, das hätten sie doch an ihrem Wohnorte machen können. Der Gießener Jurist Universitätsprofessor Dr. Otto Eger gibt uns in seiner soeben erschienenen Schrift„Rechtsgeschichtliches zum Neuen Testament“ hierfür die Erklä⸗ rung. Urkunden aus Aegypten bekunden, daß dort unter römischer Herrschaft ein Pro⸗ vinzialzensus(Veranlagung zur Steuer) ein⸗ gerichtet wurde, der in einem vierzehn⸗ jährigen Zyklus stattfand. Vor Abhaltung des Zensus erging dort von dem Statthalter die Aufforderung, daß sich jeder in seine Heimat begeben sollte, um dort seine Steuererklärung abzugeben. Dabei war aber nicht nur eine schriftliche Erklärung einzu⸗ reichen, sondern die ganze Bevölkerung mußte sich persönlich stellen, und zwar zur Aufnahme ihres Signalements. Das war der Grund, warum das junge Ehepaar den weiten Weg von Nazareth nach Bethlehem machen mußte.
Kirchliche Anzeigen. Sonntag, 28. September, 15. n. Trinitatis. Kollekte für die evangelischen Gemeinden
in Oesterreich.
In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Markusgemeinde: Pfarrassistent Schaefer.— Vormittags 9 Uhr: Divi⸗ sionspfarrer Tiesmeyer.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäus⸗ gemeinde: Pfarrassistent Schaefer.
In der Johanneskirche. Vormittags 8 Uhr, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmier⸗ ten aus der Johannesgemeinde: Pfarrer Ausfeld.— Vormittags 9½ Uhr: Pfarxer Bechtolsheimer.— Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer.— Abends 8 Uhr: Bibel⸗ besprechung im Johannessaal.
Verantwortlich: Pfarrer Bechtolsheimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts⸗Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange, Gießen.
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