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Erwin Gros. Von Dr. Karl Esselborn.
(Fortsetzung.)
Durch die feine Beobachtung des litera⸗ rischen Geschmacks der Landbevölkerung ge⸗ wann Gros gewissermaßen das Programm für seine eigene Volksschriftstellerei. Als dieses kann der Leitsatz gelten, den er ge⸗ legentlich einmal für die Auswahl oon Büchern für das Volk aufgestellt hat(Land⸗ kolportage, Leipzig, Reclam 1911 S. 41 f.): „Im allgemeinen aber möchte ich... in die Schranken reiten gegen das Vorurteil so vieler Gebildeter von dem geringen Bil⸗ dungsbedürfnis des Landvolkes.. Der Bauer ist kein Städter und wird nie Städter werden— im Interesse unseres Volkes Gott sei Dank! Aber man vergesse doch micht daß drei Generationen auf dem Lande durch die allgemeine Volksschule gegangen sind, man erwäge, wie unsre Zeit den Bauernstand wirtschaftlich aufgerüttelt hat, wie er politisch lebendig wird; auch das kleinste weltfernste Dorf steht mitten im brausenden Strom der Zeit. Also redet mir nicht so viel von„zu hoch für das Dorf!“... Gewiß, es kommen bei einer Bücherei für das Volk nicht nur ästhetische Maßstäbe in Frage, sondern auch der volks⸗ spsychiologische und erzieherische. In Ueber⸗ treibung dessen aber verfallen ängstliche Ge⸗
müter in den Fehler, aus der Unterhal⸗
tungsliteratur alles auszuscheiden, was„an⸗ stößig“ ist. Und was ist nicht alles anstößig? Ja, es ist eine besondere Literatur entstan⸗ den, die ich einmal so kennzeichnen will: Der Leser wird unter einen durchsichtigen
Kasten gesetzt; nun zündet der Erzähler sein
Licht an und zeigt seine Bilder: lauter Edelmut, Bravheit und Frömmigkeit, keine
gefallen auf, trotz etlicher rabenschwarzer Bösewichter, die natürlich ihren Lohn be⸗ kommen. Glaubt man die Zerrbilder des Lebens, die die Schundliteratur bietet, da⸗ durch zurechtzurücken, daß man Zerrbilder nach der andern Seite schafft? Das eine wie das andere ist eine Sünde wider die Wahrheit. Seid nicht zu enge Vormünder des Volkes! Haltet doch den Mann aus dem Volke nicht für weltfremd; er steht mehr mitten darin im Leben, als die meisten „Gebildeten“ und sieht und weiß mehr von den Nachtseiten des Lebens. Merkwürdig doch auch, daß wir wohl unsere Kinder sogar lernen lassen in den biblischen Geschichten von Sauls Selbstmord und Davids Fall — wenn aber in einer weltlichen Dichtung solches erzählt wird, mag auch die Handlung daherschreiten mit der Wucht eines Gottes⸗ gerichtes, mag auch die Darstellung durch⸗ flutet und getragen sein von sittlichem Ernst —, dann wollt ihr sagen, das ist nicht für das Volk! Denkt nicht so klein von unserm Volke, es versteht den Kern und den Geist;
denkt auch nicht so klein von unsern Dich tern: jeder wahrhafte Dichter ist ein Pu phet des Höchsten, uns zu entschleiern da Geheimnis, das wir Leben nennen.“
Die hier niedergelegte Erkenntnis a Gros bei seinen erzählenden Werken nie gends außer acht gelassen, und darin lieg. ohne Zweifel zum Teil das Geheimnis ihn Erfolges. Die schon erwähnte, 1903 5 erster und 1919 in fünfter und sechster All lage(zuerst: Neuwied⸗Leipzig, H. Haesse. 2. Aufl. Darmstadt, Wartburgbuchhandlum 3. Aufl. ff. Herborn, Oranienverlag) schienene Erzählung„Der Lehrer von Hartenhausen“ ist eine Frucht der in Hartenrod gesammelten Erfahrungen. In Mittelpunkt der Erzählung steht die Vu stichtung eines angesehenen Bauern dll einen Wucherer und die Gründung eine Raiffeisenschen Darlehnskassenvereins dunn den Lehrer Albert Volker, eine urwüchsich kraftvolle und kerngesunde Persönlichtel, der Gros manchen Zug seines eigenen Ne sens und Erlebens verliehen hat. Die( zählung ist aus Wahrheit und Dichtung ge smischt und spiegelt die Arbeit und Käm wieder, die Gros während seiner Harte roder Zeit durchzuführen hatte. Nichts daran übertrieben, vieles dagegen im Nel
Heinrich Naumann 8 Edelm 0 b Sturm ernten“(Darmstadt 1912). Konflikte; es löst sich stets alles in Wohl⸗
hältnis zur Wahrheit gemildert; denn da Schlimmste, was er auch in etlichen Fällg erlebte, daß der Wucherer die Frau seine⸗ Schuldners in Unehre bringt, ließ er. der Erzählung weg, die ebensowenig„e Schulbeispiel von Unwahrheit“ ist, wie ie einmal bezeichnet wurde, als die 1859 c schienene Erzählung Rudolf Oesers 0 Glaubrecht)„Das Volk und seine Treiben und die des hessischen Bauernschriftstellet „Wer Wind sät, wü Eine Anzahl ernster und heiterer Ge schichten vereinigt das Ende 1910 in de Wartburgbuchhandlung in Darmstadt ern schienene und nach deren Eingehen in dg Oranienverlag zu Herborn übergegangen Buch„Von schlichten Leuten“ dn den darin entha tenen ernsten Geschichten be dient die erschütternde Erzählung„Troßig Herzen“ hervorgehoben zu werden. Sie zeil den Kampf, den der rauhe, aber in seing
trotzigen Kernhaftigkeit sympathische Bil germeister Daniel Schädler, ein Bauer daß echtem
Schrot und Korn, gegen die 1 sein Dorf eingedrungene Industrie fühl Altererbter Bauernstolz und Bauern der bessere und mildere Regungen des den zens unterdrückt, um sich ja nichts zu ber geben, ist auch in der Erzählung„Lie manns Knecht“ die Ursache schwerer schicke. Der köstlichste Humor aber ist en faltet in der kleinen Geschichte„Das duldige Herrchen“ sowie in der Humors „Wie Winkelhude Luftkurort wurde“, Dun die Winkelhuder Schilderungen fühlten fh mehrere Städtchen betroffen, die Gros
1 ichtt geduld ner“ neuen führen mier u teran In burgbi den L 1919) Feue kind, Kind“ Herzen ist ihr hinter! liebend heirate hören beide in der schen! ganze lichkeit sam Gerad Gedan Haupt behält ihrem „N Sin folgen hamm in dei zählun suchen Es ist Erwac haben, Aufga gearte finden schicht. ist di. Jugen anspre Im liche 6 Wal
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