Ausgabe 
12.1.1919
 
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der deutschen Lehrerschaft teile diesen Stand⸗ punkt nicht, sondern halte diesen Unterricht für die Krone des ganzen Schulbetriebes. Gespannt und ergriffen lauschte die große Versammlung, als der Redner mitteilte, wie es ihm in seiner Tätigkeit als Schulleiter oft vorgekommen sei, daß ein kränklicher Lehrer, dem man zu seiner Entlastung Stun⸗ den abnehmen wollte, unter keinen Umstän⸗ den die Religionsstunde abgeben wollte. Der bloße Moralunterricht sei zu verwerfen, nur an den Gestalten der Bibel könne man dem Kinde lebenswahr das Gute und Große vor die Seele stellen. Der Redner schloß seine warmherzigen und eindrucksvollen Ausfüh⸗ rungen, indem er darauf hinwies, wie durch den Religionsunterricht der Schule das Elternhaus in segensreicher Weise beeinflußt werde.

Zum erstenmal, seitdem die Johannes⸗ kirche steht, kan; an diesem, Tage in ihr auch eine Frau zu Worte. Frau Martha Sievers sprach als Mutter zu den anwesen⸗ den Müttern von dem Segen der Kirche. Die Rednerin schilderte die Freude des Hauses, wenn ein Kind geboren wird, sie

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großer religiöser Wärme und von inniger Liebe zur evangelischen Kirche getragenen Ausführungen, indem er darauf hinwies, daß über der Eingangstür des alten, im Jahre 1603 erbauten Rathauses seiner rheinhessi⸗ schen Heimatgemeinde unter dem kurpfälzi⸗ schen Wappen das Wort geschrieben stehe: Regier mich, Herr, nach deinem Willen! Dieses Wort müsse auch weiterhin die Losung für Hessen und für das ganze deutsche Vater⸗ land sein. Das Schlußwort sprach Pfarrer Bechtolsheimer. Er machte darauf auf⸗ merksam, daß die Kirche trotz aller Voraus⸗ sageu ihrer Gegner auch heute noch eine Macht sei, mit der auch ihre Widersacher nechnen müssen, und eine Größe, die in dem Herzen des deutschen Volkes fest verankert sei. Seit vier Jahrhunderten sei die evan⸗ gelische Kirche die Macht, die Geschlecht um Geschlecht hinaufführe zum Lichte Gottes, aber auch eine Macht, die für Volkswohl, Volksbildung, für die Armen und Elenden mehr getan habe und noch tue als irgend⸗ eine andere Organisation. Wer die Arbeit der Kirche unwirksam mache, schädige das deutsche Volk.

sprach mit weihevollen Worten vom Segen Trotz der großen Enge und der heißen der Taufe und wies auf die kirchlichen Ein⸗(Temperatur, die in der Kirche herrschte, hielt richtungen hin, die wie Krippe und Klein⸗ die Versammlung aus, bis die Tagesordnung kinderschule die Eltern bei der Erziehung um 7 Uhr erschöpft war. Mit dem Gesang

ihrer Kinder unterstützen. Groß sei die Be⸗ deutung der Kinderkirche, ein hoher Bil⸗ dungswert ruhe in den biblischen Geschich⸗ ten. Besonders viel gebe die Kirche dem Kinde in der Zeit des Konfirmandenunter⸗ richtes. An dieser Erziehungsarbeit sei die Mutter innerlich auf das stärkste beteiligt. Nur durch den Glauben seien die deutschen Mütter ausgerüstet worden, ihr schweres Leid zu tragen, wenn ihre Söhne für das Vater land gefallen seien. Landgerichtsrat

von zwei Versen aus dem LiedEin' feste Burg ist unser Gott wurde die Tagung be⸗ schlossen. Wohl noch niemals ist die Jo⸗ hanneskirche von so vielen Menschen besucht gewesen als an diesem Tage, der einen Mark⸗ stein in der Geschichte der evangelischen Ge⸗ meinde Gießen bildet.

Kirchliche Anzeigen.

Sonntag den 12. Januar(1. Sonntag nach

Schmahl beleuchtete sodann die Frage Trennung von Staat und Kirche vom juristischen Standpunkte. Er gab einen ge⸗ schichtlichen Ueberblick über die Beziehungen, die heute noch bestehen. Wenn der Staat seine finanziellen Zuwendungen an die Kirche ganz einstellen wolle, so könne das nur als ein Rechtsbruch angesehen werden. Es sei wünschenswert, daß bei einer Neu⸗ ordnung der Verhältnisse die staatliche Verpflichtung der Kirche gegenüber durch

Ablösung geregelt werde. Unbedingt sei die Sonntagsfeier zu schützen, wie auch der christ⸗ liche Charakter unseres Volkslebens erhalten bleiben müsse. E radikale Lösung der schwierigen Frage sei entschieden abzulehnen. die Verhandlungen über eine etwaige Tren⸗ mung von Staat und Kirche brauchten unter Umständen die reifliche Ueberlegung meh⸗ rerer Jahre. Wie tief die Kirche in die Seele unseres Volkes eingedrungen ist, be⸗ legte der soeben nach vierjähriger Tätigkeit als Kriegsgerichtsrat aus dem Felde heim⸗ gekehrte Redner durch einige Beispiele aus seinen Kriegserlebnissen. Er schloß seine von

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thäusgemeinde.

Jugend der Lukasgemeinde.

Epiphanias). Kollekte für die Heidenmission. Gottesdienst.

In der Stadtkirche. Vormittags Uhr: Pfarrer Mahr. Vormittags 11 Uhr: Mili⸗ tärgottesdienst: Pfarrer Ausfeld. Nachm. 2 Uhr: Kinderkirche für die Matthäus⸗Ge⸗ meinde. Abends 5 Uhr: Pfarrassistent Schäfer. Abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Mat⸗ Dienstag den 14. Jan., nachmittags 4 Uhr: Frauenmissionsverein.

Freitag den 17. Januar, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Matthäusgemeinde.

In der Johanneskirche. Vormittags Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Vormit⸗ tags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukas⸗ gemeinde: Pfarrer Bechtolsheimer. Abds. 5 Uhr: Pfarrer Adolph. Abends ½8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Johannesgemeinde.

Verantwortlich: Pfarrer Bechtolsh eimer. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts⸗Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange,

Gießen.

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