Ausgabe 
26.1.1919
 
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gen Dienstzeit im Ruhestande. Sein Sohn Johann Georg besuchte das Gymnasium zu Schleusingen und studierte von 1699 an in Jena Theologie und Mathematik; das war eine Verbindung von zwei Studienfächern, die man heute nicht mehr findet. Durch die Vermittlung des berühmten Philosophen Leibniz und anderer angesehener Gelehrten kam er 1707 nach Gießen. Hier hielt er am 21. Juli 1707 seine Antrittsvorlesung. Im Jahre 1717 war er Rektor und lud als solcher zu der Feier ein, die die Universität beim Reformationsjubiläum veranstaltete Vom Jahre 1721 war er außerdem auch außerordentlicher Professor der Theologie. In seiner Antrittsrede bei Uebernahme dieses neuen Amtes sprach er über die glück⸗ liche Verbindung der Mathematik mit der Theologie. 1735 wurde er ordentlicher Pro⸗ fessor der Theologie, sein akademisches Dop⸗ pelamt behielt er bis zum Jahre 1737, von da an hielt er nur noch theologische Vor⸗ lesungen. Auch ein kirchliches Amt bekleidete er, er war nämlich auch Superintendent des Marburger Distrikts und hat als solcher auf alle Fälle auch gepredigt. Früher kam der Unfug anders kann man es kaum nen⸗ men oft vor, daß ein Mann mehrere Aemter, die er gar nicht versehen konnte, in sich vereinigte. An äußeren Ehren hat es diesem Manne nicht gefehlt. Er war Assessor im Marburger Konsistorium, Ephorus der Stipendien und Mitglied der Groß-Britan⸗ nischen und Preußischen Sozietät der Wissen⸗ schaften. Die Schriften Liebknechts behandeln meist mathematische Gegenstände, und zwar

in lateinischer Sprache, der theologischen

Wissenschaft scheint seine Neigung weniger zugewandt gewesen zu sein; denn seine theo⸗ logischen Abhandlungen sind verhältnis⸗

mäßig wenige. Ueber sein Lebensende be⸗

richtet ein Gelehrtenlexikon:Eine aus⸗ zehrende Krankheit versetzte ihn am 17. April 1749 in die Ewigkeit. Er hat also gerade ein Alter von 70 Jahren erreicht. Liebknecht war zweimal verheiratet und hatte im ganzen 16 Kinder. Mit seiner ersten Ehefrau wurde er am 27. September 1707,

also kurz nach seiner Uebersiedlung nach

Gießen, verbunden. Sie hieß Katharina Elbert und war als Tochter des Kurmainzi⸗

schen Leibmedikus und Stadtphysikus(Stadr⸗

arzt) zu Bensheim Dr. Nikolaus Elbert im

Jahre 1686 geboren. Am 31. Juli 1719

N

schied sie im Alter von 33 Jahren aus dem Leben und wurde am 2. August bestattet. Aus dieser Ehe gingen folgende Kinder her⸗ vor:

1. Wilhelmina Katharina Margareta, ge⸗

tauft(die alten Kirchenbücher verzeichnen nur

den Tauf⸗, nicht den Todestag) am 9. August hann l 0 ö am 27. Juli 1741, verheiratete sich mit dem

1708. Paten waren Katharina Margaretha Hert, Witwe des Pfarrers Hert zu Nieder kleen und zugleich Großmutter des Kindes

sowie Henrich Wilhelm Liebknecht, Kur⸗ mainzischer Rat und Bruder des Vaters.

Diese Tochter heiratete später den Stolber⸗ gischen Leibarzt Dr. Konrad Graf zu Gedern.

2. Charlotte Margaretha, getauft am 5. Januar 1711, starb schon mit 5 Wochen und wurde in der Stille beerdigt.

3. Franz Eberhard, getauft am 1. Juli 1712, war später Amtmann in Kleeberg.

4. Johannetta Christina, getauft am 12. April 1715, starb im Alter von 13 Wochen und wurde in der Stille beerdigt.

5. Charlotte Amalie Johannetta, getauft am 26. Juli 1716, wurde später die Frau des Marburger Kommandanten Pfnor.

Im Jahre 1720 verheiratete sich Lieb⸗ knecht zum zweitenmal, und zwar mit Re⸗ gina Sophie, Tochter des Nassau⸗Dillenbur⸗ gischen und Gräflich Isenburgischen Leib⸗ medikus Dr. Johann Justus Hofmann, sie überlebte ihren Ehemann beinahe um 30 Jahre und wurde, nahezu 80 Jahre alt, am 21. Januar 1778 zu Grabe getragen. Aus dieser Ehe gingen 11 Kinder hervor, nämlich:

1. Philipp Wilhelm, getauft am 21. No⸗

vember 1720, wurde holländischer Leutnant

und starb am 11. April 1795.

2. Georg Friedrich, getauft am 23. April 1722, war später Pfarrer in Obernburg bei Thalitter.

3. Eleonore Helena, getauft am 23. Sep⸗ tember 1724, verheiratet mit dem Pfarrer und Inspektor.(Dekan) Buchmann in Batten⸗ feld, gestorben am 2. Juli 1758.

4. Claudius Christian Bernhard, getauft am 12. April 1726, gestorben im Alter von Jahren.

5. Lucia Katharina Hedwig, getauft am 31. März 1728, verheiratet in erster Ehe mit dem Gießener Pädagoglehrer Leun, in zweiter Ehe, nach dem Tode ihrer Schwester, mit ihrem Schwager Buchmann.

6. Johann Casimir, getauft am 5. Mai 1730, wurde später Oberleutnant im K. K. Kürassierregiment Zeschwitz.

7. Wilhelm Jeremias Jakob, getauft am 24. Januar 1732. Ueber die Lebensschicksale dieses Sohnes konnte ich nichts feststellen.

8. Johann Christian Reinhard, geboren am 27. Dezember 1733, wurde Dr. med. und Physikus zu Homberg a. d. Ohm, später in Butzbach.

9. Gottlieb Wilhelm, geb. am 2. April 1734. Ueber diesen wird im folgenden noch zu handeln sein, da er der Urgroßvater des in diesem Monat um das Leben gekommenen Karl Liebknecht ist.

10. Christiane Johannetta, geboren am 15. April 1738, starb ledig zu Gießen am 20. Juni 1752.

11. Johannetta Martina Louysa, geb.

einer alten, jetzt aber ausgestorbenen Gie⸗ ßener Familie entstammenden Amtmann Verdries, der seinen Amtssitz zuerst in Bat⸗ tenberg, sodann in Londorf hatte.

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