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Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen
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Gießen, Gkuli, den 23. März Jol
8. Jahrgang
Leidenszeit.
Brief an die Hebräer 13, 9. Es ist ein köst⸗ liches Ding, daß das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade.
Im Jahre 1808, in einer Zeit, da Preu⸗ ßen tief gedemütigt war, schrieb die Königin Luise an ihren Vater:„Mit uns ist es aus, wenigstens für jetzt. Ich habe mich ergeben, und in dieser Ergebung in die Fügung des Himmels bin ich jetzt ruhig und in solcher
Johann Henrich Schaffstädts Gießener Chronik 1776— 1823. (Fortsetzung.)
„Anno 1786. Den tag nach dem Neuen Jahr ist die Landgräfin Von Hanau hier durch nacher Hessen Casel als Regirente Landgräfin wo ihr von unserem Wall ein⸗
hundert 46 schuß geschehen. Bey dem letztern
Schuß an dem Wallthor ist durch Unforsich⸗
tigkeit des lattens der Constabler Pimper
Ruhe, wenn auch nicht irdisch glücklich, doch,
was mehr sagen will, geistig glückselig. Die
göttliche Vorsehung leitet unverkennbar neue bestatt l 9 aner Mousgquetier unter Herrn Major Schmal
Weltzustände ein, die alte, überlebte Ord⸗ nung der Dinge stürzt als abgestorben zu sammen. Gewiß wird es besser werden: das
Welt durch die Guten. Ich glaube fest an Gott, also auch an eine sittliche Weltordnung. Wie Gott will; alles, wie er will. finde Trost, Kraft, Mut und Heiterkeit in dieser Hoffnung, die tief in meiner Seele liegt. Ist doch alles in der Welt nur Ueber⸗ gang. Wir müssen durch. Sorgen wir nur dafür, daß wir mit jedem Tage reifer und besser werden!“
Diese Worte der damals erst 32 Jahre alten Frau beweisen, daß ihr Herz fest ge⸗ worden war durch die göttliche Gnade. In Tagen der schweren Trübsal hatte Gnade an ihrem Herzen gearbeitet, in einer Zeit des Leidens war ihr Herz fest, ihr
diese
lalders
und der Soltat Sterr tod geblieben.“ Ueber diesen Unglücksfall teilt das Kirchenbuch der Burgkirche mit, daß am 4. Januar 1786 bestattet wurden„Johann Ferdinand Stöhr, und
Compagnie, alt 44 Jahr“
„Johann Heinrich Pimber, Constabler und N 0 43 Jahr“ Sir.
5 r. as Bauknecht, alt 43 Jahr“. Hieran schließt sich verbürgt der Glaube an das vollkommenste. 5 Wesen. Aber es kann nur gut werden in der
die Notiz:„Beide wurden den 2. Januar bei der Durchreise der regierenden Frau Land⸗
gräfin von Hessen Cassel, von einer Canone,
bey dem Aber ich
Schuß zerschmettert. Sie Ladung Pulver hinein dasselbe entzündete, und
letzten kaum die als sich
hatten gebracht,
sie wurden selbst, vermittelst der in Händen
und zugleich vom Pulver v
habenden Schaufel, an den Armen, Beinen, Brust, Gesicht aufs erbärmlichste zerschlagen, ebrannt. Sie leb⸗
ten noch einige Stunden, da sie denn unter
Glaube getrost, ihre Hoffnung lebendig ge⸗ worden. Eine ähnliche Leidenszeit ist jetzt
über uns hereingebrochen;
gerade in der
Leidenszeit unseres Heilandes hängen die
Wolken dunkel und tief über unserem Vater lande. Da wollen wir auf den aufschauen, der im Garten Gethsemane und am Kreuze viel Schwereres getragen hat, und wollen von ihm Kraft zum Aushalten erbitten. Haben wir es von ihm gelernt, unserem Gott gehorsam zu sein und uns dem Willen des Vaters im Himmel zu ergeben, so wer⸗ den wir auch neue Kraft erhalten und nicht zu gebrochenen Menschen werden. Der, der
unter den uralten Bäumen am Fuße des Oelberges trauerte und zagte, dort aber mit seinem Gotte ganz eins wurde, trat als
Sieger nahmen.
denen entgegen, die ihn
gefangen
große
den Gebeten zu Gott, ihre Seele in die Gnade ihres Exlösers empfalen.“
„Anno 1786, den 7ten Mertz hatten wir das Zunft Schild aufgestellt bey der Wittib Magnus in der Juten gaß(Rittergasse). 1810 ist dasselbe an den Kifer Becker ver⸗ kauft worden weillen es keiner an sein Haus haben wolde.“
„Anno 1786 d. gten Juny ist in Butß⸗ bach Landtag gehalten worten.“
„Anno 1786 d. 11ten Julius hat sich der Steindecker Latten Müller in alten Buseg zu tod gefallen.“
„Anno 1786 d. 17ten August ist der Held Friedrich der zweitte König von Preußen gestorben.“
„Anno 1786 d. 25ten Juny habe in Ar beit bekommen Frantz Raußet von Hessen Cassel gebürtig von Spangenberg.“
„Anno 1786. Im Decemper vor Weih⸗ nachten ist ein Mann von Rotheim Namens Zimmermann anf der Heichelheimer Schosse verfrohren.“
„„In der selbigen Woch haben wir ein ge— witter gehabt.“
„Anno 1787. Sogleich nach dem Neuen
Jahr ist ein graben durch die Stadt Wiß


