Ausgabe 
16.3.1919
 
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Ein Pfarrer wird in seiner Gemeinde zunächst als Prediger bekannt. Schwabe war ein Prediger, der allezeit den rechten Her⸗ zenston zu treffen wußte. Das alte Evan⸗ gelium legte er in schlichter, ungekünstelter Form seinen Zuhörern aus. Ihm war die Predigt nicht dazu da, um in geistreichen Redewendungen zu glänzen, aber er war auch kein finsterer, weltfremder Eiferer, der Bildung und Wissen als ungöttlich ablehnte. Er war sich wohl bewußt, daß auch das moderne Wissen und die moderne Kultur

etwas Gottwohlgefälliges seien. Bis in die

Tage seiner Krankheit hinein las und stu⸗ dierte er eifrig, vor allem das Wort Gottes, die Bibel, aber auch wissenschaftliche Schrif⸗ ten mannigfacher Art. Wenn er auch nicht von seinen Studien redete, so wußten doch alle, die ihm nahestanden, daß er unablässig mit dem geistigen Leben unserer Zeit in Verbindung blieb. Gern beschäftigte er sich

in seinen Mußestunden mit medizinischer

Literatur, was ja bei dem Enkelsohne eines

Professors der Medizin nicht weiter ver⸗ wunderlich ist. Gerade in den schweren

Kriegszeiten hat Schwabe durch seine Pre⸗

digten viele Menschen aufgerichtet und ge⸗

tröstet. Unvergessen ist die Predigt, die er am 6. August 1914 bei dem Feldgottes⸗

dienste auf dem Trieb vor dem kriegsstarken

Infanterie⸗Regimente Nr. 116 hielt, bevor

dieses unsere Stadt verließ, um in den Kampf zu ziehen. Als das Regiment am

13. Dezember 1918 zurückkehrte, da war er leider ein todkranker Mann. Schwabe war ein Prediger, der durch die Lebendigkeit,

die Frische und den tiefen Ernst seiner Dar⸗ bietungen auf seine Zuhörer aufbauend und anregend wirkte. Besonders in den von ihm veranstalteten Kriegsbetstunden gewan⸗ nen viele die Ueberzeugung, daß hier ein Mann zu ihnen sprach, der von einem starken Christenglauben und einer warmen Liebe zum deutschen Volke getragen wurde. Den Ernst unserer Lage hat er während des

Krieges, wenn auch in der Oeffentlichkeit

ganz anders geredet wurde, nie verkannt.

Mit dem Verfasser dieses Nachrufes war er

nach den Kämpfen von Verdun im Früh⸗ jahre 1916 darin einig, daß dunkle Tage

über unser Volk hereinbrechen würden. Herz⸗ eindringlich waren namentlich auch die Ab⸗ schiedsworte, die er als Pfarrer der Gar⸗

nisongemeinde jedesmal an die ausmarschie⸗

renden Kämpfer richtete. Seine Tauf⸗

Trau⸗ und Grabreden zeigten, daß er mit seinen Gemeindegliedern empfand und die

Gabe besaß, ihnen an entscheidenden Wende punkten ihres Lebens Worte des ewigen

Lebens mitzuteilen.

Im Religionsunterrichte bewährte sich Pfarrer Schwabe als der treue Freund und Erzieher der Jugend. Freilich gegen sein Regiment durfte sich keiner auflehnen, er hielt die junge Schar in guter Zucht, und

der Ernst, der über sein Wesen gebreitet

war, teilte sich auch seinen Konfirmandeit mit. Sehr vielen unter diesen gab er heil⸗ same Anregungen auf den Lebensweg mit,

Das Hauptgebiet seiner Tätigkeit mat jedoch die Einzelseelsorge. Unermüdlich küm⸗

in treuer Weise bei. Wie oft konnte man ihn, namentlich in den Stunden des späten Vormittags, in die Häuser seiner Gemeinde gehen sehen. Zwischen reich und arm machte er keinen Unterschied, eher kann man sagen, daß ihm die Armen besonders am Herzen lagen. Wo er Not fand, suchte er diese zu lindern, in steter Zusammenarbeit mit der Gemeindeschwester. Den Irrenden redete er ohne Ermüden zu, die Straucheln⸗ den stützte er, keiner klopfte vergebens an seine Tür. Wer das Leben kennt, weiß, daß gerade diese Tätigkeit wenig in die Augen fällt, daß sie aber gar zu oft die Kräfte eines Mannes vor der Zeit aufreibt und verzehrt.

Bertold Schwabe war ein. ungemein fleißiger und pflichtbewußter Mann. Was hat er namentlich in den letzten Jahren für eine schwere und umfangreiche Arbeit ge⸗ leistet! Die Führung der Verwaltungsge schäfte der Gesamtgemeinde allein schon stellt eine respektable Arbeitsleistung dar. Da der Gemeindesekretär seit Beginn des Krieges im Felde stand, so lag in der Kriegszeit auch beinahe alle Schreibarbeit dem ersten Pfarrer ob. Die von Schwabe geführten Bücher, die von ihm verwahrten Akten zeigen seine Ordnungsliebe und Pünktlich⸗ keit. Auch die Leitung desAllgemeinen Vereins für Armen⸗ und Krankenpflege lag in seiner Hand. Dem Jünglings⸗ und Männerverein(Wartburgverein) widmete er viele seiner Abende. In früheren Jahren war er Leiter der Dekanatskrankenpflege, Dazu kam erst die Arbeit in der Markus⸗ gemeinde und die Arbeit als 127 pfarrer. Die Sitzungen des Gesamtkirchen⸗ vorstandes und des Pfarrkollegiums wußte er mit großem Geschick zu leiten. Es lag ihm ganz fern, in diesen Sitzungen allein

das Wort zu führen und es für die ganze Dauer der Sitzung zu behalten, er ließ in jeder Weise einen jeden zum Worte kommen, würdigte und achtete auch Meinungen, die den eigenen Ansichten entgegenstanden, und verstand es, vorhandene Gegensätze auszu⸗ gleichen. Wir, seine Kollegen, sind ihm, dem Dienstältesten unter uns, zu kiesem 1

Danke verpflichtet. Er hat unsere Arbei unterstützt und gefördert, wo er nur konnte, er war ein Mann des Friedens durch und durch.

Ein schweres inneres Leiden war die Ur, sache seines frühen Todes, man kann jedoch den Gedanken nicht loswerden, daß Ueber⸗ anstrengung den frühen Verfall der Kräfte herbeigeführt hat. Gott hat ihn am Ende seines Lebens in seine Kreuzesschule genom⸗

merte er sich um seine Gemeindeglieder, Allen, die Trost und Rat bedurften, stand er

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