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Nicht so wachten wir auf. Es mochte drey und Knochen! Komm her, Mume Else! das Uhr sein, als in unser zufällig nach dem ist meine Aeltermutter!“ Sowohl die Ge⸗ Flur nicht verschlossenem Schlafzimmer ein beine, als das in einem besonderen Schranke verwahrte Haupt, wurde nach seinem Befehl auf das Schloß gebracht, dann alles ganz in
französischer Offizier trat, und als ich ihm dadurch geweckt sagte, er irre, der Wintant, den er vermutlich suche, wah im zweyten
55 50 erwiderte er, er 5 nicht. Auf Befehl
s Kaisers müsse ich ihm ohne Verzug als Geißel folgen. Meine Frau, die ihn früher eintreten sah und, als sie dieß vernommen,
in Thränen und Klagen ausbrach, suchte er
mit der Gerechtigkeit des Kaisers zu be⸗
ruhigen. Ich war mir nichts bewußt, was
mich vor einem Gericht hätte strafbar machen
können. Meine Anhänglichkeit an den preu⸗ ßischen Staat, meinen Schmerz über seinen Fall, hatte ich nie verleugnet, auch dadurch bei alten rechtlichen Franzosen nichts ver⸗ loren. Von geheimen Plänen zur Befreyung,
die auf jeden Fall übel berechnet, bey Man⸗
chem mit dem geleisteten Eide, nichts gegen
die bestehende Ger valt zu unternehmen, in
Wider spruch gewesen wären, war mir nichts bekannt. Für mich war überdies Vorsicht
doppelte Pflicht, um einer großen Anzahl
von Lehrern, Schülern and Zöglingen das Beyspiel eines ruhigen Betragens und einer strengen„ it, wie sie eben die Verhältnisse der Zeit erforderten, zu geben. Das Wee in diesem Sinn gehandelt zu haben, verminderte Schreck und Befürch⸗ tung. Ich konnte den Trostbedürftigen Muth einsprechen und sie an die Worte eines alten vortrefflichen Kirchenliedes, welche mir von jeher in bedenklichen Tagen oder schweren Stunden tröstend ins Gedächtnis getreten sind, erinnern:
Es kann mir nichts geschehen,
Als was er hat ersehen,
Und was mir selig ist.“
Die Reise der D eportierten ging durch Nelken. In Marburg nahm Niemeyer beson⸗ ders die Elisabethkirche in Augenschein und beschäftigte sich mit dem Leben der heiligen Elisabeth, von der er folgendes berichtet:
„Zahllose Wunder hat, nach dem Glauben der Vorzeit, ihr kaum entseelter Leichnam und spät noch ihr morsches Gebein bewirkt; zahllose Pilgrimme sind zu ihrem Grabe ge⸗ wallfahret. Viele gewiß einer weiseren Le⸗ benstätigkeit fähige 2 spiel verleitet haben, in frommem Müßig⸗ gang der Welt abzuf sterbe n, statt für ihren Beruf zu leben. Das fühlte schon der erste protestantische Landgraf P eee der Groß⸗ mütige von Hessen. Bald nach seinem Ueber⸗ gange zur evangelischen Kirche, machte er im Jahre 1539 dem Unwesen ein Ende. Er begab sich selbst in die Begräbniskapelle, ließ, die Unzufriedenheit seiner Umgebung nicht achtend, das große Behältniß öffnen, dann die kleinere Kiste, welche die Gebeine umschloß, herausnehmen, nachdem 17 wie die Niplomafisch genaue Erzählung die Worte aussprechen:„Das walt E das
ist St. Elisabeths Heiligthum. Mein Gebein
der Stille an einem nur wenigen Personen bekannten Ort in der Kirche in die Erde ver⸗ senkt. Der kostbare Sarkophag blieb indeß zurück, nachdem der Zweck erreicht war, keine Wunderkraft mehr von seinem Inhalt zu erwarten.“
Von Marburg ging die Reise nach Gießen, von da nach Friedberg. In beiden Städten fand Niemeyer gastliche Aufnahme und freundliches Mitgefühl, was er mit den Worten beschreibt:
„Die Landgräflich Hessische Universität (Marburg) liegt dieser Herzoglich Darm⸗ städtischen(Gieß ßen) so nahe, daß wir noch an demselben Tage, wo wir um Mittag Marburg verließen, hier einen guten Teil des Nachmittags und Abends zubringen konnten, um angenehme Bekanntschaften an⸗ zuknüpf en oder zu erneuern. Herr v. Made⸗ weis hatte indeß vom Obrist La Roche die Vergünstigung erhalten, seinen Bruder in dem nah gelegen Wetzlar zu besuchen und erst in Frankfurt wieder mit 9 zusammen zu treffen. So sehr hatte sich das Vertrauen befestigt.
Schon 9 wie noch jetzt, gehörte unter den Theologen, der geist wolle Kirchen⸗ historiker Schmidt, der gelehrte Exeget Kuinoel, der literarische und praktische Pal⸗ mer zu den Zierden der Hochschule. Auch traf es sich recht glücklich, daß der Tag
meiner Ankunft auch der Gesellschaftstag der
Seelen, mag ihr Bei⸗
Professoren auf dem Buschischen(Steins) Garten war. Waren ihrer fast zu viele, um sich genug im Einzelnen zu berühren, so ward bald das Gespräch bei den Freuden des Weins in der heiteren Abendgesellschaft desto lebendiger, und fast unmerklich kam die Mitternacht heran. Ich freute mich 5 dem Heimwege der trefflichen Straßenbeleuch⸗ tung, eingedenk der dürftigen meiner Vat stadt; mehr noch einer neuen Erfahrung zarter Gastlichkeit. Statt von Herrn Kuinoel in das Quartier begleitet zu werden, fand ich mein Gepäck in seinem eignen Hause neben einem schönen Lager, welches die gütige Hausfrau indeß bereitet hatte.
War es doch, als ob unser Schicksal mir alle Häuser und Herzen öffnete. Das ist nicht der kleinste Gewinn aus den Wider⸗ wärtigkeiten. Es sind doch in der Regel die besseren Seelen, die sich an den Unglück⸗ lichen an schließen. Schon in der kleinen Stadt Friedberg, zwischen Gieße n und Frankfurt, machte ich wieder ähnliche Er⸗ fahrungen. Der Weg dahin ward uns durch die harte Mißhandlungen eines Po stillions
der dem Kapitain zu langsam fuhr ver⸗
leidet. Die Abgeschliffenheit trat mit der Rohheit in den widrigsten Contrast. Desto mehr deutsche Humanität empfing mich in
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