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mals gesehen hatte, ja kaum dem Namen nach kannte, und beschwerten sich entrüstet über die„Gemeinheit“, ihr Städtchen und seine ehrsame Bürgerschaft so zu„blamie⸗ ren“. Gewiß ein schöner Beweis von des Verfa sers Kunst lebenswahrer Darstellung. In einem kleinen Bändchen„Winkel⸗ hude und anderes“(Oranien⸗Bücher Band 2, Herborn Oranienverlag 1917) ver⸗ einigte Gros jene Erzählung mit den Ge⸗ schichten„Der Gipfel der Bosheit“,„Das geduldige Herrchen“ und„Der faule Hen⸗ ner“ aus„Den schlichten Leuten“ mit den neuen in die Napoleonische Zeit zurück⸗ führenden köstlichen Schwänken„Der Spa⸗ nier und sein Vermächtnis“ und„Der Ve⸗ teran Schlössermann“.
Im Jahre 1912 erschien in der Wart⸗ burgbuchhandlung und ging später in den Oranienverlag über(2. u. 3. Auflage 1919)— die Erzählung„Schwelendes Feuer“, die Gros einmal als ein Sorgen⸗ kind, aber auch als„sein liebstes und bestes Kind“ bezeichnet hat.„Wenn sich zwei Herzen scheiden, die sich dereinst geliebt“ ist ihr Thema. Durch die Rachsucht eines hinterlistigen Schleiches werden zwei sich liebende junge Leute getrennt. Aus Trotz heiraten beide andere, aber ihre Herzen ge⸗ hören ihrer ersten Liebe. Dafür müssen beide schwer büßen, bis sie am Ende als in der Schule des Lebens geläuterte Men⸗ schen noch einander angehören dürfen. Eine ganze Reihe scharf ausgeprägter Persön⸗ lichkeiten treten in der Erzählung gleich- sam lebendig vor das Auge des Lesers. Geradezu meisterhaft ist geschildert, wie der Gedanke an verscherztes Glück in den beiden Hauptpersonen eine nie versiegende Macht behält und wie„schwelendes Feuer“ in ihrem Herzen weiterglimmt. a ö
„Frau Sehnsucht. Märchen für Sinnierstunden der Seele“ ist das folgende im Jahre 1914 bei W. Kohl⸗ hammer in Stuttgart erschienene Werk. Wer in den sinnreich⸗phantastischen kleinen Er⸗ zählungen ein Märchenbuch für Kinder suchen wollte, wäre freilich arg enttäuscht. Es ist kein Buch für Kinder, sondern für Erwachsene die Fähigkeit und Neigung haben, über das Leben, seine Fragen, seine Aufgaben und Ziele nachzusinnen. Aber so geartete Leser werden viel in dem Büchlein finden. Es ist schwer, unter den sieben Ge⸗ schichten eine besonders hervorzuheben, doch
ist die„Wie der alte Steffen zu seiner Jugend zurückkam“ vielleicht die aller⸗ ansprechendste.
Im Herbst 1915 entstand die geschicht⸗ liche Erzählung„Dieletzte Nonne von Walsdorf“(Heimat⸗Bücher Bd. 1, Her⸗ born, Oranienverlag 1915, 2. und 4. Aufl. 1919).„Das Buch ist in elf Tagen in einem Zuge geschrieben worden aus der freudigen Stimmung heraus, daß seine drei Feld⸗
schen Regierung.
grauen zu Hause gewesen waren.“ Auch
die gewaltigen Eindrücke, die Gros von einer Reise im Sommer vorher an der Westfront gewonnen hatte, mögen zur Er⸗ höhung der Stimmung beigetragen haben. Damals hatte er seine drei Söhne zum ernstenmal seit ihrem Auszug ins Feld wiedergesehen. Seine Erlebnisse und Wahr⸗ nehmungen auf dieser Reise hat er in dem im„Neuen deutschen Familienblatt“ und auch als Sonderdruck erschienenen Aufsatze „An der Westfront. Eine Kriegs⸗ erinnerung“(Stuttgart, Kohlhammer 19169 geschildert. Dort hat er das seinen Söhnen gewidmete„Pionierlied“ mitgeteilt, das nach der schwedischen Volksweise von Fritjoffs Wikingerbalk zu singen war. Diese wuchtige Melodie war ihm bekannt durch das Oratorium„Fritjoff“ seines Gesangs⸗ lehrers am Darmstädter Gymnasium Karl Amand Mangold. Ein erhebendes Ge⸗ fühl war es für ihn, wie die Kompagnie ihm beim Abschied dieses Lied sang.. (Schluß folgt.)
Meine Erlebnisse in französischer Uriegsgefangenschaft.
Von Ober⸗Telegraphenleitungsaufseher Heinrich Wagner ⸗Gießen.
(Fortsetzung.)
Im Lager wurde jeden Abend nach dem Appell auch der Rapport verlesen, der aber nur Strafen bekanntzugeben hatte und Re pressalien gegen die Maßnahmen der deut⸗ i Das geschah in der Ab⸗ sicht, die Gefangenen gegen ihre Regierung aufzustacheln, was auch leider in einzelnen Fällen gelang. Die meisten deutschen Un teroffiziere mußten Strafen ungesetzlicher
Weise über sich ergehen lassen. Ein fran⸗ zösischer Artilleriesergeant, der ein Arbeits⸗
kommando bei einer Kohlenfirma führte, hatte täglich Bestrafungen zu melden. Hier wurden wir dauernd zur Arbeit angetrieben, auch von dem Unternehmer. Sehr oft kam es vor, daß einige von unseren Leuten nicht mehr konnten, dann wurden sie wegen Arbeitsverweigerung zur Meldung gebracht, 6 Tage Prison und 14 Tage Lohnabzug folgten. Zuletzt wurden hierzu nur noch bestrafte Leute kommandiert. War die Ar⸗ beit eine oder zwei Stunden früher fertig, so wurde das Kommando am Eingang vom Lager aufgestellt, jeder Mann bekam einen
Schiebkarren in die Hand gedrückt, um Steine am Meeresstrande zu holen, die
durch die Flut dahin geworfen worden wa⸗ ren. Wenn ein Gefangener sich gegen Strafen beschwerte, so bekam er kein Recht Wurde ein Mann aufgeschrieben, so wurde er auch ohne Gnade bestraft, zur Beschwerde wurde er gar nicht zugelassen. So hatten es die französischen Wachmannschaften recht leicht, schließlich wurden die noch befördert, die die meisten Anzeigen machten.


