Ausgabe 
12.1.1919
 
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Willen des Allmächtigen, jo ist auch diese furchtbare Heimsuchung nur mit seiner Zu⸗ lassung über uns gekommen, und das eine stellt sich uns mit aller Klarheit vor die Augen: es war und ist der Wille Gottes, uns auf das schwerste zu treffen. Nun ist es, seitdem die Welt steht, so und wird, solange die Welt stehen wird, so bleiben, daß, wenn ein Ereignis wider Erwarten einen unheil⸗ vollen Ausgang nimmt, die daran Beteilig⸗ ten sich gegenseitig schwere Vorwürfe machen. Hat der Sieger immer recht, so muß der Besiegte allen Ingrimm der mit ihm in das Schicksal Verflochtenen entgelten. Es ist eine ernste Gewissensfrage, ob das deutsche Volk, ob seine Führer die gegenwärtige traurige Lage verschuldet haben. Diese Frage kann man nicht so im Handumdrehen beantworten. Die Geschichte der letzten 53 Monate und die Geschichte, die dieser bewegten Zeit unmittel⸗ bar vorausgeht, ist so kompliziert, so viel⸗ gestaltig, daß man sie nicht mit einem kurzen Urteil abtun kann. Genau so geht es uns ja

mit der eigenen Lebensgeschichte. Sehen wir

an einem Neujahrstage auf die Jahre zu rück, die wir seither mit Gottes Hilfe ver⸗ lebt haben, so kommt uns unsere Vergangen⸗ heit vor wie ein Teppich, in dem man Muster und Farben der verschiedensten Art ein gewoben hat. Auf Tage der Familienfreude, auf Wochen der gesegneten Arbeit folgten Zeiten, da es weder im inneren noch im äußeren Leben voranging. Wenn wir auf einem Höhepunkte unseres Lebens gestanden hatten, so wurden wir gleich darauf in die Tiefe geflihrt, an Sterbebetten, an Gräber, in eigene schwere Krankheit hinein, zu Miß erfolgen und Fehlschlägen bedrückendster Art. Auch unser Glaubensleben schwankte auf und ab, von dem festen, getrosten Harren auf die Hilfe des Herrn fielen wir oft in eine Ge

mütsstimmung, da es uns um Trost bange 0 9, 8

war; im Kampfe mit der Sünde ebbte unser Leben gleichfalls auf und ab. Wir erlebten Stunden, da wir die Reinheit unseres In⸗ nenlebens gegen die Anläufe der Welt stand haft behaupteten, und Stunden, an die wir mit Reue und tiefer Beschämung zurückden ken. Wer vermöchte das Leben des deutschen Volkes, wie es sich uns im letzten Jahrzehnt darstellt, auf eine Linie zu bringen? Wir haben Großes, unendlich Großes gesehen. (Schluß folgt.)

Gewaltsame Erkundung. Von einem Gießener.

(Schluß.)

Endlich dämmerte der Morgen des fest⸗ gesetzten Tages heran. Der Kompagnieführer hatte unauffällig eine Gasse in das eigene Drahtsystem schneiden lassen, und ich stand mit meinen acht Leuten hinter dem Laufsteg, der auf den vorderen Grabenrand hinauf⸗ führte. Etwa 40 Meter links hatte sich der

andere Trupp unter Führung des Unter⸗ offiziers Franck aufgestellt. Es war doch ein eigentümliches Gefühl, als ich, die Uhr in der Hand, auf den verabredeten Augenblick war⸗ tete. Endlich war er da. Ich gab das Zeichen mit der Taschenlampe. Das Antwortsignal kam, und nun hieß es: Los! Wir brachen aus dem Graben vor. Schattenhaft zeich⸗ neten sich unsere Gestalten auf dem Kanal⸗ damm ab. Würden wir in die schützende Tiese sinken können, ehe der Feind uns bemerkte? Da gab es einen Zwischenfall. Unser 3 Meter langer Laufsteg verfing sich im Draht. Eine Stockung, ein kleines Geräusch, ein Klir⸗ ren... Und schon ward es drüben lebendig, Es regte sich, und, wie gefürchtet, die ersten Schüsse blitzten auf. Wir waren entdeckt Nun aber galt es. In rasendem Lauf durch⸗ guerten wir das Kanalbett und schmiegten uns flach an den jenseitigen Hang. Es war höchste Zeit. Denn jetzt gaben die Fran⸗ zosen Salven mit Handgranaten ab. Die Wurfgeschosse sausten über unsere Köpfe, und die Kanalsohle war in eine einzige Feuerlinie von zuckenden Explosionen verwandelt. Nun setzten auch unsere Handgranatenwerfer ein, die Maschinengewehre fingen an zu tacken. Granat⸗ und Minenwerfer krachten los und hinten irgendwo dröhnten die Geschütze. Ez war ein Höllenkonzert. Wir lagen eng an den Steilhang angepreßt. Etwa 5 Minuten lang. Atemlos. Während dieser Zeit wurde ich verwundet. Ein Handgranatensplitter drang mir von hinten in die rechte Schulter, Neben mir bekam ein Kamerad einen Schuß in das Bein. Wer sonst von meinem Häuf⸗ lein noch verletzt war, das zusammengeduck sam Hang kauerte, vermochte ich nicht z übersehen. Was sollten wir tun? Rückwärts konnten wir nicht, denn der Kanal war ein breiter, lohender Feuerstreifen. Vor unz türmte sich das Drahtverhau. Dahinter der Feind. Wir hatten durch Ueberraschung wir⸗ ken wollen. Das war jetzt vorbei. Irgend⸗ wo lag unser hoffnungsvoller Rost. So mußte es denn mit Gewalt versucht werden, Trotz alledem. Ich gab den Befehl, und wir schleuderten die Handgranaten, die wir am Foppel trugen, auf einen Schlag in den Gra⸗ hen, etwa 20 Stück. Da wurde es still vor uns. Jetzt galt es jetzt oder nie. Wit benutzten den Moment, zogen die Pistolen und drangen vor. Wie wir über den Draht gekommen sind, weiß ich heute noch nicht. Es war, als würden wir hinüber getragen. Man ist in solchen Augenblicken erhöhter Spannung über sich selbst emporgehoben und wie in einem anderen Bewußtseinszustand⸗ Wir spürten die Stachelstiche, merkten, wie uns die Kleiderfetzen vom Leih sanken, und plötzlich standen wir im feindlichen Graben.

Im Dämmerlicht sahen wir zunächst niemand

und tasteten uns, dem Plan gemäß, nach

links vor. Es war ein unheimliches Ge⸗ schäft. Alle paar Schritte führte ein Stich⸗ (graben nach hinten und verlor sich im Mor,

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