Ausgabe 
27.4.1919
 
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Ausführung ist nur dann möglich, wenn die Regierung weiß, daß viele Millionen ihres Volkes hinter ihr stehen, und das sollten die Versammlungen dartun.

Aber auch noch einen anderen Zweck ver⸗ folgten die Versammlungen; sie wollten den Blick des neutralen Auslandes auf das

völkerrechtswidrige Verhalten der Entente lenken; das ist gelungen. Sogar das feind⸗

liche Ausland horcht auf die Tätigkeit des

Volksbundes, und Foch soll erst kürzlich ge⸗ d sagt haben, daß der französischen Regierung die Arbeit des Volksbundes sehr unangenehm sei. Auch der Sozialistenkongreß in Bern ist warm für die Befreiung der Gefangenen ein⸗ D

getreten.

Endlich sollte durch die Versammlungen erreicht werden, daß unsere Brüder in Fein⸗

desland nun endlich einmal gewahr werden, daß das deutsche Volk an sie denkt. Wer, wie ich, die ersten drei Jahre in Gefangen⸗ schaft war, der weiß, wie hart es ist, wenn weder die eigene Regierung noch das eigene Volk ein Fünkchen Liebe und Anerkennung für die Gefangenen übrig hat. In den Mit⸗ teilungen, die der Volksbund herausgibt. kann man in jeder Nummer Briefe aus Ge⸗

fangenenlagern lesen, die dankbar die Tätig⸗

keit des Volksbundes anerkennen.

Wer trotz meiner Ausführungen von der

Pflicht zur Abhaltung von Protestversamm⸗ ungen zugunsten unserer Gefangenen nicht überzeugt ist, den bitte ich, im stillen ffür

unsere Gefangenen einzutreten. Anfang Mai

hat er die beste Gelegenheit dazu, es wird eine Opferwoche für unsere Gefangenen ab⸗ gehalten werden; die eingehenden Beträge

sollen teils für Unterstützungen unserer Ge⸗ fangenen in Feindesland, teils für die Be⸗

reitung eines würdigen Empfanges unserer Heimkehrenden verwendet werden. Bei der Gelegenheit kann jeder, der für unsere Ge⸗ fangenen ein Herz hat, mitwirken.

Dr. M. H. Göring.

Ten vorstehenden Ausführungen, ge⸗ währe ich um so lieber Aufnahme, als sie von einem Herrn herrühren, der selber in Gefangenschasc oeweilt hat und deshalb ein Recht hat, in Sachen der Gefangenenfür⸗ 85 mitzureden. Meine Bemerkung, daß

die Protestversammlungen seither nichts zur

Erleichterung des Loses unserer Krieas⸗

gefangenen herbeigeführt hätten, hatte ich

zunächst unter der miederdrückenden Ein⸗ wirkung der Nachricht niedergeschrieben, daß die Engländer in neuester Zeit 60 000 Deutsche aus England nach Nordfrankreich zu Wiederherstellungsarbeiten gebracht hätten. Sodann bestimmte mich zu dieser Bemerkung die Aeußerung einer Mutter, ren Sohn kriegsgefangen ist und die mir sagte, sie habe einer Versammlung zum Proteste gegen die Behandlung unserer

Kriegsgefangenen beigewohnt und sei auf

Grund dessen, das sie dort gehört habe,

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mit viel schwererem Herzen weggegangen, als f sie gekommen sei. Ich darf hier daran erinnern, daß ich in unserem Gemeinde⸗ blatte(1915, Nr. 2) schon zu einer Zeit, in der man in Deutschland eigentlich noch nicht davon reden durfte, daß wir Gefangene verloren hatten, der Gefangenen in einem besonderen Artikel gedacht habe.

Mit Herrn Dr. Göring bin ich der An⸗ sicht, daß unser Volk dazu angeleitet wer⸗ den muß, sich seiner gefangenen Lands⸗ leute mit Liebe anzunehmen. Wenn unsere Gefangenen heimkommen, so werden sie vergrämt und tief niedergeschlagen sein. Dann gilt es, sie so schnell als möglich in ihre Heimat, zu den Ihren und an die ge⸗ wohnte Arbeit zu bringen, damit der Druck von ihrem Gemütsleben weicht. Schon der Aufenthalt in der Quarantäne mit seinen Freiheitsbeschränkungen wird den Heim⸗ gekehrten sehr lästig sein.

Was ich sonst über die Protestversamm⸗ lungen dieser Tage gesagt habe, halte ich auf⸗ recht. Daß ich mit meinem Urteil nicht allein stehe, beweist die Zuschrift eines bekannten

hessischen Geschichtsf forschers, die den Wort⸗ laut hat:Was Sie über die ewigen Pro teste, die in ihrer Häufung wirkungslos, ja fast lächerlich werden, schreiben, war mir aus der Seele gesprochen.

Bechtolsheimer.

Johann henrich Schaffstädts Gießener Thronik 1776 1825.

(Fortsetzung.)

Den 23. Januar sind unsere Soltaten alle ein berufen worden wegen einer großen bande Reuber welche sich in unsere gegent auf hielten, die den berüchtig Schinder han⸗ nes zum anführer hatten. Wo also von Darmstadt auß das Militer die gantze gegent durch streiften wir bekammen nacher Gießen etliche 20 Mann Wollischer(Chevaulegers und hussaren auch wurde Pfulser und Muni⸗

cion durch 3 Mann Constabler anhier ge⸗ bracht. Die Fransossen erwischten den Schin⸗ terhannes brachten ihn nacher Cöllen auch unsere Soltaten brachten vielle gefangene ein. Welche nachhero an die preußen und Keisserliche sind abgeben worden. in dem May 1802 haben die Franschosen den Schin⸗ derhannes nacher Meintz gebracht. Aus die⸗ ser Nachricht sieht man, wie bekannt und gefürchtet damals der Schinderhannes war. Als Räuber in Oberhessen auftauchten, ver⸗ mutete man, daß das die Bande des gefürch⸗ teten Verbrechers sei. Aber auf die rechte Rheinseite hat er sich nur ganz zuletzt ge⸗ traut, als ihm auf dem linken Rheinufer durch die Franzosen der Boden zu heiß wurde.

In dem Mertz sind noch 2 neue pollizen diener gemacht worden und wir also 4 haben.

Den 24ten Mertz ist der Russische Keisser Paul der I1ste durch einen Schlagfluß mit

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