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Anno 1789 d. 27ten May ist des Soltab Bockin Frau bey 1 Kirchhof in des Eisen Krämers Müllers Gartenhäus schen von dem

Gewitter Irsch lagen worten. Im Kirchen⸗ buch der Burgkirche steht ohne Angabe des Datums lediglichAnna Margarethe Bockin,

alt 50 Jahre

Anno 1790 d. Iten Febr. ist das Zunft Schild von der Wittib Magnus abgestäckt worten und bey Glaser Meister Mosenbach aufgehoben worden.(Fortsetzung folgt).

Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen.

15. Derscheppe Zimmermann. Hatte. 18 gegen die Krankheiten der Tiere, und sein

In einem der kleinsten und eugsten Häus⸗ chen der Schloßgasse wohnte vor Zeiten ein ehrsamer Schuster, namens Zimmermann, eine höchst originelle und darum in der ganzen Stadt wohlbekannte Persönlichkeit. Den normal gebauten Oberkörper trugen zwei kurze, schief gewachsene Beine, so daß der Mann kaum die Größe eines achtjährigen Jungen erreichte. Das Häuschen, das Zim⸗ mermann mit seiner Frau und einer Nichte bewohnte, war zwar drei Stockwerke hoch, doch befand sich in jedem Stock nur eine niedrige Stube und ein kleines Gelaß. Der schmale Hausgang, der noch um ein paar Stufen tiefer lag als die Straße, führte zu einer engen, dunklen Treppe, die man auf suchen und erklimmen mußte, um in die oberen Stockwerke zu gelangen. Die Stube im ersten Stock diente als Werkstätte, dar⸗ über lag die Wohnstube und oben die Schlaf stube. Von den Gelassen wurde das eine als Küche benutzt, die beiden anderen als Kam⸗ mern. Für die Ausübung seines Gewerbes hatte Zimmermann nicht viel Zeit übrig, Feld⸗ und Gartenarbeit zog er vor, das Halten und Waxten von Tieren war jedoch seine liebste Beschäftigung. Sein Geschäft war darum von keiner großen B n Die Kundschaft bestand zumeist aus Dienst⸗

mädchen, die er sehr billig behandelte, und

die sich darum auch leichter vertrösten ließen,

wenn sie auf ihr ausgebesserte S Schuhwerk

manchmal etwas lange warten mußten. Wollte sich jemand in früherer Zeit,

namentlich der einfache Bürger und Hand⸗ werksmann, mit den zum Unterhalt seiner und Garten⸗

Familie notwendigen Feld erzeugnissen versorgen, so mußte er sie selbst ziehen und wie man zu sagen pflegt, neben⸗ her etwas Landwirtschaft betreiben. Auch Meister Zimme rmann besaß etwas Gelände, zu dessen Bearbeitung er fast alltäglich mit seinem Hundegespann auszog. Ich sehe sie noch vor mir, die kurze, gedrungene Gestalt, das ergraute und struppige Haar zumeist

unbedeckt, eine große Brille auf der Nasen⸗

spitze, in kurzem Kamisol, eine Arbeitsschürze vorgebunden, in Pantoffeln, wie sie hinter sich her einen

großen Hund am Leitseil führte, der einen

Wagen zog, auf welchem in der Regel Mist oder ein Pfuhlfäßchen geladen war, und

Pflege

die Hose aufgekrempelt und

den der Schuhmacher dann nach Feierabend mit Futter oder abgeernteten Feldfrüchten beladen wieder zurückfuhr.

Immerhin konnte man bei Zimmermann stets eine große Freundschaft und Liebe zu Tieren beobachten, deren Wartung und ihm oblag. Besonders in der Be⸗ handlung von Hunden hatte er sich eine große Geschicklichkeit erworben; denn so wie er verstand es keiner, einen Pudel kunst⸗ gerecht zu scheren oder einem Pinscher den Schwanz und die Ohren zu stutzen, ohne daß das Tier große Schmerzen zu erleiden Ebenso besaß er wohlerprobte Mittel

Rat und seine Hilfe wurde sehr oft und vielseitig in Anspruch genommen. Mit ein b Vögeln war seine Werkstatt be⸗ völkert; Amseln, Wachteln und Finken waren in Käfigen untergebracht, Stare und Lach tauben liefen gezähmt und mit gestutzten Flügeln frei umher. Man sagte ihm nach, daß er die Geschicklichkeit 1 5 habe, den Vögeln die Zunge zu lösen, und die Kunst, sie die Sprache zu lehren.

Ueber einen Mißstand hatte sich die Nach barschaft jedoch sehr zu beklagen. Im Erd geschoß des Hauses war nämlich ein Stall, in welchem ein Ziegenbock gehalten wurde; die üble Ausdünstung, die sich darin ent wickelte, machte sich bis in die zunächst gelegenen Häuser zu gewissen Zeiten recht unangenehm bemerkbar. Aber zu einer wah

sich das Treiben von 9 die Zimmer mann hielt oder in Pflege genommen hatte. Diese Köter, die er tagsüber frei umher

laufen ließ, drangen bisweilen in die Häuser ein und waren schwer zu verjagen. So kamen sie bisweilen auch in unseren Hof, durchstöberten die Dungstätte, nach Knochen und Nahrungsabfäl llen suchend, überspran gen die Umzäunung unseres schön gepfleg ten Vorgärtchens, e die Beete und rissen Blumen und Pflanzen aus.

Mein Vater besaß damals eine Tapeten druckerei und hatte zwei Drucker, sonst ganz tüchtige Leute, aber lose Brüder, die zu jedem übermütigen Schalkstreich bereit waren. Als diese die Hunde wieder einmal bei einer Verwüstung unseres Gärtchens an trafen, fingen sie den größten davon ein und schleppten ihn, nachdem sie die anderen durch Schläge verjagt hatten, mit in ihren Arbeitsraum. Dort bemalten sie ihn in zebraartigen Streifen mit den grellsten Far ben, banden ihm ein leeres Blechgefäß an und ließen ihn auf die Straße laufen. Das geängstigte Tier glaubte seinem Unbehagen durch rasches können, kam aber aus dem Regen in die Traufe. Das nachgeschleifte Blechgefäß ver⸗ ursachte auf dem Straßenpflaster ein der

Hunde, dadurch angelockt, hinter ihm her stürmten. So ging die wilde Jagd durch die

ren Plage für die Nachbarschaft gestaltete

Dabpnauen entrinnen zu

artiges Geräusch, daß Straßenjungen und