Ausgabe 
25.5.1919
 
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Dieser schönen Zeit folgten dann noch (19091911) einige Jahre als Komman⸗ deur der 59. Infanterie⸗Brigade in Saar⸗ burg in Lothringen. Die Hand am Säbel, bereit, wie in Mörchingen, bei den unter⸗ stellten Truppen, die in Saarburg anfäng⸗ lich ungefähr eine Division betragen hätten, die ersten Schüsse fallen zu hören. Es kam nicht dazu. Meiner geschwächten Gesundheit

stand hervorgegangenen Kompanieführer,

Leutnants, Feldwebelleutnants, Offizier⸗ diensttuer und Unteroffiziere arbeiteten sich mit rühmlichem Eifer bald in die schwie⸗ rigen Verhältnisse ein. So wurde es ermög⸗ licht, daß die vom besten Willen beseelten Rekruten nach drei bis vier Monaten einiger⸗ maßen ausgebildet in das Feld rücken konn⸗ ten. Als auch ältere Leute eingezogen wer⸗

wegen wollte ich nach Wiesbaden ziehen. Ich den mußten, zeigte sich die unvermutete

fand aber keine zusagende Wohnung mit einem großen Garten, schön gelegen, die Küche nicht unter der Erde und einen großen Trockenboden, Ideale der Hausfrau. Der dann befragte Gießener Professor riet mir auch von Wiesbaden als zu weich ab und er⸗ klärte das Gießener Klima für viel gesünder So zog ich in meine Vaterstadt, in der wir immer ein Heim uns gehalten hatten, um bei

einem Krieg eine Zuflucht für meine Frau

zu haben. Schließlich bauten wir uns 1913

am Lärchenwäldchen an. Der wunde Punkt

war der schlechte Gartenuntergrund knir⸗

schender Kies, doch 120 Wagen Straßen⸗

abhub, der von der Grünberger Straße in

den Wald geworfen war und sich dort dreißig

Jahre mit dem abfallenden Laub gemischt hatte, sowie 40 Wagen Mist schafften ein vortreffliches Wachstum. Dagegen fuhr die Stadt außer der Baugrube 140 Wagen Kies ab, mit dem der Fußsteig an der Kaiserallee verbreitert wurde. Ich sparte den Fuhrlohn, die Stadt die Kosten für den Kies.

Als der Weltkrieg ausbrach, bewarb ich mich um eine Verwendung in erster Linie.

Der Arzt warnte. Ich wurde auch nur Kom⸗ mandeur der stellvertretenden 83. In⸗ fanterie⸗Brigade und Kommandeur des Ab⸗ schnitts III der Festung Mainz(rechtes Rheinufer), sowie Führer der Hauptreserve. Ich blieb es, bis Mainz 1916 aus Sparsam⸗ keitsgründen desarmiert wurde. Bei den hauptsächlich unterstellten Ersatz⸗Landwehr⸗ bataillonen herrschte in bezug auf Bewaff⸗ nung, Bekleidung und Ausrüstung lange die

größte Not, für Waffen wurde sie nie besei⸗

tigt. Es zeigt dies, wie wenig sich Deutsch⸗ land auf einen solchen Krieg vorbereitet hatte. Durch Entleihen von Waffen der Kriegervereine, Anfertigung von hölzernen

Fechtgewehren, Ersatz des Leibriemens durch

einen Strick unter Zuteilung von nur einer

Patronentasche, soweit solche vorhanden, An⸗ fertigung von Exerzierpatronen aus ver⸗ schossenen Hülsen, Bau von Schießständen,

Ermittelung von Unterrichtslokalen, Suchen von Exerzierplätzen wurde die Ausbildung

ermöglicht Eine große Erschwernis war, daß fortwährend Umverlegungen stattfanden. Nach sechs Wochen gönnten die Dörfer bis⸗

her nicht belegten Nachbarorten mit Sicher⸗

heit die Teilnahme an der Freude der Ein⸗

quartierung. Nur die Wirte widerstrebten regelmäßig, Die Verlegung machte immer viel neue Arbeit. Die aus dem Beurlaubten⸗

Erscheinung, daß deren Ausbildung, infolge des ungelenkig gewordenen Körpers zwar anfänglich sehr langsam vorschritt, daß sie aber schließlich die jüngeren Leute weit über⸗ flügelten, wohl dank ihrer ernsteren Lebens⸗ auffassung. Zur Durch bildung wären frei⸗ lich dreiviertel Jahr bis ein Jahr nötig ge⸗ wesen. Die Uebungsgegenstände sind beim Infanteristen durch Maschinengewehre, Mi⸗ nenwerfer, Handgranaten usw. viel zahl⸗ reicher geworden. Alles Unkriegsmäßige war slreng verbannt. Die Bataillonskomman⸗ deure, frühere aktive Offiziere, leisteten Vor⸗ treffliches. Die von ihnen mit Behelfsmitteln eingerichteten Küchen lieferten eine hervor⸗ ragende Verpflegung. Es sei hierbei erwähnt, daß die Heranziehung der Mannschaften bei der Verwaltung eine alte Heereseinrichtung ist. Den Küchenverwaltungen gehörten stets Mannschaften, meist Gefreite, an, die Bean⸗ standungen und Wünsche der Kameraden vor⸗ zubringen hatten. Jetzt ist nur der Namen Vertrauensleute dazugetreten. Angeführt sei bei dieser Gelegenheit, daß das oft an⸗ gegriffene Beschwerderecht gar nicht einfacher gestaltet werden kann, wie es bisher war. Wer glaubt, daß ihm Unrecht zugefügt ist, kann sich am folgenden Morgen beim Kom⸗ panieführer oder ältesten Leutnant unmittel⸗ har und mündlich beschweren. Fühlt er sich von der Entscheidung nicht befriedigt, so kann er bis zur allerhöchsten Stelle die Be⸗ schwerde weiterverfolgen. Nachteile hat er nicht zu befürchten, wenn nicht Böswillig⸗ keit vorliegt. Strafbare Handlungen kann er einfach melden. Merkwürdig ist, wie ungern er das tut. Aus falsch verstandener Kamerad⸗ schaft bringt er selbst schwere Vergehen seiner Stuben⸗ und Kompaniegenossen nur dann zur Anzeige, wenn er selbst schwer geschädigt ist, beispielsweise durch Diebstahl. Allerdings soll die Beschwerde über eine Strafe erst nach deren Verbüßung angebracht werden. Das ist unbillig. Es müßte jedoch, wenn die Beschwerde ohne genügenden Grund erfolgt, eine Erhöhung der Strafe zulässig, sein. Sonst ist Verschleppungsversuchen Tür un Tor geöffnet. Das gleiche müßte bei Be⸗ rufungen in gerichtlichen Angelegenheiten, die den Mann keinen Pfennig kosten, einge⸗ führt werden.

Eigentlich Kriegerisches habe ich in Mainz nicht erlebt. Das in meinem Ab⸗ schnitt liegende Fort Biehler wurde in⸗ folge Benzinentzündung in einem Muni⸗ tionsauto stark beschädigt. Als ich hinritt,

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