Ausgabe 
15.6.1919
 
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2, Müller 3, Perückenmacher 3, Posamen⸗Mertesmänner feilgeboten und fanden tierer 2, Seifensieder 3, Seiler 6, Schorn⸗ unter der massenhaft zuströmenden Land⸗ steinfeger 3, Spezereihändler 27, Stein⸗ bevölkerung reißenden Absatz. Besonders der druckereien 3, Tabaffabriken 3, Tapezierer 3,Kirschenmarkt brachte der Stadt eine Uhrmacher 4. Menge Gäste, die von weit und breit her⸗ Separat aufgeführt sind die Leichen⸗ kamen. Auf ihm erschienen auch alljährlich besorger, als welche ein Schneidermeister und in ihren malerischen Trachtendie Hessen⸗ ein Schuhmachermeister erwähnt sind. Die länder, für die der Gießener Kirschenmarkt Zusammenfassung ganz verschiedenartiger eine Art Verlobungsmarkt bildete; denn Gewerbe zu einer Zunft, z. B. das der Hut⸗ hier wurde von den jungen Leuten, die sich macher und Strumpfweber, der Sattler und heiraten wollten, die Sachefestgemacht, Zinngießer, der Spengler und Kammacher und die Ringe wurden gekauft. Die Schau⸗ mutet eigenartig an, ebenso die Gepflogen⸗ steller auf dem Markte, die Wirts- und heit, die Leichen durch einen Schneider⸗ und Kaufleute machten dabei gute Geschäfte; Schuhmachermeister besorgen zu lassen. denn die meist gutsituierten Besucher aus Jedenfalls handelte man dabei nach einer dem hessischen Hinterland ließen mit echt alten Ueberlieferung und in der Erkenntnis, bäuerlicher Protzenhaftigkeit das Geld daß das Ankleiden eines Verstorbenen eben springen. Sang und Klang an allen Ecken von jemand besorgt werden müßte, der mit und Enden! Auf der Straße die Orgel⸗ Kleidern bzw. Schuhen umzugehen verstand. spieler, die eine rechte Plage bildeten, und Außerdem waren diese beiden, Zünfte am fahrende Musikkapellen, welche eine selbst stärksten vertreten, und es wird daher bei ausgedachte Uniform, meist aber Berg⸗ manchem der Meister in der kleinen Stadt knappenuniform trugen. Auch Harmonikg⸗ knapp hergegangen sein und ein Neben⸗ und Violinspieler suchten sich auf der Straß verdienst geboten gewesen sein. Das Hand⸗ und in den Schenken ein paar Kreuzer zu werk wurde meist in kleinen, niedrigen Werk- verdienen, und es wird sich wohl, mancher stätten betrieben. Kraftbetrieb gab es nicht alte Gießener noch des alten Ihm er⸗ und auch von Handbetriebsmaschinen war innern, der, unbeirrt von dem Straßen damals noch nicht viel zu sehen. Vielfach getöse, in abgehacktem Rhythmus sein Leib⸗ benutzte man die Straßen zur Ausführung liedPrinz Eugen, der edle Ritter sang der Arbeiten; die Schmiede beschlugen die und es mit ebensolchen Violinstrichen be⸗ Pferde vor dem Hause und reparierten auch gleitete. da die Fahrzeuge. Das letztere galt auch von Gegen Abend erklangen aus den zahl⸗ den Stellmachern. Die Schreiner stellten die reichen Wirtschaften die schwermütigen paarweise zusammengeleimten Dielen wider Weisen des Landvolkes von Lenz und Liebe, die Hauswand, die Posamentierer(Kattrein von Entsagung und Herzeleid, was die Sän⸗ und Schulze) drehten ihre Schnüre in der ger aber nicht hinderte, sich auf der Hein Sonnenstraße vor demKlub⸗Hause, und fahrt gehörig die Köpfe zu verprügeln, die Blaufärber Busch und Haubach trockneten Hoc erat in more majorum.(So waren ez die auf Holzschablonen gezogenen Strümpfe die Vorfahren schon gewöhnt. Ein alther in lang aufgestellten Reihen an den Häusern gebrachter Brauch beschloß den Kirschen der Sonnenstraße und dem Kreuzplatze ent⸗ markt mit einemBall, bezeichnenderweißt lang. Letzteres geschah noch in den 70er dieHetz genannt, in derPromenade, Jahren. Heute könnte man dies wohl nicht zu dem der damalige Wirt den Rotwein wagen, denn die Strümpfe würden wandern, vorherzurechtmachte. Es muß dies eine ohne daß Beine darin steckten. Art Schwarzkunst gewesen sein; denn daß An den Häusern der Metzger waren auf Produkt entfesselte alle bösen Geister, iin der Straßenseite Haken angebracht, an wel⸗ deren nächtlichen Spuk die Beschaffenhei chen das Fleisch aufgehängt wurde. Seiler des Wirtschaftsinventars andern Tags einen und Sattler brachten in Ermangelung eines schlagenden Beweis lieserte. 1 Ladens mit Erkern ihre Erzeugnisse eben⸗ 5 In der Heimat hatten dann die Markl falls auf der Straße zur Schau. Erstere besucher ein Jahr lang Zeit, in der Erinse⸗ hatten auch das Privilegium der Fackel⸗ rung an den Gießener Kirschenmarkt a anfertigung für die studentischen Fackel⸗ schwelgen, Für die Gießener war er ein d züge bei Anfang und Schluß des Semesters erster Ordnung, ein goldener Mittwoch. De sowie bei Begräbnissen mit studentischen Geschäftsleute wurden manchen Ladenhüter, Ehren. Dieser alte Brauch hat auch sein die Brauereien ihrMahtbäier Markl Ende gefunden, weil durch die dieser Feier bier) und die Besucher ihr Geld los. So pp beiwohnende Volksmenge die Gräber in der allen geholfen. i rücksichtslosesten Weise zusammengetreten Die Gießener Kleinkaufleute bildeten e wurden. Die Bäcker hatten vor den Fen⸗ patriarchalisches Völkchen. In ihren mei stern des Erdgeschosses blumenbankähnliche kleinen Lädchen mit den bescheidenen N Behälter, in welchen die Backwaren aus⸗ fern hatten sie ihre Spezialitäten aufge gelegt waren, deren Verkauf von da aus stapelt. Ueber der Theke hingen an eine erfolgte. An Markttagen wurden dieStern⸗ bogenförmigen Flacheisen mit Haken, al wecke und in der Zeit des Martinstages die Bindfaden aufgezogen, haufenweise und

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