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Straßen und Gassen der Stadt, bis das
Anmerkung der Redaktion:
arme Tier ermüdet sein Heim aufsuchte und Eberhard Christoph Zimmermann, genannt
sich erschöpft in seinem Stalle verkroch. Zimmermann mußte inzwischen gehört oder vermutet haben, wer seinem Hunde die Schande angetan und wer ihm den bösen Streich gespielt hatte. Er erschien am an⸗ deren Morgen in aller Frühe auf der
Straße, stellte sich vor unserem Hause auf
und schimpfte, was er nur schimpfen kante „Ihr Faullenzer, Ihr Tagediebe, Ihr Tier⸗ quäler 0 Dabei fuchtelte er mit den Armen
in der Luft herum und stieß alle nur denk⸗
baren Verwünschungen aus. Mein Vater, der tagszuvor verreist war und von dem Vorkommnis nichts wußte, suchte jetzt, nach⸗ dem ihm die Ursache dieses Auftrittes mit 15 worden war, den aufgeregten Mann
ieder zu beruhigen. Es gelang ihm auch 5 ließlich dadurch, daß er die beiden Uebel täter herbeirufen ließ und ihnen einen stren⸗ gen Verweis erteilte. Damit war das sonst gutnachbarliche Verhältnis wieder hergestellt. Die Lektion hatte aber auch bewirkt, daß durch ein besseres Einhalten der Hunde weitere Klagen nicht mehr so oft vorkamen.
Mit der Zeit war das Zimmermannsche Haus baufällig geworden. Die Schäden waren bereits soweit gediehen, daß an eine Ausbesserung nicht mehr gedacht werden konnte, daß vielmehr ein Zusammensturz zu befürchten stand, der nicht allein Men⸗ schenleben bedroht, sondern auch die an⸗
stoßenden Häuser in Gefahr gebracht hätte.
Das Haus mußte daher geräumt werden,
sollte abgerissen und wieder neu aufgebaut
werden. Hierzu berief Zimmermann einen bekannten Herrn aus der Nachbarschaft, der auf einem Eisenbahnbureau angestellt war und vom Baupesen etwas verstanden haben sollte. Diesem übertrug er die Bauleitung. Aber Neuerungen und Verbesserungen, die von diesem Herrn in Vorschlag gebracht wurden, waren in den Wind gesprochen und wurden einfach mit dem Bemerken abgetan: „Das Haus wird genau wieder so gebaut, wie es vordem war, und damit basta.“
der„scheppe“ Z., starb am 7. April 1853 im Alter von 72 Jahren.
Vom Segen der CTrübsal.
Und däucht dem armen Herzen doch noch schwer des Lebens Lauf,
und schaut es bang und sorgenvoll empor zum Himmel auf:
Wohlauf! und heit're deinen Blick! kein Seufzer eilt hinan,
dem nicht der gnadenreiche Herr den Himmel aufgetan.
Unser aller Herzen sind jetzt beschwert von großer Sorge. Blicken wir um uns, be⸗ trachten wir die Zeitereignisse mit ruhig gem, müchternem Blick, so finden wir eine er⸗ schreckende Menge von Tatsachen, die ge⸗ eignet sind, uns nur mit schwerem Ban um unsere und unserer Kinder Zukunft zu erfüllen.
Zweifellos ist es ein Gottesgericht, das über uns und unser Vaterland herein⸗ gebrochen ist, und als solches hat die große Trübsal einen tiefen, geheimnisvollen Sinn, den wir zur Zeit noch nicht ergründen kön⸗ nen. Aber stille halten müssen wir, nicht dem gesetzlosen Treiben entfesselten Menschen wahns, sondern der göttlichen Macht, die
über allem Geschehen thront und die allein
uns von dem zu befreien vermag, das die Torheit gottentfremdeter 1 an unsag⸗
bar Schwerem über uns verhängt. Sind wir
uns aber erst darüber klar, 8 der himm⸗ lische Vater uns auch aus dieser Heimsuchung einen tiefen inneren Segen erwachsen lassen
will, so wollen wir ihm stille halten und auf
Wenn es die Polizei erlaubt hätte, so wäre
auch wieder ein Stall in das Erdgeschoß
Pfarrer Mahr.
gelegt worden, obgleich gerade dieser am
meisten zur Baufälligkeit beigetragen haben
soll. Auch das Fachwerk zwischen den Balken
wäre, anstatt mit Backsteinen ausgemanert⸗ wieder mit Stückstecken und Lehmwickeln ausgefüllt worden.
Als das Haus fertig war, ist Zimmer mann in dieses eingezogen, hat aber nur
das Heilandswort bauen: Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Baronin R.
Kirchliche Anzeigen. Sonntag den 23. März(Okuli. Gottesdienst.
In der Stadtkirche. Vormittags 9¼ Uhr: ö r Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Mahr. Abends 6 Uhr: assistent Schaefer. Abends 8 Uhr:
einigung der konfirmierten männlichen 5
noch kurze Zeit seines Lebens darin zuö⸗
bringen können. Mit ihm wurde nicht nur ein origineller Kauz, sondern auch das ver⸗ körperte Urbild eines früheren Kleinbürgers unserer Stadt zu Grabe getragen, der es nicht verschmerzen konnte, daß er in seinem alten Häuschen sein Leben nicht beschließen durfte, in dem er so lange glücklich und zufrieden gelebt hatte. Hr.
gend der Matthäusgemeinde.— Dienstag den 25. März, nachmittags 4 Uhr: Frauen⸗ missionsverein. Mittwoch den 26. März, abends 6 Uhr: Passionsgottesdienst. Pfar⸗ rer Mahr. Freitag den 28. März, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weib lichen Jugend der Matthäus und Markus⸗ gemeinde gemeinsam.
In der Johanneskirche: Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.— Vormit⸗ tags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukas⸗ gemeinde. Pfarrer Bechtolsheimer. Abends 6 Uhr: Pfarrer Ausfeld.
Verantwortlich: Pfarrer Bechtolshelmer. Druck und Werlag der Brühl'schen Universttüts⸗ But und Steindruackere R. Lange, Gießen.
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