von Walther, weiterhin kamen der„Linden⸗ hof“ und das Café Roloff, jetzt Musikalien⸗ handlung von Busch. Dann kam das„Ein⸗ horn“ im Besitze des Herrn Müller.(Daß das bekannte Gasthaus den abgeschmackten Namen„Fürstenhof“ abgelegt und wieder seinen althistorischen Namen angenommen hat ist zu begrüßen. D. Red.) Im„Einhorn“ kehrten am Himmelfahrts⸗ und am Kirschen⸗ markte die Kurhessen ein und es ging dann in der Regel hoch her. Wenn da die Geld⸗ beutel gezogen wurden, klang es von Gold und Silber. Und heute?
Nebenan war die Bäckerei von Löber und die Sattlerei von Ferber, dann kam Kappen⸗ macher Buch, der die Mützen für die drei Korps lieferte. An der anderen Ecke der Hintergasse war das Konfektions⸗ und Modewarengeschäft von Heß, dann kam der Sacke⸗Eduard, der den Ruf hatte, die schwer⸗ sten Ochsen zu schlachten, nebenan im heu⸗ tigen Aquarium stand der dicke Spruck hinter seiner Theke. Ernst Wallenfels mit seiner ausgedehnten Land⸗ und Milchwirtschaft hatte den Ruf, einen sehr guten Schnaps zu brennen, vorzügliches Brot und vor⸗ zügliche Brötchen zu backen. Das galt auch von Löber am Lindenplatz und Karl Wallen⸗ fels am Asterweg. Der alte Semmler sorgte dafür, daß die Schuhe und Stiefel einen tiefschwarzen Glanz hatten durch die Schuh⸗ wichse, die er neben tausend anderen Sachen herstellte und feilhielt.
In der hinteren Ecke der Zozelsgasse war
die alte Synagoge, und wenn es schon Schwierigkeiten machte, bei gutem Wetter dahin zu gelangen, so war das bei schlech⸗ tem Wetter fast unmöglich. An der Ecke des Lindenplatzes war das Konfektionsgeschäft von Hirsch, dann kam der Sacke⸗Georg, Schopven die beste Fleischwurst und die besten Schweinerippchen. Nebenan lag das „Darmstädter Haus“, das ja heute noch besteht und das Stammhaus des bekannten Studenten Christian Busch ist.
Lenken wir unsere Schritte weiter nach dem Walltor, so kommen wir an die Brand⸗ gasse. An deren Ecke lag das bekannte Gast⸗ haus„zur Trompete“. Der frühere Be⸗ sitzer hieß Jughardt, der jetzige ist Herr Klein. Etwas vorstehend lag das Haus, in dem die gemischte Warenhandlung von Müller sich befand. Die Schlosserei von Wilhelm Nagel lag früher neben der Metz⸗ gerei und Wirtschaft von Fritz Vogt(jetziger Besitzer Herr Henkel). Später wurde dieses Eeschäft in das Heckersche Haus verlegt, wo sich im oberen Stock die Spar⸗ und Leihkasse unter dem Direktor Kehr befand.
An der gegenüberliegenden Seite der Lindengasse wohnte der alte Schuhmacher Nolte, ein Norddeutscher, der sich mit seinen Gesellen nur in der Feinschuhmacherei be⸗ tätigte; er soll stets gesagt haben:„Wenns mich kein Lack ist, machts mich kein
da gab es außer einem guten
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S—paaß!“ Obwohl wir Buben allen Re.⸗ spekt vor seiner Kunst hatten, so konnte er es doch nicht verhindern, daß wir seine
Oellichtfunsel durch den Rauchfang, welcher
als Abzugsrohr durch das Fenster ging,
ausbliesen und dadurch die Werkstatt, welche sich im Erdgeschoß befand, in tiefes Dunkel hüllten, Die Lothsche Schneiderei befand sich gegenüber, hier wurden größtenteils Uni⸗
formen für Postbeamte und hessische Bean⸗
ten angefertigt. 5
Das Magnussche Haus nebenan hatte für uns Jungen durch seine Bewohner, den alten Magnus und seine Schwester Kon⸗ stanze, etwas Abschreckendes; beide waren Sonderlinge und fielen schon durch ihre altmodische Kleidung auf. Unter dem Spitz⸗ namen Jobs war Magnus stadtbekannt und wehe, wenn er einen erwischte, der diesen Ruf hatte erschallen lassen. Die Stallungen der Post zogen bis in die Brandgasse und endeten neben dem Hause des Magnus, da⸗ durch hatte der Alte oft Gelegenheit, in
diese Räume einzudringen und die Bedien⸗ steten mit seinem Jagdgewehr zu bedrohen.
Nach dem Brandplatz zu stand noch die Herrnscheuer mit dem Zollamt, der jetzigen
Gendarmerie, und gegenüber die Veterinär⸗ klinik mit der Reitbahn. An der jetzigen Senkenbergstraße war der Marstall mit eta 25 Pferden, dem zu dieser Zeit Herr von Kremp als Universitätsstallmeister vorstand,
Er hatte unmittelbar neben dem Zeughause
in dem langgestreckten, einstöckigem Hause
Wohnung. Im übrigen war es auf dem
Brand so ruhig wie auf dem Lande, außer
den Staatsbauten befanden sich dort nur noch das Dr. Kehr'sche Haus(jetziger Besitzer Her
Egly) und das Fuhr'sche Haus an der Brau⸗ gasse.
Postillione, wo die Tagesneuigkeiten und alle
Erlebnisse der Fahrten behandelt wurden. Daß dabei auch ein Viertelchen über den
Durst getrunken wurde, war bei diesen
wetterharten und trinkfesten Männern nicht
Seltenes. So möchte ich eine Aeußerung
wiedergeben, die der alte Wagner getan hat,
es ist die, daß zwei Pferde von Lhyncker den
Branntwein nicht ziehen könnten, den
schon getrunken habe. 0 Neben dem Löberschen Geschäft befand ic die ausschließlich wissenschaftliche Werke füh⸗ rende Buch- und Antiquitätenhandlung bol Kaufmann, diesem Hause gegenüber war! Spezereigeschäft von Ufer, jetzt im Besike der Gebrüder Michel. Dann folgte die großem landwirtschaftlichen Betriebe verbun⸗ dene Bäckerei von Christian Jughardt, ter der bekannte Gasthof„Zum Rappel der unter Plock durch seine gute Küche An seinen ausgedehnten Weinhandel einen
Die Bäckerei Löber an der Ecke der Brand⸗ gasse hatte in früherer Zeit auch einen fle- nen Wirtschaftsbetrieb, in dem hauptsächlih Branntwein und ordinäres Bier ausgeschenk wurde; das Haus war die Stammkneipe der
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