Jungen für sie eine gute Stütze in ihrem Haus halt als Gegenleistung für all das Schöne und Edle, welches dort in unsere jungen Seelen eingepflanzt wurde. Ganz be⸗ sonders zog mich eine schöne Pfeifenkopf⸗ sammlung an; diese Pfeifenköpfe waren. jedenfalls alle von Herrn Bieler selbst ge⸗ malt. Nachdem er seinen Beruf wegen hohen Alters aufgegeben hatte, machte er mir einige dieser Köpfe zum Geschenk, wovon noch einer, die Badenburg darstellend, in meinem Be⸗ sitz ist. Herr Bieler war ein Bruder des Ren⸗ danten Bieler, welcher unter Napoleon I. den Rückzug über die Beresina mitgemacht hatte und im hohen Alter von bald 100 Jahren gestorben ist.(Rendant Adolf Bieler, geboren am 27. 1 1791, starb am 26. Januar 1884. D. Red.)
Das Limperlsche Haus(jetzt Bäckerei Klin⸗ gelhöffer) steht zwar noch, doch der schöne Garten ist zum Teil verschwunden und ber⸗ baut. Das Fräulein Limpert mit ihrem gro⸗ ßen Kapottehut aus gelbem Stroh, mit den Ziegen an der Leine, welche von früh bis spät im Garten tätig war, konnte es trotzdem nicht verhindern, daß die bösen Buben ein⸗ drangen und sich gut schmecken ließen, was der liebe Gott für alle wachsen ließ. Weit draußen am verlängerten Asterweg(jetzt Steinstraße) steht das Pfaffsche Haus, es ist moch der einzige Bau, welcher von einem großen Brand in der K Katzensteinschen Holz⸗ schneiderei anfangs der 60er Jahre geblieben ist. Herr Katzenstein hatte sich beim Versuch, den Dampfkessel abzustellen, sehr schwere Brandwunden an Gesicht und Händen zu⸗ gezogen und nur durch die energische Hilfe eines Schreiners aus Großen⸗Buseck wurde er vom chere Tode gerettet und eine Ex⸗ plosion des Dampfkessels dadurch verhütet. Herr Katzenstein hat sich, so lange er lebte, seinem Lebensretter stets dankbar erwiesen. Der frühere Besitzer dieses Grundstücks mit seinen anstoßenden Wiesen, war ein verschro⸗ bener Junggeselle namens Bärmann; er machte auf uns Jungen durch seine 24 Zie⸗ gen die er hielt, den Eindruck eines Krösus, den wir aber nur aus einer gewissen Ent⸗ fernung kennen lernten. Die Plochsche und die Klingelhöffersche Besitzung begrenzten die Häuser Gerth, Weidig, Gans, Wagner, Schneider und Köhler mit ihren ausgedehn⸗ ten Gärten sie nahmen den Raum von der Dammstraße bis zum Asterweg ein, wo sich nur die schmalen Gärtchen von Wagner, Schneider, sowie an den Asterweg anf schlie⸗ ßend, das Zuttsche und das Petrische Gürt⸗ chen bis zum Schoorgraben hinzogen. Das bekannte Studentenlied„Wo sind sie, die vom breiten Stein nicht wankten und nicht wichen!“ fand auch auf den Asterweg An⸗ wendung, denn breite Steine befanden sich dort noch Anfang der 60er Jahre. Unzählige⸗ mal machten wir Kinder unsere Sprünge von einem zum anderen dieser breiten Steine, welche in der Mitte der Straße lagen. Durch
— 162— die Umpflasterung schwand dieses Stück des
alten Gießen dahin, mit ihm auch die Treppe am Schoorbach. Von dieser Zeit an war die die Straße auch für Fuhrwerk geöffnet.
Herr Karl Ploch, ein Junggeselle, bekannt durch seinen steten Begleiter, den schwarzen Bernhardinerhund Barry, hatte auch eine schöne Zucht von Kanarienvögeln und an⸗ 1 Vögeln. Ich habe oft in diesem trau⸗ ten Junggesellenheim geweilt und mich sehr an diesen gefiederten Sängern erfreut. Der junge Arzt, Herr Dr. Fritz Ploch, nahm an uns Buben oft Messungen des Körpers vor, welches uns best ein Sechskreuzerstück einbrachte. Im Metzlerschen Hause wohnte später der Schuhmachermeister Emil Junker, er war bekannt als Meister im Trommeln. Eine große Zahl von Knaben sowie von Feuerwehrleuten— er selbst war Feuer⸗ wehrmann— hat er in dieser Kunst aus⸗ gebildet. Herr Junker war ein Bruder des verstorbenen Kommerzienrates Karl Junker und Gründers der bekannten Firma Junker und Ruh in Karlsruhe.
Es wurde zu weit führen, wollte ich jede einzelne Familie hier anführen, jedoch möchte ich noch einiger gedenken
Im Plochschen Nebenhause wohnte der be⸗ kannte Photograph Schlosser, dessen bunte Photographien noch in vielen hiesigen Fa⸗ milien erhalten sind. Gegenüber dem Weidig⸗ schen Hause stand das Wortmannsche Haus, jetzt der Frau Benzler gehörig, mit seinem damals so zierlichen Hausgärtchen, welches von dem vor einigen Jahren verstorbenen Fräulein Wortmann gepflegt und bebaut wurde. Herr Wortmann war Richter, und
morgens, wenn es zur Schule kläppte, dann konnte man auch die andern Herren Richter vom Asterweg— es
waren deren vier—, bekleidet mit ihrer Gerichtsuniform, den Beamtendegen zur Seite, die Straße entlang gehen sehen. Herr Wortmann hatte zwei Söhne, welche als Konsuln in Gibraltar tätig waren, der jüngere starb daselbst, der ältere— Georg mit Vornamen— war noch lange Jahre als Bankdirektor hier tätig und starb vor einigen Jahren in hohem Alter.
Neben dem Wortmannschen Haus stand die Jughardtsche Scheuer, welche 1854 ab⸗ brannte und zum Besitztum des Gasthauses „zur Trompete“ an der Brandgasse ge⸗ hörte. Ich war damals ein Jahr alt und habe dieses schauerlich schöne Bild aus dieser Nacht in der Erinnerung gehabt, ohne zu wissen, was es war, bis ich von meinen Eltern und älteren Geschwistern dare Aufklärung bekam. Ich habe mir schon oft die Frage vorgelegt: Haben Kinder Erinne, rungen aus einem Alter von einem Jahr?
Herr Ploch war ebenfalls Richter; sein Haus war das Stammhaus der in Hessen weitverzweigten Nebelschen Familie. Daselbst wohnte auch einige Jahre der bekannte Rechtsanwalt Herr Dr. Rosenberg und später
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