Ausgabe 
27.4.1919
 
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die Namen der zu Prüfenden und der Trup⸗

penteil unbekannt blieb. Das Ergebnis war

dasselbe wie früher.

Nun wird vielleicht gefragt werden: In⸗ wiefern ist das Selbstgefühl des Offiziers berechtigt? Schon bei den alten Germanen nahm der Kriegerstand eine besonders ge⸗ achtete Stellung ein. Er setzt mit das höchste, was der Mensch hat, sein Leben, berufs⸗ mäßig für das Vaterland ein. Wie sehr dies geschehen, dafür nur zwei Belege. Am

18. August 1870 waren die Gesamtverluste

beim Regiment 116 18 v. H. von Offizieren aber 36 v. H., und unter diesen von Batail⸗

lonskommandeuren und Kompagnieführern sogar 50 v. H. Im Weltkriege betrugen die

Verluste an Toten 19 v. H., an Offizieren 39 v. H., von den als aktive Offiziere Aus⸗

gerückten 55 v. H. Unverwundet sind von letzteren geblieben 5,3 v. H., von allen Offi⸗

zieren 10 v. H. Man sieht also, daß der Offizier, vor allem aber der aktive Offizier, sein Leben nicht schonte. Das verdient An⸗ erkennung. Die pekuniäre Stellung des Offiziers war keineswegs eine günstige. Uniformen, Aus⸗ rüstung, Pferde erforderten große Ausgaben.

So war der Offizier, der kein Privatvermö⸗

gen hatte, schlecht daran. Er mußte sich im wahren Sinne des Wortesdurchhungern. Er konnte froh sein, wenn es abends für ein Stück Wurst zum Brot reichte. Mißgunst ist also nicht am Platz.

Das Mißtrauen beruhte auf der Furcht

der jetzigen Gewalthaber, das Heer und

besonders der Offizier könne die Monarchie gewaltsam wiederherstellen wollen. Durch⸗

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aus falsch! Der Kaiser hat den Offizier von seinem Eid entbunden, das Heer hat sich

der jetzigen Regierung völlig ungeordnet. Es ist zum Gehorsam erzogen. Als Prinz Max von Baden, nachdem er die Lüge von

der Abdankung des Kaisers bekanntgegeben

hatte, befahl, daß zur Unterdrückung der Revolution kein Blut fließen dürfe, wurde diefer Befehl allgemein befolgt und so erst die Revolution ermöglicht. Auf die Ehren⸗

haftigkeit der Offiziere kann sich die jetzige

Regierung unbedingt verlassen. Leider tat sie

es erst, als die Spartakisten sie selbst be⸗ drohten. Nun setzten die Offiziere wieder

ihr Leben für die neue Regierung ein, ob⸗ gleich diese die Offiziere bis dahin in keiner Weise vor Beleidigungen geschützt, vielmehr zurückgesetzt hatte.

Nun muß der Verfasser über sich selbst und seine Zeit berichten. Ich bin am 26. De⸗

zember 1849 als jüngster Sohn des Krimi⸗

nalrichters Klingelhöffer in dem 1750 er⸗ bauten, früheren landgräflich hessischen Be⸗ amtenhausen) am Asterweg in Gießen ge⸗ boren. Die Vorfahren, im 17. Jahrhundert

) Vergleiche betreffs dieses Beamten⸗ hauses meines Vaters und Großvaters Sonntagsgruß 1919, Seite 5052.

noch Landwirte, waren abwechselnd Pfarrer und Amtmänner im nördlichen Oberhessen Mit warmer Liebe erinnere ich mich noch meines Großvaters, des Kirchenrats. Wie vortrefflich schmeckte der große Gießener Zwieback, der, nach Eintauchen in den starf gesüßten Nachmittagskaffee, dem Enkel in den Mund geschoben wurde. ö

(Fortsetzung folgt.)

der schweigende Jesus.

Der schweigende Jesus ist die Ueber⸗ schrift eines Aufsatzes im Sonntagsgruß Nr. 13 vom 30. März 1919, in dem der Verfasser gegen die Protestversammlungen, die in unserem deutschen Vaterlande in Er⸗ manglung von etwas Besserem jetzt so ot abgehalten werden, unter Berufung auf Matthäus 26, Vers 62 und 63 Stellung nimmt. Zum Schlusse erwähnt Verfasser gerade unsere Kriegsgefangenen, um deren Ergehen Millionen Männer und Frauen in der Heimat bangen. Er fragt nach dem Nutzen, den die Protestversammlungen gerade für sie gehabt haben. Bevor ich auf diese Frage antworte, möchte ich, ob⸗ wohl ich kein Theologe bin, meinen Zweifel nicht unterdrücken, ob wirklich die ange⸗ führte Bibelstelle auf unsere Protestver⸗ sammlungen zugunsten der Gefangenen herangezogen werden darf. Jesus schweigt auf Angriffe, die gegen ihn selbst gerichtet sind; wir reden aber nicht für uns, sondern für andere. die nicht reden können, die stumm ihr Schicksal ertragen müssen. Ich habe die Evangelien durchblättert, aber keine Stelle gefunden, in der Jesus nicht für an⸗ dere eingetreten ist. Jesus hat stets die Par⸗ tei der Schwachen ergriffen und hat, wenn andere angegriffen wurden, nicht geschwiegen. Ich erinnere an Matth. 9, 10 ff., 12, I ff., Mark. 10, 13 und 14, Joh. 8, I ff., 10, ff Ich glaube daher, daß wir nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht haben, für unsere Gefangenen laut und deutlich einzu⸗ treten.

Ich komme nun zur Beantwortung der Frage, welchen Nutzen die Versammlungen den Kriegsgefangenen gebracht haben. Zwei⸗ fellos wäre der schönste Erfolg gewesen, wenn die Entente erklärt hätte, sie würde auf die Versammlungen hin unsere Gefange⸗ nen herausgeben. Diesen Erfolg hatte aber wohl niemand erwartet. Durch die Ver⸗ sammlungen ist aber erreicht worden, daß der Volksbund zum Schutze der deutschen Kriegs⸗ und Zivilgefangenen zu einer Mach geworden ist, an der unsere Regierung nich vorübergehen kann. Reichsminister Erzber⸗ ger hat auf einer Versammlung der Lign für den Völkerbund erklärt:Jedenfalls i die Rückgabe unserer Kriegsgefangenen für uns eine conditio sine qua non der Irie densverhandlungen. Eine solche Erklärung konnte ein Minister nur abgeben und dit

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