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Neuenwegerthor seyen die alten Männer und Weiber und die Spielleuth, die beyden Fischer und Lampes, vorangegangen. Wie sie wieder kommen, seyen alte und junge Leuthe dem Neuenwegerthor mit einander hinein kommen und hetten wieder einen Ver⸗ kleydeten bey sich gehabt, da gesagt worden, daß es der alte Debus gewesen, und wären darayf mit einander ins Hochzeit-Haus gan⸗ gen Endet darmit und ward erlassen.

3. Johann Henrich Böß, Bürger und Leinenweber alhier, sagte an Eydsst

Sstatt auf gethane Handgelöbnuß, daß bey der Hochzeit in ihrer Nachbahrschaft jüngsthin die jungen Bursch dem alten Gebrauch nach die Eyer mit Spielleuthen aufgehoben, darbey des Preschers Bub ein alt Narrenkleyd angethan und mitgangen, und seye dieser Bub kein Hochzeitsgast gewesen, sondern ar⸗ beite bei dem Ziegler, dessen Sohn Hochzeit gehalten, und habe es der Bub gethan, daß er ein Stück zu essen bekommen, der Nul⸗ lin Bub, so auch kein Hochzeitsgast gewesen, hette die Kitze, worin sie die Eyer gethan, getragen, und einen hohen Huth aufgesetzt, sich aber nicht verkleydet. Des andern Tags habe er nicht in acht genommen, wann die

Eyer aufgehoben. Den letzten Tag wären die

junge Burschen mit den Spielleuthen dem

Seltzersthor hinaus gangen und das Lamm mitgeführet. Der voran und hintenan ge⸗ gangen, haben Flinden und Bayonetten dar⸗ ein gehabt, habe vom Stroh und Wall⸗ meisters Sohn gehört. Dem Neuenwegerthor wären die alte Leuth mit Spielleuthen hin⸗ ausgangen, und habe er gehört, daß sie am Wald getanzet. Wie sie dem Thor wieder hinein kommen, habe er nicht gesehen. Die Leuth hetten gesagt, des Preschers Bub habe sich verkleydet gehabt, sonsten wisse er von nichts zu sagen.

4. Den[ten Augusti. Philips Bal⸗ thasar Otto, Bürger und Schumacher alhier, sagte uf gethane Handgelöbnuß an Eydsstatt, daß bey der Hochzeit in ihrer Nachtbahrschaft die vorige Woche die junge Burschen mit den Spielleuthen die Eyer, wie gebräuchlich, aufgehoben, da er gesehen, daß einige Bürger, als der Debus, Quirin

öber und Hardt, bey ihnen gestanden. Ob sie aber mit herumgangen, könte er eben nicht sagen. Der Verkleydete seye des Pre⸗ scherss Bub gewesen und des Nulls Buben hetten sie die Eyer zu tragen mit⸗ genommen, welcher sich aber nicht verkleydet gehabt, einen spitzen Huth hetten sie ihm aufgesetzt und ein Stecken in die Hand ge⸗ geben. Von Bürgern wisse er niemanden, so sich verkleydet habe. Die junge Burschen seyen mit dem Thurnmann nach dem Sel⸗ zersthor gangen und hetten 2 und 2 sich ge⸗ führt. Die Männer und Weiber seyen dem Neuenwegerthor hinaus gangen und hetten sich einen Hahn nachtragen lassen. Was sie draußen gemacht, könte er nicht sagen, hette nichts Ungebührliches auf der Hochzeit ge⸗

sehen, sondern die Leuth hetten sich lustig gemacht und getanzet, wie es auf Hochzeiten hergehe. Endet darmit und ward erlassen.

5. Den 5. Augusti. Johann He nrich Ludwig, Bürger und Becker alhier, sagte auf gethane Handgelöbnuß an Eydsstatt, daß auf seiner beyden Stieftöchter jüngsthin in seinem Haus gehaltenen Hochzeit sich nie⸗ mand als des Soldaten Presch ers Jung

verkleydet gehabt, nur darum, daß er ein

Stück zu essen bekommen. Die junge Bursch hetten dem alten Gebrauch nach die Eye aufgehoben und die Spielleuth bey sich ge⸗ habt und weilen einiger Bürger Weiber nicht zu Haus gewesen, wären dieselbe Bür⸗ ger mit den jungen Burschen nach ihren Häusern gangen und hetten ihnen die Eyer gelangt. Etliche wären ihnen nach ins Brandeweinhaus gangen, den Ein- und Auszug referirte Zeug wie die Vorigen, und daß darbey Niemand als des Pr eschers Jung verkleydet gewesen. Im Wald hetten sie um den Hammel getanzet, und wäre, wie gebräuchlich, wieder in die Küch gegeben wor⸗ den, Sonsten seye alles auf der Hochzeit

friedlich und still hergangen, und seye er

selbst auf der Hochzeit gewesen.

6. Johann Konrad Kannengie⸗ ßer, Bürger und Bender alhier, sagte auf gethane Handgelöbnuß aus, daß er auch auf der letzt hier gehaltenen Hochzeit gewesen und als die jungen Burschen den 2ten Tag die Eyer aufgehoben, wären ihrer etliche Bür⸗ ger nachgegangen, aber die meinste ins Chramer Beernbecken( Vorfahr der Familie Bernbeck) Haus stehen geblieben, des

Preschers Bub habe sich um das Essen

und Trinken verkleydet gehabt, der Ein⸗ und Auszug seye, wie alschon bezeugt worden, geschehen, und habe sich niemand schwarz ge⸗

macht. Sonsten wisse er von keinem Streit

und Gezänck, sondern es seye alles still zu⸗ gangen. Johann Daniel Schettel habe einmal im Haus aus Kurzweil eine .. und der Debus ein Leinenkleid an⸗ gehabt.

Nachschrift der Redaktion. Zu dem interessanten Aufsatze des auf dem Ge⸗ biete der hessischen Geschichte längst in hohem Ansehen stehenden HerrnVerfassers fügen wir eine Abschrift aus unserem Trauprotokolle hinzu, aus dem hervorgeht, was das für Hoch⸗ zeitsfeiern waren, bei denen es so überlustig zuging. Das alte Kopulationsbuch verzeich⸗ net für den 24. Juli 1695:Philipps Kel⸗ ler, Johannes Kellers, Bürgers und Lein⸗ webers alhier Eheleibl. Sohn, und Anna Elisabeth, Joh. Christoph Völckers S.(selig) Bürgers und Beckers nachgelassene Eheleibl. Tochter. Für den 25. Juli 1695 ist ein⸗ getragen:Johann Henrich Euler, Johann Jacob Eulers, Bürgers und Zieglers alhier Eheleibl. Sohn, und Margretha Ursula, Joh. Christoph Völckers S. Bürgers und Beckers nachgelassene Tochter. Interessant ist, daß die beiden Schwestern nicht an einem

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