Ausgabe 
17.8.1919
 
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Seht, wie die Christen einander so lieb haben, wie sie so treu, so ehrlich, so wahr⸗ haftig sind! Daß es ähnliche Christen⸗ menschen auch in Zukunft gibt, dafür wird der Gott sorgen, der schon so manches Men⸗ schenherz überwunden hat. Auch in Zukunft wird es sich erfüllen, was einst ein großer Säemann vom Reich Gottes gesagt hat, nämlich der Apostel Paulus, in seinem Briefe an die Römer geschrieben hat: Das Reich Gottes ist Gerechtigkeit, Friede und Freude im heiligen Geist. Wer darinnen Christus dient, der ist Gott gefällig und den Menschen wert. G. G.

dann er die Wacht gehabt. Den dritten Tag seyen die jungen Burschen und Weibsleuthe zwey und zwey dem Seltzersthor hinaus⸗ gangen und um die Schor bey dem Neuen⸗ wegerthor herkommen und nach dem Wald gangen, darein sie einen Tantz um ein Ham⸗ mellamm gehalten. Im Aus⸗ und Einzug seye einer mit Nahmen Johann Jakob

[Stroh vorangangen, welcher ein Bayonette

in der Flinde gehabt, deme die Spielleuthe, der Thurnmann und die Fischer alhier, auf den Geigen spielend, gefolget, hintenach seye Johann Henrich May, des Wall⸗ meisters Sohn, auch mit einer Flinde und

darein steckendem Bayonette gegangen, und

Gießener Hochzeitsbräuche(1695). Von Professor D. Dr. Wilhelm Diehl.

Am 9. September 1695 erschien eine Ver⸗ ordnung des Landgrafen Ernst Ludwig gegen diebey den Hochzeiten und andern ehr⸗ lichen Zusammenkünften im Schwang ge⸗ gangenen Ueppigkeiten. Es wird darin ge⸗ klagt, daßoft biß in die späthe Nacht darmit die Zeit zugebracht, auch darbey, unter dem/ Nahmen einer so genandten alten Gewohn⸗ heit, mit Umblauffen von Hause zu Hause und Eyer einsamblen, auch Außstreinen aus den Thoren in die Wälder, bey unziemlichen Schreyen und Tantzen in verstelleten Klei⸗ dungen und dererley üppiges Wesen mehr vor und unternommen, annebenst die Hoch⸗ zeiten mit großer Übermaß auff 2, 3, auch mehr Tage gehalten, und mit dem Tantz biß in die Nachtzeit hinein continuiret werde, wodurch so wohl auff denen Gassen als in denen Häusern sonderlich bey der Ju⸗ gend, wann sie solches mit ansehen, nicht geringe Aergernuß entstehet. Der Zweck der an alle Beamten und Geistlichen des Landes gerichteten Verordnung ist, daßdenen Ge⸗ meinden und Unterthanen das Mißfallen des Landgrafen überalles solches und an⸗ deres ärgerliches Unwesen, insonderheit das Verkleyden, Eyer Auffheben kund gemacht, solchesalles Ernstes und bey Vermeydung ohnaußbleiblicher Geld-, Gefängnüß⸗ und anderer Straffe gäntzlich und ernstlich ver⸗ boten, auch nicht gestattes werde, daß die Hochzeit⸗ und andere Gäste länger dann längstens biß umb 9 oder zehen Uhr des Abends beysammen bleiben.

Die Veranlassung zu der Verordnung gab ein Vorfall in Gießen, über den ein Inquisitionsprotokoll vorliegt, das uns genaue Nachrichten über Gießener Hochzeits⸗ bräuche gibt. Es lautet folgendermaßen:

1. Den 30. Julii anno 1695. Johann Henrich Mauß, Bürger und Thorschrei⸗ ber alhier, sagte auf gethane Handgelöbnuß an Eydsstatt, daß, als vorige Woche die bey⸗ den Völckerischen Töchter Hochzeit gehalten, die jungen Burschen, wie gebräuchlich alzeit gewesen, die Eyer aufgehoben, ob sie aber Spielleuthe bey sich auf der Gaß oder die Angesichter geschwärzt gehabt, wisse er nicht,

habe er bei dem Auszug keine verkleydete Person gesehen. Des Morgens habe er des Preschers, eines Soldaten, Buben von 12 oder 13 Jahren, auf der Gaß in einem alten Narrenkleyd herumspringen gesehen, sonsten seyen die Hochzeit-Leuth friedsam und still gewesen, könnte also von nichts weiteres sagen.

2. Den 31ten Julii. Johann Phi⸗ lips Fick, Bürger und Becker alhier, ward auf gethane Handgelöbnuß vernommen und sagte an Eyds statt aus: daß vorige Woche bey des Völckers Töchter Hochzeit der Thurnmann bey den jungen Leuthen und die 2 Fischer, Joh. Marx und Jacob, und Johann Philips Lampes, Bürger und Schneyder hierselbst, bey denen alten Leuthen mit Geigen aufgewartet. Als sie die Eyer zum erstenmahl aufgehoben, seyen die junge Bursch allein gewesen und hetten des Thurnmanns Gesellen und Jun⸗ gen sich über die Gaß spielen lassen, und hette einer ein Narrenkleyd angehabt und die Kinder weggepeitschet, wer aber dieser gewesen, könte er nicht sagen. Des andern Tags, als sie die Eyer aufgehoben, wären Bürger, nehmlich der Becker Weiß, der Weißbender Debus, Moritz Harth und Conrad Kannengießer, der Schneyder Lampes auf dem Neuen Weg, der junge Keller, Leinweber und Quirin Löber, Schumacher, darbey gewesen, het⸗ ten die 2 Fischer und Lampesen zu Spielleuthen bey sich gehabt, worzu noch des Thurnmanns Gesell und Junge kommen und seyen auch die jungen Bursch darbey gewesen,

habe den Verkleydeten damahls nicht bey

ihnen gesehen. Den dritten Tag seyen die jungen Burschen und Mägdchen dem Sel⸗ tersthor hinaus um die Schor nach dem Neuen Weg in den Wald gangen und darein um ein Stern⸗Lamm getanzet, bei diesem Auszug hette der Thurnmann mit seinen Leuthen über die Gaß gespielet, Jacob Stroh wäre voran gangen mit einer

Flinde und ein Bayonette darin stecken ge⸗

habt, und ein Degen angehabt, darauf die junge Leuth 2 und 2 nachgefolget. Zuletzt seye des Wallmeisters Sohn auch mit einer Flinde und darein ein Bayonette gangen und ein Tegen um sich gegürtet gehabt. Dem

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