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114 jährige Erfahrungen im Armen⸗ und so für die höheren Anforderungen der

wesen(Darmstadt 1857, S. 11 f.) ein Arbeitsamkeit und des Gewerbfleißes schon Bild von den damals in seiner Gegend herr⸗ frühe befähigt. schenden Zuständen entworfen, das sich zu.Unter dem Schutze und der Unterstützung gleich bemüht, dasbleibend Gute hervor⸗ der fürstlichen und gräflichen Damen der zuheben, dassich in der Folge an dieses hohen Standesherrschaften und gepflegt und scheinbare Unglücksjahr geknüpft hat. Sein geleitet von wohlwollenden gebildeten Frauen Bericht lautet: der Gegend, bildeten sich bald, zum Teil noch Als die Ernte fast des ganzen hessischen in demselben Jahre 1817 zu Michelstadt Odenwaldes im vorhergegangenen Jahr 1816(9. April), Erbach und anderen Orten gut

durch Mißwachs und Hagelschlag vernichtet worden, Tausende der Bewohner der Gegend lein Geld, kein Brot, keine Arbeit, und kei⸗ nerlei Aussicht und Hoffnung hatten, bei der ungeheuren Teuerung, in deren Folge der Laib Brot einen Gulden kostete, nur not⸗ dürftig sich erhalten un, leben zu können, handelte es sich darum, für 5000 Menschen sechs Monate lang bis zur neuen Ernte Are beit und Brot zu schaffen. Das wurde nur durch ein Zusammenwirken aller Beamten und Stände der Gegend unter Beistand der fürstlichen und gräflichen Standesherrschaf⸗ ten und noch ungleich größerer Beihilfe und Unterstützung der höchsten Staatsregierung von Hessen möglich. Nun war das Mittel ge⸗ boten zum Anfang des Baues der schönen Chausseen, welche jetzt den Odenwald nach fast allen Richtungen durchziehen und bis dahin noch ganz gefehlt hatten, während in fünf großen öffentlichen Suppenküchen, zum Teil in großer Eile auf den Heerstraßen er⸗ baut, an 5000 Menschen bis zur neuen Ernte eine gute nahrhafte Suppe und Brot und damit das Mittel der Existenz gereicht wer⸗ den konnte. So wendete Gott, was man an⸗ fangs für ein grenzenloses Unglück hielt, zu einer großen Wohltat und einem noch jetzt fortwirkenden Segen des Landes. Es war das erste schöne Band, welches geeignet war, den Odenwald, der kaum zehn Jahre früher infolge des Rheinbundes und der Mediati⸗ sierung der kleineren deutschen Reichsfürsten usw. ungern unter die Oberhoheit von Hessen getreten war, mit der neuen Staatsregie⸗ rung zu versöhnen und die Vorteile einer größeren Schutzmacht erkennen zu lassen. Ich selbst, damals einer der jüngeren Be⸗ amten der Gegend und Rat der Justizkanzlei, war Sekretär der Gesellschaft, welche dazu mit die Anregung gegeben hatte.. Schon damals erkannten wir es an, daß es für unsere Zeit und die Anforderungen einer in allen Ständen vorwärts drängenden Gegen⸗ wart nicht mehr genüge, solcher augenblick⸗ lichen Not nur vorübergehende Abhilfe zu schenken, sondern daß es eine Anforderung der Zeit und Pflicht für alle gebildeten Stände der Gegenwart sei, der Armut über⸗ haupt durch leibliche und geistige Hebung des Volkes zu Hilfe zu kommen und vor allem der Volksjugend frühe die Hand zu reichen, indem man sie da die Schule selbst es jetzt nicht vermag in den Freistunden von ihren öffentlichen Schulen an erhöhte und mannigfaltigere Arbeitsfähigkeit gewöhnt,

eingerichtete und sorgfältig geleitete und überwachte Arbeits⸗ oder Industrieschulen für die weibliche Jugend. Auch für die Kna⸗ ben war bereits damals eine gleiche Für⸗ sorge beabsichtigt und beschlossen; aber zur Erledigung dieser allerdings schwereren, aber auch zu bewältigenden Aufgabe kam es nicht, da die Zeit der nächstfolgenden Jahre dafür nicht begünstigend war.

Soweit Beck. Ein Menschenalter später herrschte abermals eine ähnliche Not. Das Jahr 1847 war wiederum ein Hungerjahr, Ueber dieses hat am 3. Oktober 1805 der zu König geborene Friedrich Haupt, der von 1844 bis 1856 in Rimhorn Pfarrer war, dann bis 1881 in Gronau stand und am 3. Januar 1891 in Gießen starb, in der Zeit⸗Schrift des Central-Vereins der Wohl; tätigkeits⸗Anstalten und Gemeinnützigen Gesellschaft im Großherzogtum Hessen (1. Jahrgang 1847, Darmstadt, Heft J. S. 47 f.) auf Grund der in seiner Gemeinde Rimhorn gemachten Erfahrungen geschrieben. Bemerkenswert ist dabei, wie richtig er den Hunger in seiner staat⸗ und gesellschaftzer⸗ störenden Wirkung einschätzt. Auch hier wu die Lebensmittelnot erheblicher als die durch die Hungerblockade herbeigeführte, aber sie dauerte nur bis zur nächsten Ernte, und Deutschland war damals noch nicht In⸗ dustriestaat und fähig, ohne fremde Hilfe, die Lebensmittel für seine Bewohner hervorzu⸗ bringen und nicht auf fremde Einfuhr ange⸗ wiesen. Haupt schreibt nun:

Wovon wir bisher in Zeitungsberichten aus fernen Ländern in behaglicher Ruhe lesen gekonnt, das sehen wir in eigener Mitte sein Riesenhaupt erheben: die Schreckgestalt des Proletariats, den gefährlichsten, zerstörend⸗ sten Feind aller Ordnung und Zivilisation, alles Rechts und alles Besitzes den Hunger. Ich werde mich zu übertreiben hüten. Die Heiligkeit der Sache gestattet es nicht; die vorhandenen und noch mehr, die in naher Kürze uns bedrohenden Notstände bedürfen das nicht. Ich werde nur Tatsachen vorlegen, für deren Wahrheit ich einstehe.

Ich beschränke mich auf meine Gemeinde, weil ich sie am besten kenne, und weil im Odenwald, wenigstens im wesentlichen, fast überall die gleichen Zustände sich finden dürften.

Die Gemeinde Rimhorn zählt 600 Seelen in 129 Haushaltungen. 14 Haushaltungen treiben Ackerbau und haben ihr hinreichende Auskommen. 93 Haushaltungen, also et

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