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Gemeindeblatt für die evangelische Kirchengemeinde Gießen
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Gießen, Trinitatis, den J5.
Juni 1919 8. Jahrgang
Die heilige Dreieinigkeit. Brief des Apostels Paulus an die Korinther 1 13 Die Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen! Grüblerisch gerichtete Menschen haben schon viele Stunden damit zugebracht, über das Geheimnis der heiligen Dreieinigkeit
nach zudenken. Sie wollten ergründen, wie N 1 das möglich sei, daß Gott, der Vater, und
der Sohn, und. der heilige Geist drei unter⸗ schiedliche Personen, 5 einem einigen, ewigen, sen seien. In alten Kirchenversammlungen lebhaft über diese Frage gestritten, in neuerer stig regsame Menschen gelegentlich
tzertrennlichen We⸗
mit Hilfe
den gesucht. Ein Friedrich von Kloeden, dessen Jugenderinne⸗ rungen wir vor zwei Jahren im„Sonntags gruße“ abgedruckt haben, hat Gottes
sonen gesehen.
Doch wird alles Grübeln und Nachdenken hier den Geheimnissen Gottes nicht auf die Spur kommen. kindliche Glaube. Paulus stellt das Wesen der Dreieinigkeit so schön dar, wenn er sagt: Wir haben die Gnade des Herrn Jesu C hristi, die Gnade, die sich dem Sünder zuneigt, die sich am Kreuze sagt weiter: des Gottes, der unser Vater ist, der uns ver⸗ sorgt und auf rechter Straße führt. Wir haben endlich, so ißt seine Meinung, die Ge⸗ meinschaft des heiligen Geistes, der uns in
alle Wahrheit führt, der die Christen mit⸗
einander verbindet und sich auf Erden eine Kirche gegründet hat. In diesem Worte, dem Segenswunsche, mit dem der Geistliche in der Regel von der Kanzel die Gemeinde grüßt, ist alles zusammengefaßt, was wir über die Dreieinigkeit oder Dreifaltigkeit, oder, wie man mit dem Fremdworte sagt, über die Trinität zu wissen nötig haben. In alten Zeiten hat dieser Glaubenssatz mehr Bedeu⸗ tung im Leben gehabt als heute. Viele Kir⸗ en nannte man bei ihrer Erbauung Drei⸗ faltigkeits⸗ oder Trinitatiskirchen, und keine
Gnade unseres Herrn
Luther sagt, in
Zeiten hat man auf se lag tagsüber Zeit haben gei⸗ er zumeist in der der Mathematik dieses Geheimnis zu ergrün⸗ trefflicher Mann, Karl mit einer W917 1270 Freunden am Biertisch zusammenf fand. Diese in der Form eines Dreiecks dargestellt und in den drei Seiten die unterschiedlichen Per⸗
im Skat⸗ od Viel besser erfaßt diese der
so herrlich offenbart hat. Er Wir haben die Liebe Gottes,
Blaufärber reien 4,
gestellt. So beginnt die Urkunde über die Gie ßener Totenwart⸗Stiftun ug aus dem Jahre 1635 mit den Worten:„Im Nahmen der Hochgelobten Heyligen Dreyeinigkeit Gottes Vatters, Sohns und heyligen Geistes.
Amen.“ Möchte das Geschlecht unserer Tage die Gotteswahrheit, die in diesem Glaubens⸗ satze ruht, wieder ernstlicher erfassen! H. B.
Geschichten und Bilder aus Alt⸗Gießen. 14. Der Gießener Bürger und seine Vaterstadt um die Mitte des 19 Jahr hunderts (Fortsetzung.)
Der Gießener„Kernbürger“ war in seinen Lebensgewohnheiten konservativ. Er seinem Handwerk ob, war gründlich. Die Abende brachte Familie zu, und nur der Mittwoch⸗ und Samstagabend galten als althergebrachte Ausgehtage, an denen er sich Anzahl von Bekannten und
fleißig und
Tafelrunden tagten jahrein, jahraus in den⸗ selben Wirtschaften, und es mußte schon ein besonderer Anlaß vorliegen, wenn sich ein⸗
mal einer in 10 anderes als das gewohnte
Stammlokal verlief. Der Zeitver treib bestand er„Schafkopp“⸗Spiel, im Poli⸗ tisieren und in der Unterhaltung über das Handwerk, den Ackerbau und die Viehzucht, je nach dem Beruf, aus dem sich die Gesell⸗ schaft e isetzte. Im Jal zre 1840 blühten in Gießen die Zünfte. Sie waren wie folgt eingeteilt: Bäckerzunft: 40 Meister, Metzgerzunft: 38 Meister, Gerber⸗ und Kürschnerzunft: 12 bzw. 6 Meister, Hutmacher⸗ und Strumpf⸗ weberzunft: 2 bzw. 3 Meister, Küfer⸗, Glaser⸗ und Drechsler 1„ b 3 Meister, Maurer⸗, Steindecker⸗ und Weiß⸗ binderzunft: 7 bzw. 4 bzw. 9 Meister, Schneiderzunft: 85, Schreinerzunft: 46 Meister, Schlosser⸗, Büchsenmacher⸗, Wag⸗ ner⸗, Schmiede⸗ und Messerschmiedezunft: 1 5, 5, 5 Meister ee
118 Meister, Spengler⸗ 9 Gürt⸗
ler- und Rotgießerzunft: 9, 2, 1, 2 Meister, Zimmerzunft: 7„Heier
Als„unzünftige“ Gewerbe verzeichnet das Adreßbuch: Apotheker. Barbiere 7, 2, Buchbinder 11, Buchdrucke⸗
Zigarrenfabriken 95 Ellenwaren⸗
Grundsteinlegung auch weltlicher Bauten er⸗ handlungen 19, Gasthäuser 8, Goldschmiede
folgte, ohne daß man vorau Sschickte: Im Na⸗ I, Großhändler 4, Kaffeehauser 2,
men der heiligen Dreieinigkeit! Auch wichti⸗ gen Urkunden wurde diese Einleitung voran⸗
Knopf⸗
macher 2, Lederhandlungen 35 Leineweber 75
Lit ikörf fabrifen 25 Materialisten 2, Mechaniker


