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Codesleid in alten Tagen.
Für die, die heute leben und um liebe Toten trauern, ist es wichtig, zu erfahren, wie vor ihnen schwer geprüfle Menschen sich mit herben Verlusten abgefunden haben. Aus alten Familienaufzeichnungen geben wir hier Schilderungen der Trauer wieder, die einst in Familien unseres engeren Vaterlandes ge⸗
herrscht hat. Wir entnehmen diese Mit⸗
teilungen mit freundlicher Erlaubnis des Verfassers, des Herrn Oberregierungs⸗ rats Friedrich Welcker⸗Gießen, seiner inter essanten Schrift„Beiträge zur Geschichte der Familie Welcker“, Gießen 1908 und 1913.
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4.
Im Jahre 1787 starb in Ober⸗Ofleioen Charlotte Ernestine Christine Welcker, die Schwester des dortigen Pfarrers Welcker. Den Todesfall hat der Bruder im Ster buche der Gemeinde mit den Worten beur kundet:„Den 3. Januar Morgens früh gegen 6 Uhr starb Jungfer Ch. E. Chr. Welckerin, meine zärtlichst geliebte Schwester. nachdem sie sich einige Wochen bei mir auf⸗ gehalten, nach dreitägigem Krankenlager, im 16. Jahre ihres Lebens. Der Herr, den sie wahrhaftig verehrte, erfreue sie nach man chem ausgestandenen Leiden nun desto reich licher mit den unvergänglichen Freuden seines Reiches.“
Ein Schriftsteller, F. L. Textor, hat des Todes des jungen Mädchens ganz in der
empfindsamen Art seiner Zeitgenossen ge
dacht, indem er in einer interessanten Schrift „Silhouetten aus dem schwarzen Orden“ das Grab in folgender Weise beschreibt:„An der
der östlichen Seite des Friedhofs hob in
einer einsamen Ecke eine prächtige Linde majestätisch ihr Haupt empor; unter der selben, abgesondert von den übrigen, war eine Grabstätte, mit Rosenstöcken und Jas⸗ minen umgeben, auf derselben ein Denkmal von Stein, in der Form einer Pyramide. Ein Engel mit der Palme in der Hand stand auf dem oberen Absatz und unten las man folgende Worte:„Fließe immerhin, Zähre der Wehmuth, netze den Todeshügel, der die
Gebeine eines edlen Mädchens deckt! Ach,
wie blühte sie so schön, diese Rose, und der Sturm zerknickte sie. Viel gelitten, viel ge⸗ rungen hast du, theures Mädchen! Aber im Himmel lohnt Gott die schöne Dulderin. Ser mir gesegnet, friedlicher Ort, wo meine Char⸗ lotte schlummert, bis am Auferstehungstage in Gottes Heiligthum die Auserwählte tritt. Ser mir gesegnet! Kein unheiliger Fuß müsse
schläft.“ Die andere Seite, die gegen die Linde stieß, enthielt folgende Inschrift: „Schlummere sanft, du gute fromme Seele, Bis auf ewig dieser Schlummer flieht, Wein' auf ihrem Hügel, Philomele, Um die Dämmerung ein Sterbelied! Weht, wie Harfenlispel, Abendwinde,
halt war, indem ich dasjenige nicht fand, uc
„ 2 + e NB wo mir nur Jammer und Kummer glei das Heilige betreten, unter dem die Tugend int
Durch die Rose, die dem Grab eutspriest; Säuselt trüber in der Kirchhofslinde, Wo die Stätte ihres Todes ist!“
Im weiteren Verlaufe dieser Darstellung läßt der Verfasser einen jungen Mann jo gendes über die Entschlafene sagen:
„Das muß ein edles Mädchen gewesen sein, ich weiß überhaupt nichts rührendere! in der Natur, als eines jungen, unschuldigeg
Mädchen Tod, als das Entblättern der jun,
gen Rose! Es muß wohl sein, daß eine solch Rose in einer andern Zone des Universum; wieder aufblüht. O, mein Gott, es ist fa schwer zu begreifen, wie man aufhören, ale wie man fortdauern kann. Ich könnte eben so leicht an Gottes Dasein, als an meiner Seelen Unsterblichkeit zweifeln. Charlotte lebt und ich werde sie und tausend anden schöne Seelen, die ich nicht kannte, kennen lernen.“ II.
Im Jahre 1840 war der Landrat i f Karl Ludwig Welcker von Heidelberg nac gießen verzogen. In einer für seine Famil zestimmten Aufzeichnung hat er über seim Schicksale folgendes geschrieben!
„Mein guter Emil war etwa ½ Jahr por meinem Abzuge unwohl, weshalb ich die Hülfe des Medizinalraths Götzenbergers i Anspruch nahm, und als wir von Heidelbem abreisten, war er soweit hergestellt, daß die ser keinen Anstand nahm, ihm die Reise z erlauben In Gießen angelangt, wurde da der mir als geschickter Arzt schon in Darm⸗ stadt empfohlene Dr. Stammler sogleich zu Behandlung Emils zugezogen, allein die Krankheit wich nicht, und wahrscheinlich hal Götzenberger dieselbe nicht gehörig einge sehen und eine zweckmäßige Behandlung ein⸗ treten lassen. Emils Befinden besserte sich
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nicht, er wurde von Tag zu Tag schwächer,
und am 18. März 1840 erlebten wir da traurige Geschick, daß er abends 9 Uhr unten den Händen seiner 2 Brüder starb. J übergehe eine Schilderung unseres Jan mers über den Verlust dieses heißgeliebteh Kindes, denn ihr, meine Kinder, wart je Julie ausgenommen, Zeugen seines Leiden und habt ihn mit geschwisterlicher Liebe ge wartet und gepflegt. a So unangenehm mir der hiesige Aufent
ich zu finden hoffte, noch weit unerträgliche wurde mir derselbe durch diesen herben Ver lust. Hätten es meine Verhältnisse zugelassen ich wäre auf der Stelle wieder nach Heidel berg gegangen, um einen Ort zu verlasseh
bei dem ersten Eintritt in denselben zu Tel
geworden war.
Aber das unerbittliche Schicksal hatte ug nicht aufgehört, mich und die Meinigen un härteren und schwereren Leiden heine suchen. In dem Jahre 1841 wurde Juli
wie man mich allgemein versicherte, ohne en
Verschulden in eine Schlägerei verwidct
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