Ausgabe 
12.10.1919
 
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Herr Geh. Justizrat Hirschhorn Herr Dr. Ebel und Herr Kriminalrichter Klingelhöffer wohnten zusammen in dem schon genannten Klingelhöfferschen Besitztum.

Vom Lehrerstand erinnere ich mich nur des Herrn Professors Dr. Bindewald im Rögnerschen Hause, dagegen war der Hand⸗ werkerstand sehr gut vertreten. Da war das Geschäft des Weißbindermeisters Petri, wel⸗ ches ja heute noch in der vierten oder fünf⸗ ten Generation besteht. Ferner wohnten da Schuhmacher Zutt, die Witwe des Schuh⸗ machers Becker, die Witwe des Glasers Hans mit ihren alten Gesellen, dem Schwa⸗ ben Joseph, außerdem Schreiner Schneider. Die Bautechniker waren durch Herrn Köhler vertreten. Außerdem sind zu nennen: Korb⸗ macher Braun, der schon erwähnte Post⸗ glaser Franz, der Schmied Weidig, der Schneider Schneider im Hause Wissig(später Frutig), die große Sattlerei von Kühne, die Geschäfte von Metzger Stooß und Küfer Bausch. Hierzu gehörte der als Rentner lebende alte Schlossermeister Abraham Vogel aus der Hundsgasse, welcher das Katzsche Haus besaß, in dem auch die hochbetagten Eltern des bekannten Regimentsschuhmachers Rödel mit ihrer Tochter wohnten; dazu kam noch der Chirurg und Heilgehilfe Lotze und das Haus von Calme Reis, wo später die Lederhandlung von Fischer war und jetzt die Pfeiffersche Buchhandlung sich befindet, DQDaran schloß sich die Bäckerei von Karl Wallenfels, das Tuchgeschäft von Hirsch⸗ horn und das Geschäft von Kappenmacher Eif. Im Zuge der Walltorstraße waren noch die Geschäfte des Bürstenmachers Win⸗ ter, des Schuhmachers Hering, des Uhr- machers Schmidt, die Lederhandlung von Bär und Bamberger, das Eisen- und Spe⸗ zereigeschäft von Hensel(jetziger Inhaber Fritz Jung). Auch stand dort das Haus des Uhrmachers Geismar, früher im Besitze der Familie Heichelheim und, wenn ich nicht irre, das Geburtshaus des Herrn Geheimen Kommerzienrates Heichelheim. (Fortsetzung folgt.) Berichtigung. In der vorigen Nr. steht da, wo von dem alten Postgebäude die Rede ist, eine Zeile, die später noch einmal kommt, an falscher Stelle und ist mithin zu streichen. Es ist die Zeileschaft ging durch über den Schoorgraben.

Unsere Zeitgenossen haben sehr viel In⸗ teresse für Familiengeschichte. Wir wissen, daß wir in allem, was wir sind, daß wir leiblich und geistig durchaus von unseren Vorfahren abhängig sind. Leibliche und geistige Eigentümlichkeiten erben von einer Generation zur anderen, man denke da nur an die kräftig entwickelte Unterlippe der Habsburger. Als zur Zeit des deutschen Bundes ein österreichischer Erzherzog als 1

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FBraͤr Geschichte der Gießener gamilien-

Gouverneur nach Mainz kam und sich vom Balkon seines Dienstgebäudes zum erstenmal den Mainzern zeigte, da rief jemand aus der Menge derb und witzig:Ja, es ist ein Habsburger, man sieht es an dem Unter⸗ m-. Es ist deshalb keine verlorene Mühe, wenn wir der Geschichte unserer Vorfahren nachforschen, wenn wir zum mindesten zu ergründen suchen, wie unsere Ahnen ge⸗ heißen und welche Lebensstellung sie ein⸗ genommen haben. Die meisten der jetzt Lebenden wissen von ihren Vorfahren nicht viel. Vom Großvater, im besten Falle vom Urgroßvater haben sie noch Kunde, darüber hinaus verliert sich die Geschichte ihres Geschlechtes im Dunkel. Hier nun geben die Kirchenbücher, aber auch nur für eine ge⸗ wisse Zeitspanne, Auskunft. Viele Kirchen⸗ bücher sind im Dreißigjährigen Kriege und dann in den Franzosenkriegen am Ende des 17. Jahrhunderts vernichtet worden, so daß sie in Rheinhessen zumeist erst um das Jahr 1696 ihren Anfang nehmen. Selbstverständ⸗ lich sind die Kirchenbücher nur in den Gegenden untergegangen, durch die die Kriegsfurie zog. Die Kirchenbücher der evangelischen Gemeinde Gießen haben die Zeit der großen Kriege des 17. Jahrhun⸗ derts überdauert. Hat doch die Stadt Gießen das Glück gehabt, niemals während dieser Zeit von feindlichen Truppen besetzt zu werden. Die Schweden, die 1646 vor der Stadt lagen, sind, nachdem ein Wolkenbruch auf ihr Lager niedergegangen war und dieses in Unordnung gebracht hatte, bald wieder abgezogen. Die Beschießung durch die Franzosen im Jahre 1796 hat nicht viel Schaden gebracht.

Unsere Kirchenbücher beginnen mit dem Jahre 1575. Das älteste Buch, das wir auf⸗ bewahren, verzeichnet die Taufen, die in den Jahren 1575 bis 1593 erfolgt sind. Leider fehlt das Taufbuch von 1613 bis 1619, von da an sind diese Bücher lückenlos erhalten. Die Trauungen hat man von 1586 an aufgezeichnet. Bis zum Jahre 1601 sind diese Protokolle vollständig vorhanden, von 1601 an klafft eine Lücke, erst im Jahre 1637 werden die Trauungen wieder aufgezeichnet, von diesem Jahre an reicht das Verzeichnis bis zur Gegenwart weiter. Die Verstorbenen bzw. die Beerdigten hat man von Dezember 1594 an aufgeschrieben, am 22. September 1601 reißt hier der Faden wieder ab. Dagegen sind die Bücher, die die Beerdigungen protokollieren, von Januar 1614 an wieder lückenlos erhalten, so daß wir über die Sterblichkeit während des . Krieges genau unterrichtet ind.

Die hier veröffentlichte Arbeit beruht auf den Einträgen dieser Kirchenbücher, sie will für eine Reihe von hiesigen Familien auf⸗ zeichnen, wann sie zum erstenmal in un⸗ seren Verzeichnissen auftauchen, und will ebenfalls nur für einige Familien den Zu⸗