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bildern, den Fensterrosetten und Ornamen⸗ ten die Drachenköpfe und die verzerrten Ge⸗ sichtszüge der Wasserspeier herausragen, wie das die alten Baumeister gern an den Kir⸗ chenbauten angebracht haben. So auch steht jetzt im deutschen Volke Verschiedenartiges nebeneinander. Es ist aber unrecht, die an⸗ deren anzuklagen, auf sie die Schuld am nationalen Unheil zu werfen. Wir haben alle gesündigt, da ist keiner, der Gutes getan hat, auch nicht einer. Darum hat uns Gott schwer getroffen, darum hat er uns zerrissen und geschlagen. 2
unter solchen Umständen entsteht die Frage: was jetzt tun, wohin uns jetzt wen⸗ den? Der Prophet gibt in unserem Texte die einzig richtige Antwort. Kommt, so sagt er, wir wollen wieder zum Herrn. Schon manchem Menschen ging es so wie dem ver⸗ lorenen Sohne aus dem Gleichnis. Der war in die Fremde gegangen, hatte in der Welt gelebt, mit der Welt gesündigt und war mii der Welt elend und unglücklich geworden. Da wachte in seinem Herzen wieder der Zug mach der Heimat auf, aber auch der Zug zu dem Vater, und er sprach: ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen. Wie ein Kind, das der Vater strafen mußte, noch unter Tränen wieder nach seiner Hand faßt, so wollen auch wir zerrissenen und geschla⸗ genen Menschen die Hand unseres Gottes wieder fassen. Gewiß, wir haben Sünde ge⸗ tan, aber der Vater im Himmel will trotz⸗ dem, daß wir zu ihm kommen. Das ganze Neue Testament ist ja voll von der Ver⸗ kündigung, daß Gott will, daß die Sünder zu ihm kommen, im Mittelpunkte dieses heiligen Buches steht vor uns das Sühne⸗ ö
opfer, das Christus für uns gebracht hat. Sein Erlösertod ist immer noch wirksam. Es spricht der fromme Mensch, indem er seines Gottes gedenkt: Bin ich gleich von dir ge⸗ wichen, stell' ich mich doch wieder ein; denn dein Sohn hat ausgeglichen meine Schuld durch seine Pein. Bei Gott sind wir ja ge⸗ borgen. Laßt die Erschütterung über den ganzen Erdball gehen, die, die mit Gott ver⸗ einigt sind, haben Leben und Frieden. Es gilt für sie das Psalmwort: Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzet und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibet, der spricht zu dem Herrn: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.
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3.
Dieser Gott erfüllt auch das Wort: Er hat uns zerrissen, er wird uns auch heilen, er hat uns geschlagen, er wird uns auch ver⸗ binden. Nicht ewig währt der Krieg. Laßt zwei Jahre in das Land gehen, und auf den Kampfgebieten sind Städte und Dörfer wieder aufgebaut. Ueber den Gräbern grünt die Saat und singt die Lerche. Ich habe vor Jahren das Schlachtfeld von Wörth besucht, es war ein lachendes, fruchtbares Land im
Schein der Sommersonne. Auch die trau⸗ rigen Herzen wird der Gott des Friedens wieder mit Trost erfüllen. Wir sind in schwerer Lage. Sind wir jedoch die ersten Christen, auf die das zutrifft? Denkt an die Jünger des Herrn nach dem Ereignis auf Golgatha! Sie waren zerrissen und ge⸗ schlagen. Da wandern zwei von ihnen so tieftraurig auf dem Bergweg von Jerusalem nach Emmaus, entsunkene Hoffnungen gehen neben ihnen her, und sie sprechen klagend: Wir aber hofften, er sollte Israel erlösen. Und über das alles ist heute der dritte Tag, daß solches geschehen ist. Auch haben uns erschreckt etliche Weiber der Unsern, die sind frühe bei dem Grabe gewesen, haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben ein Gesicht der Engel gesehen, welche sagen, er lebe. So redeten sie, die Auf⸗
erstehung dünkte sie ein Märlein, und der
Totgeglaubte wandelte neben ihnen auf dem
Wege. Gott kann zerreißen und schlagen, aber er kann auch heilen und verbinden. Die
Rechte des Herrn, sagt der Psalmist, kann alles ändern. Ich will in euch keine trüge⸗ rischen Hoffnungen erwecken, aber ist es nicht
oft so gewesen, daß in Zeiten höchster Not,
wenn niemand Rettung und Hilfe sah, Gott ganz unerwartet geholfen hat in einer Weise, die vorher niemand ahnen konnte? War es
nicht schon oft ganz dunkel, und auf einmal drang Licht in die Finsternis? Im Jahre 1646 war Gießen von den Schweden be⸗ lagert, deren Heer an der Lahn bei Heuchel⸗
heim lag. Schon schoß der Feind, nachdem ein nächtlicher Ueberfall mißlungen war, Brandkugeln in die Stadt, alle Welt fürchtete einen Sturm auf die Wälle. Da kam ein verheerendes Unwetter, ein Gewitter brach
aus, ein Wolkenbruch entlud sich über dem
Lager der Schweden, die Pferde rissen sich
los, kamen im Schlamm und in den Fluten der Lahn um, ein Angriff auf die Stadt
konnte nicht mehr ausgeführt werden. Die Schweden sagten zu dem Pfarrer Feuerborn, der da kam, um um Gnade zu bitten, man sehe ja, daß Gott selbst für die Stadt streite. Wir bangen nun in tausend Nöten, vielleicht
ist Gottes Hilfe schon unterwegs.
Freilich, Gott offenbart seine Pläne nicht immer so deutlich, daß jedermann sie er⸗ kennt. Oft ist sein Pfad verborgen, lange Zeit verborgen. Es kann eine Generation von Menschen in das Grab sinken, ohne daß ihr das Geheimnis schwerer Heimsuchungen, die
über sie gekommen sind, offenbart wird, erst,
den Nachkommen wird dieses Geheimnis enk⸗
hüllt. Das ist klar: Gottes Wille ist es nicht,
daß wir mächtig und reich, sondern daß wir
selig werden. Und zum Seligwerden wollen
wir alle das neue Jahr benützen. An der
Klosterzehntscheuer zu Ebstorf in Hannover
stand folgender, aus dem Jahre 1622 stam⸗ mender lateinischer Spruch: Considera tria praeterita: Malum commissum, bonum ommissum, tempus ammissum! Das heißt
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